Politik

29.10.2010

Die einzige Hoffnung

Ein Kommentar von Roswin Finkenzeller

In der Phantasie der Deutschen hat es Karl-Theodor zu Guttenberg schon zum Schattenkanzler der Republik gebracht. In der Phantasie der Bayern amtiert er auch noch als Schattenvorsitzender seiner CSU und notfalls als Schattenministerpräsident des Freistaats. Dabei sind die Leute, die einen Narren an ihm gefressen haben, ganz gut zu verstehen. Ihr Star ist noch unter 40, also gerade der Jungen Union entwachsen, und sieht gut aus. Niemand hält ihn für einen Apparatschik, niemand für einen Luftikus. Äußerst selbstsicher, erträglich arrogant und maßvoll eitel, bringt er das Kunststück fertig, immerzu als anständiger Kerl zu gelten. Er ist steinreich und damit kaum erpressbar, also unabhängig. Wäre jemand so dumm, ihn hinausekeln zu wollen, würde er nach allgemeiner Überzeugung die politische Szene erhobenen Hauptes verlassen.

Angela Merkel und Horst Seehofer: Sie wecken keine Begeisterung


Die Herzen der Unionsanhänger schlagen für ihn, weil kaum jemand da ist, für den sie sonst noch schlagen könnten. Angela Merkel hat aufgehört, Begeisterung zu wecken, Horst Seehofer damit nie angefangen. Das Publikum, gerade das nörgelnde, wartet jedoch nur darauf, Sympathien verteilen zu können, und ist dankbar, sobald sich ein Adressat blicken lässt. Wie stark das Verehrungsbedürfnis ist, beweist die Kuriosität, dass der populärste Mann, eben Guttenberg, zuzeit mit der unpopulärsten Aufgabe beschäftigt ist, der Fortsetzung des Krieges in Afghanistan. In ihrem Liebling sehen die Leute keinen ewigen Verteidigungsminister, keinen Kriegsherrn und Eisenfresser, sondern den künftigen großen Staatsmann.
Fragt sich also, was er kann. Er nahm die faktische Abschaffung der Wehrpflicht auf seine Kappe und legte dabei ein ungewöhnlich forsches Tempo vor, womit bewiesen werden sollte, dass er es verstehe, rasch zu handeln. Allerdings schaffte er einen Schuh ab, der niemanden drückte, denn fast ein Kinderspiel war es schließlich, sich der Verpflichtung zum Wehrdienst zu entledigen.
Zurzeit wird das Bundesverteidigungsministerium unter die Lupe genommen, wo es drunter und drüber zu gehen scheint. Im jetzt vorgelegten Bericht einer Struk-
turkommission findet sich der vernichtende Begriff „Verantwortungsdiffusion“. Gut möglich, dass die meisten Guttenberg-Verehrer das überhören und weiterhin glauben, ihr Idol sei der geborene Chef.

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