Politik

02.09.2011

Der designierte Landratskandidat Michael Adam (SPD) über Großprojekte, Christian Ude und SPD-Ambitionen

"Es geht mir um den großen Wurf“

Die Bayern-SPD ist auf 21 Prozent der Stimmen geklettert – entsprechend groß ist die Euphorie innerhalb der Partei. So auch bei Michael Adam, dem 26-jährigen Bürgermeister im niederbayerischen Bodenmais und wahrscheinlichen Landrats-Kandidat im Landkreis Regen.

BSZ: Herr Adam, Sie sind seit gut drei Jahren Bürgermeister in Bodenmais. Langweilt Sie Ihr Amt so, dass Sie nun als Landrat im Landkreis Regen kandidieren wollen?
Adam: Ich leide hier in Bodenmais nicht an Arbeitsmangel. Es ist aber so, dass sich durch den tragischen Tod unseres Landrats eine neue Situation ergeben hat. Es geht darum, eine gute Nachfolge zu finden, und diese Chance wollen wir als SPD nutzen.

BSZ: Sie sagen immer ’wir’ . Wer oder was hat Sie denn zur Kandidatur bewogen ?
Adam: Das Rennen ist offen, weil keiner auf die Situation vorbereitet war. Auch nicht bei der CSU, die ja zugegebenermaßen die Favoritenrolle hat in unseren Breiten. Aber ich habe mit Bürgermeister-Kollegen von der SPD gesprochen, und die Meinung war einhellig die, dass im Landkreis Regen Themen und Bereiche wichtig sind, die mir persönlich liegen.

BSZ: Welche?
Adam: Landrat Heinz Wölfl hat den Landkreis in allen Bereichen sehr gut geführt. Aber in Sachen Tourismus könnte man etwa neue Akzente setzen. Ich sehe erheblichen Verbesserungsbedarf beispielsweise im Tourismus-Vertrieb und im nachhaltigen Produkt-Aufbau. Außerdem müssen wir Alleinstellungsmerkmale in den Landkreis holen. Und damit meine ich keinen neu hergerichteten Dorfplatz.

BSZ: Sondern?
Adam: Mir schweben da große touristische Zugpferde im Stil des Europaparks Rust vor. Aus Gesprächen mit dem bayerischen Wirtschaftsminister Martin Zeil wissen wir, dass er für gute Ideen offen ist – wenn es sich um einen großen Wurf handelt.

"Im Landtag wär's auch spannend" 

BSZ: Heinz Wölfl hat ein viel beachtetes Papier gegen die Abwanderung aus dem ländlichen Raum auf den Weg gebracht. Gehört dieses Thema auch zu Ihrer Agenda?
Adam: Ich würde dem Papier zu 99 Prozent zustimmen. Aber Forderungen an die Staatsregierung zu unterschreiben und immer wieder zu bekräftigen, ist eine Sache. Überlegen, was man vor Ort selber tun kann, ist eine andere.

BSZ: Sie sind mit 26 Jahren Bürgermeister in Bodenmais, SPD-Chef des Bezirks Niederbayern und Sie haben 2009 für den Bundestag kandidiert. Wie hoch wollen Sie in der Politik hinaus?
Adam: Es würde mich durchaus reizen, noch für einige Jahre Bürgermeister zu sein. Wenn man allerdings in meinem Alter in die Politik kommt, ist das kein Amt, von dem man sagt: „Da bleibe ich jetzt bis zur Rente.“ Eine politische Karriere ist nicht planbar, aber nun konzentriere ich mich voll und ganz auf die Perspektive Landrat.

BSZ: Und was ist mit Ihrem Politik-Studium in Regensburg?
Adam: Ich habe mich exmatrikuliert, weil ich noch in den alten Diplom- und Magisterstudiengängen eingeschrieben war und eine Beurlaubung abgelehnt wurde. Parallel studieren klappt neben meinem Fulltime-Job als Bürgermeister einfach nicht. Meine Scheine kann mir aber keiner nehmen. Und wenn es in meinem Leben ruhiger wird, mache ich das Studium fertig.

BSZ: Themenwechsel: Wie bewerten Sie die mögliche Kandidatur Christian Udes als SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahlen? Momentan liegt er laut Umfrage in der Wählergunst drei Prozentpunkte vor Ministerpräsident Horst Seehofer.
Adam: Ich halte das für eine sehr gute Personalentscheidung, weil Christian Ude über München hinaus eine hohe Strahlkraft hat. Damit verbunden sehe ich die Möglichkeit, die Staatsregierung in einer Koalition mit Grünen und Freien Wählern abzulösen. Wir können vor den Grünen liegen und den Ministerpräsidenten stellen.

BSZ: Die Machtübernahme klingt wie ein Kinderspiel aus Ihrer Sicht...
Adam: Man wird sich sicher über manche Themen mit den Koalitionspartnern auseinandersetzen müssen. Ude ist ja einer, der sagt, ich werde nicht das negieren, was gestern noch in München für mich richtig und wichtig war. Aber wir werden Wert darauf legen, dass der ländliche Raum nicht zu kurz kommt.

BSZ: Dennoch können Erfolge von Kommunalpolitikern wie Ude, Maly und auch Ihnen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bayern-SPD als Partei in der Fläche nicht ankommt. Warum ist das so?
Adam: Ich glaube, es ist nicht so sehr eine Frage der Inhalte als eine des Personals. Im kommunalen Bereich ist die CSU ja nicht mehr unangefochten die stärkste Kraft. Es muss innerhalb der SPD eine Aufbruchstimmung geben, damit sich auch erfolgreiche Kommunalpolitiker für die Landespolitik zur Verfügung stellen. Wenn man nämlich so lange in der Opposition ist wie die SPD, denkt sich mancher Bürgermeister, vor Ort könne er mehr bewegen als in München. Deshalb stellen wir für Landtagskandidaturen oft Leute aus der zweiten Reihe. Da müssen wir ran.

BSZ: Würden Sie selbst denn für einen Landtagsposten kandidieren, sollte es mit dem Landratsposten nicht klappen?
Adam: Klar, ich habe als Bürgermeister nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich es spannend finden würde, in den Landtag oder Bundestag zu gehen. Mehr bewegen könnte ich nun allerdings als Landrat.

BSZ: Mit welchem Alleinstellungsmerkmal der SPD wollen Sie Wähler mobilisieren?
Adam: Das Thema soziale Gerechtigkeit ist für uns kein ausgelutschter Begriff. Gerade ein florierender Staat wie Bayern muss seine Einnahmen gerechter verteilen. Momentan kommt nun mal derjenige, der gebildete Eltern oder die entsprechende Finanzausstattung hat, leichter zum Abitur als andere. (Interview: Alexandra Kournioti)

 

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