Politik

Vertrauliche Mails tippen? Im Zweifel ist wohl ein Brief sicherer. (Foto: dpa)

05.07.2013

Der Feind im digitalen Orbit

Schutz vor Internetspionage: Bayerns Innen- und Wirtschaftsministerium gründen das "Cyber-Allianz-Zentrum"

Der Feind hört mit. Oder ist es doch der Freund? Man weiß das ja heute nicht mehr so genau. Unangenehm ist es im Zweifel auf alle Fälle. Um bayerische Unternehmen vor Spionage und Sabotage aus dem Netz zu schützen, haben Innen- und Wirtschaftsministerium nun das „Cyber-Allianz-Zentrum“ ins Leben gerufen. Diese beim Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) angesiedelte Einheit dient den Firmen künftig als zentraler Ansprechpartner bei Prävention und Abwehr von Gefahren aus dem Netz. Egal ob dahinter Kriminelle, ausländische Konkurrenz oder Geheimdienste stecken, „wir wollen unsere bayerischen Unternehmen vor Angriffen aus allen Himmelsrichtungen schützen“, betont Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Nach den jüngsten Enthüllungen sei davon auszugehen, dass die Datensammlung selbst befreundeter Dienste weit über die Terrorabwehr hinausgehe. „Jedes Unternehmen sollte auf alles gefasst sein“, sagt Herrmann.

Ansprechpartner für Firmen


Nach Zahlen aus dem Wirtschaftsministerium entsteht bayerischen Firmen durch das Ausspähen von Firmendaten, Produktpiraterie und gezielte Sabotage aus dem Netz alljährlich ein Milliardenschaden. Ziel der Attacken seien immer öfter auch kleine, innovativ tätige Mittelständler, erklärt Staatssekretärin Katja Hessel (FDP). Nicht alle seien sich aber der Risiken aus dem Internet bewusst. „Die Chancen der Digitalisierung lassen sich für die bayerische Wirtschaft nur dann gewinnbringend nutzen, wenn wir auch die Risiken in den Griff bekommen“, so Hessel. Herrmann mahnt bei der elektronischen Übertragung sensibler Daten und Informationen zur Vorsicht: „Die Chance, dass ein Brief ungelesen beim Empfänger ankommt, ist heute größer als bei einer E-Mail.“
Das Cyber-Allianz-Zentrum nimmt die Meldungen angegriffener Firmen auf, analysiert sie und empfiehlt Konsequenzen. Die eingegangenen Firmendaten werden dabei absolut vertraulich behandelt, sichert LfV-Präsident Burkhard Körner zu. Ziel sei es, Angriffsmuster zu identifizieren und dann auch andere Firmen gezielt zu warnen. Hessel appelliert deshalb an die Unternehmen, sich im eigenen Interesse rege an dem Informationsaustausch zu beteiligen.
So sieht das auch der Vorsitzende des Sicherheitsarbeitskreises bayerischer Unternehmen, Joachim Marcher. Schließlich sei mit dem Cyber-Allianz-Zentrum ein Wunsch vieler Firmen im Freistaat erfüllt worden. „Wir haben nun auf Behördenseite einen zentralen und kompetenten Ansprechpartner“, so Marcher. Die Ansiedlung des Zentrums beim LfV sei eine richtige Entscheidung gewesen, da dort sensibel mit den Firmendaten umgegangen werde und Vertrauensschutz gewährleistet sei. Vorbehalte von Unternehmen gegen den Verfassungsschutz seien „absolut fehl am Platz“. Marcher fordert für Unternehmen eine freiwillige Selbstverpflichtung zur Meldung von Cyber-Angriffen an das Zentrum.
(Jürgen Umlauft)

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