Politik

Die Räume in der Münchner Ludwigstraße bleiben dieselben, aber der Träger der Hochschule für Politik hat sich geändert. (Foto: HfP)

06.03.2015

"Das Profil wird internationaler"

Ursula Münch, Direktorin der Akademie für politische Bildung und designierte Beirätin der Hochschule für Politik, über die Perspektiven des zur TU gewechselten Instituts

Die Hochschule für Politik (HfP) in München hat nach jahrelangen Querelen ihre Träger-Universität gewechselt. Sie gehört nun zur Technischen Universität (TU), nicht mehr zur Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Zur Wahl für den neu zu berufenden Hochschulbeirat steht neben Daimler-Aufsichtsratschef Manfred Bischoff und Zeit-Herausgeber Josef Joffe die Politologin Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing.

BSZ: Frau Münch, die HfP trägt künftig den Beinamen „Bavarian School of Public Policy“. Was verbirgt sich dahinter?
MÜNCH: Ein verändertes Themenspektrum. Das Studium wird sicher anwendungsorientierte, und die Lehre erhält ein internationales Profil.

BSZ: Was gelingt jetzt an der TU, was an der LMU nicht geklappt hat?
MÜNCH: Die HfP hat jetzt eine ganz andere Struktur als zuvor. Der Landtag hat die Entscheidung getroffen, zusätzliches Geld aus dem Haushalt zur Verfügung zu stellen. Deshalb können Sie die neue HfP mit der alten gar nicht vergleichen. Nur ein Beispiel: Früher hat die HfP mit externen, geringfügig besoldeten Lehrbeauftragten zusammengearbeitet, künftig hat sie mindestens fünf eigene Professuren.

BSZ: Wieso hat dieser Neuanfang nicht unter dem Dach der LMU geklappt?
MÜNCH: Es gab Verstimmungen, die ich jetzt nicht aufwärmen will. Von der neuen Konstellation profitiert die HfP, deren Existenz nun gesichert ist. Und auch die TU gewinnt an Profil, indem sie sich sozial- und humanwissenschaftlichen Themen öffnen kann und damit einen Kurs fortsetzt, den sie bereits 2012 eingeschlagen hat.

BSZ: Es soll auf die fünf Professuren 350 Bewerber geben.
MÜNCH: Ja, das ist erfreulich. Die HfP bietet ja künftig einen konzentrierten Blickwinkel zum Beispiel auf die Digitalisierung und wie diese unser Leben verändert – auf persönlicher, gesellschaftlicher, beruflicher und politischer Ebene. Für engagierte Wissenschaftler mit Interesse an technikwissenschaftlichen Themenstellungen ist die neue HfP ein hochattraktiver Arbeitsplatz. Es gibt keine weitere Hochschule in Deutschland, an der sich gleich fünf politikwissenschaftlich ausgerichtete Professuren mit den Wechselwirkungen zwischen Technik, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik beschäftigen.

BSZ: Mit welcher persönlichen Motivation haben Sie sich bereiterklärt, für den HfP-Hochschulbeirat zu kandidieren?
MÜNCH: Ich habe am Geschwister-Scholl-Institut (GSI) hier in München studiert und war als wissenschaftliche Mitarbeiterin des GSI eine kurze Zeit auch Dozentin an der HfP. Als ich Direktorin der Akademie für Politische Bildung wurde, war damit ein Sitz im Kuratorium der alten HfP an der LMU verbunden. Daher kenne ich die Herausforderungen seit Langem und freue mich nun, neben den teils schlechten Tagen auch die guten, vielversprechenden zu erleben. Aber erst muss ich in den Beirat gewählt werden.

Wer nicht technikaffin ist, ist an der HfP wohl nicht so gut aufgehoben

BSZ: Das klappt sicher. Welche Akzente wollen Sie im Beirat setzen?
MÜNCH: Der Beirat ist ein beratendes Gremium – Akzente werden die künftigen Hochschullehrer setzen. Ich werde aber darauf achten, dass die Politikwissenschaft nicht zu kurz kommt. Wer an der HfP studiert, soll kein verkapptes Ingenieursstudium absolvieren.

BSZ: Dass demgegenüber die Belange der Technik gewahrt bleiben, darüber soll wohl ihr künftiger Beiratskollege Manfred Bischoff wachen, Aufsichtsratschef des Daimler-Konzerns. Haben Sie sich schon mit ihm ausgetauscht?
MÜNCH: Nein, wir sind uns noch nicht begegnet. Ich freue mich, dass sich das bald ändert.

BSZ: Wer jetzt in München Politikwissenschaft studieren möchte, kann zwischen dem Geschwister-Scholl-Institut an der LMU und der HfP an der Technischen Universität wählen. Angenommen, eine Abiturientin mit politikwissenschaftlichen Ambitionen fragte Sie um Rat, wohin sie gehen soll – wozu würden Sie raten?
MÜNCH: Das ist stark von den eigenen Interessen abhängig. Wer keine Neigung zu Technik hat und sich über die Bedienung des eigenen Smartphones hinaus nicht für Technikfragen interessiert, ist wahrscheinlich an der HfP nicht gut aufgehoben. Die HfP wird einen ganz starken Fokus auf technische Innovationsforschung entwickeln. Am Geschwister-Scholl-Institut, einem der renommiertesten Institute unseres Landes, haben Sie einen breiteren Blickwinkel: auf die Methoden, auf die empirische Wissenschaft, auf die politische Philosophie. Wo man nun das Studium beginnt, ist aber nicht letztendlich entscheidend.

BSZ: Warum nicht?
MÜNCH: Der Bologna-Prozess sieht ja vor, dass man nach dem Bachelor-Studiengang möglichst die Universität wechselt, um seinen Master zu machen. Ich halte viel davon, dass man mit der Universität auch einmal die Stadt wechselt. Aber das ist nun nicht zwingend vorgeschrieben. In München kann man künftig einfach von der LMU an die TU oder umgekehrt wechseln. Das ist schon ein besonderes Angebot, und es wird den Wettbewerb um die besten Studentinnen und Studenten zwischen beiden Universitäten fördern. Konkurrenz belebt auch hier das Geschäft.
(Interview: Jan Dermietzel)

(Foto: Ursula Münch, Direktorin der Akademie für politische Bildung und designierte Beirätin der Hochschule für Politik)

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