Politik

23.09.2011

Die FDP am Stock

Ein Kommentar von Roswin Finkenzeller

Zur Lebensplanung Angela Merkels gehören Schwarz-Gelb bis 2013 und dann die Wiederaufnahme von Schwarz-Rot. Deshalb lässt die Regierungschefin die Liberalen seit zwei Jahren am ausgestreckten Arm verhungern. Eigentlich funktionieren Koalitionen nur, wenn der größere dem kleineren Partner auch mal einen Erfolg gönnt. Dass die Kanzlerin diese goldene Regel mit Wonne verletzt und die Rösler-Riege sich das bieten lässt, treibt deren potenzielle Wähler zur Weißglut.
Zuständigkeitshalber nimmt Westerwelle sogar die Schuld auf sich, wenn Merkel einen schweren außenpolitischen Fehler macht. Selbstverständlich hat es auf das Konto der Kanzlerin zu gehen, dass in der Libyen-Debatte des UN-Sicherheitsrates Deutschland sich der Stimme enthielt und damit genau jene vor den Kopf stieß, die ihm den heiß ersehnten ständigen Sitz in diesem Gremium verschaffen sollen. Und jetzt die Geschichte mit der „geordneten Insolvenz“. So oder so ähnlich haben über Griechenland schon Hunderte gesprochen, unter ihnen auch CDU-Politiker, ja sogar Angela Merkel, der es gleichwohl behagt, wie auf den kleinen Rösler eingedroschen wird.

Enttäuschte, entsetzte FDP-Wähler


Bayerns Ministerpräsident ist in einer anderen Situation als die Kanzlerin. Horst Seehofer wird sich nicht einbilden, ihm werde Christian Ude, vielleicht als Wirtschaftsminister, schon zur Seite stehen, sobald auch im Maximilianeum die FDP von der Bildfläche verschwinde. Vielmehr versteht jeder, der in Bayern bis 50 zählen kann, die mütterlichen Gefühle, die neuerdings eine abgespeckte CSU für die ausgezehrte FDP empfindet, die übrigens pflegeleichter ist als die Freien Wähler. Es geht also darum, dass enttäuschte, ja entsetzte FDP-Anhänger zu ihrer alten politischen Liebe zurückfinden. Hier das uralte Rezept dafür: Der Größere muss dem Kleineren hin und wieder einen Triumph gönnen, aber einen, der in der Öffentlichkeit auch wahrgenommen wird.
Sollte hingegen die FDP völlig zerbröseln, müsste sofort eine neue erfunden werden. Denn ihr angestammtes Thema ist (oder wäre) das politisch schönste überhaupt: die Freiheit. Da die Versuche, diese von allen möglichen Seiten einzuschränken, niemals aufhören werden, haben die echten Liberalen, also nicht unbedingt jene, die wir in Deutschland und Bayern kennengelernt haben, ein ewiges Beschäftigungsprogramm.

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