Politik

Huber ist unauffällig, aber beliebt: Bei der Landtagswahl erzielte er das beste Erststimmenergebnis bayernweit. (Foto: dpa)

05.09.2014

Der Moderator folgt der Macherin

Jetzt also doch: Marcel Huber beerbt Staatskanzleichefin Haderthauer - er ist in fast allem das personifizierte Kontrastprogramm

Leiter/in der bayerischen Staatskanzlei: Das klingt zunächst mal gut und wichtig. Dennoch wirkten die Amtsinhaber zuletzt alle eher im Stillen – bis auf die extrovertierte Christine Haderthauer. Mit Marcel Huber zieht jetzt wieder ein Politiker vom Typ besonnener Moderator in die Regierungszentrale ein.


Der entsprechende Passus in der Bayerischen Verfassung liest sich unspektakulär: „Zur Unterstützung des Ministerpräsidenten und der Staatsregierung in ihren verfassungsmäßigen Aufgaben besteht eine Staatskanzlei.“ Auch deshalb mussten sich die Staatskanzleichefs mitunter abschätzig als „Hausmeister“ titulieren lassen. Bei Staatssekretären ist der Job indes durchaus begehrt – er ist oft Sprungbrett für Ministerweihen.
Dass ein amtierender Minister, so wie nun der bislang für Umwelt zuständige Marcel Huber, in die Regierungszentrale wechselt, kommt deshalb selten vor. Erwin Huber war so ein Fall: Er verzichtete 1998 auf seinen Traumjob als Finanzminister, den er vier Jahre lang innehatte. Stoiber wollte ihn damals in der Staatskanzlei haben. Ein Posten, den Erwin Huber von 1994 bis 1995 bereits hatte. Politik gestalten konnte er in der Staatskanzlei nur indirekt – indem er im Bundesrat bayerische Initiativen durchboxte. Durchaus erfolgreich übrigens – jedenfalls rühmen ihn altgediente Staatskanzleileute noch heute als „den besten Staatskanzleichef, den wir je hatten“.
Auch Marcel Huber war schon mal Staatskanzleichef – von März bis November 2011. Über ihn, seinen Vorgänger Siegfried Schneider und seinen Nachfolger Thomas Kreuzer urteilten die Ministerialen: „Lieb und nett, aber man hat gar nicht gemerkt, dass sie da sind.“

 

Haderthauer ließ im Fasching Krapfen verteilen - beliebt war sie trotzdem nicht. Aber respektiert


Hauptaufgabe des Leiters der Staatskanzlei ist es, den Willen des Ministerpräsidenten zu transportieren und die Politik der Staatsregierung zu verkaufen – zunächst in der CSU-Landtagsfraktion. Von den Staatskanzleichefs der letzten vier Jahre Jahre erledigte das am besten Thomas Kreuzer – seit Oktober 2013 Vorsitzender der CSU-Fraktion. „Der hatte in der Fraktion ein super Standing“, heißt es in der Staatskanzlei. Ansonsten entsprach auch Kreuzer als Staatskanzleichef dem Raster zurückhaltend und uneitel.
Haderthauer war weder das eine noch das andere. Von ihr sagte keiner, dass sie lieb und nett sei. Obwohl sie mit freundlichen Gesten versuchte, die Mitarbeiter für sich einzunehmen – indem sie etwa im Fasching Krapfen verteilte. Dafür war sie respektiert. „Es hat Spaß gemacht, für sie zu arbeiten, weil sie Power hat und nicht ängstlich ist“, urteilt einer, der sie erlebt hat.

Die Alphatiere in Regierung und Fraktion dürften aufatmen


Seehofer hat den Amtszuschnitt für Christine Haderthauer erweitert: Sie wurde zuständig für Bundesangelegenheiten, war also häufig in Berlin zugange, vor allem im Bundesrat. Sie avancierte zur Entbürokratisierungsbeauftragten der Staatsregierng, musste beispielsweise dafür sorgen, dass neue Gesetze nur dann erlassen wurden, wenn dafür ein bestehendes getilgt werden konnte – kein leichter Job. Denn die Verwaltung verteidigt ihre Vorschriften meist mit Zähnen und Klauen. Doch Haderthauer, heißt es, „war kampfbereit“. Schließlich hatte Seehofer ihr auch die Aufgabe übertragen, das im Kabinett Beschlossene den Medien zu verkünden – ein Job, welcher der schlagfertigen Ministerin lag.
Marcel Huber, 56 Jahre alt und von Beruf Tierarzt, wird Haderthauers Zuständigkeiten komplett übernehmen – vermutlich atmen da manche Ressortkollegen und auch Verwaltungsleute auf. Denn dass er so entschlossen ans Thema Verwaltungsreform rangeht wie die resolute Haderthauer, bezweifeln viele.
In der Fraktion übrigens ist Huber nicht nur geschätzt, sondern sogar beliebt. Auch das unterscheidet ihn von Haderthauer, deren oft überforsche Art nicht allzu viele Landtagskollegen verputzen konnten. Huber, sagt ein erfahrener Landtagsabgeordneter, sei einerseits „eine gute Lösung: „Er ist seriös und hat keine Ambitionen, selber Politik zu machen.“ Die Kehrseite: „Er ist kein Typ mit großer Außenwirkung, keiner, der in Talkshows passt“. Den Alphatieren in Kabinett und Landtag wird das durchaus recht sein. (Waltraud Taschner)

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