Politik

28.09.2012

Die Betreuungsgeld-Posse

Ein Kommentar von Roswin Finkenzeller

Das Betreuungsgeld ist, ordnungspolitisch gesehen, keine konservative, sondern eine sozialistische Idee. Demokratischer Sozialismus geht so: Den steuerpflichtigen Leistungsträgern wird das Geld abgenommen, und zwar möglichst viel. Derart ausgestattet, gucken sich die Regierungsparteien Bevölkerungsgruppen aus, die sie durch milde Gaben für sich einzunehmen versuchen. Der heimliche Hintergedanke des Stimmenkaufs spielt dabei eine heftig verleugnete Rolle. Die CSU, die mittlerweile ebenfalls ihre Umverteilungsspezialisten herangezüchtet hat, ist dabei auf eine originelle Zielgruppe verfallen, die Eltern von Kleinkindern.
Offenbar hält sie das für eine Glanzidee. Mit solcher Verve behandelt zu werden, hätten andere Themen eher verdient. Ein Kollateralspaß besteht darin, in bester Merkel-Manier die FDP zu ärgern, weshalb kurzerhand vergessen wurde, sie an den jüngsten Abmachungen zu beteiligen. Seehofer behauptet, das Betreuungsgeld werde den Eltern, die ihre Kinder nicht in die Krippe geben wollen, Wahlfreiheit verschaffen. Mit 150 Euro? Das glaubt er wohl selber nicht. Es ist jedoch ein weiterer Beweis für die Selbstüberschätzung der Familienpolitiker.

Aha, Herdprämie


Die bayerische Opposition nutzt natürlich die willkommene Gelegenheit, die Regierungspartei lächerlich zu machen. Aha, Herdprämie. Oder das Frauenbild vom Heimchen am Herd. Nur nebenbei: Das wirkliche Heimchen ist eine Grille, wobei die Vorderflügel des Weibchens ein Rautenmuster aufweisen, wie es der CSU geläufig sein müsste.
Wesentlicher ist jedoch die Erkenntnis, dass nicht nur in Bayern, sondern in ungefähr allen Kulturen dieser Erde die Mutter als die beste Erzieherin gilt, und das überall aus demselben Grund: Sie liebt das kleine Kind am meisten, zumindest in aller Regel. Also möchte die Union, durchaus unkonservativ, eine Selbstverständlichkeit honorieren und kommt auch noch auf die Schnapsidee, die Gewährung des Almosens an Vorsorgeuntersuchungen zu koppeln. Jetzt fehlt nur noch eine finanzielle Zuwendung für Personen, die nicht straffällig geworden sind. Auch da könnte Seehofer sagen, es gehe ihm nur um die Wahlfreiheit.

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