Politik

Von Null auf Hundert: Ulrike Scharf avanciert zur Umweltministerin.

05.09.2014

Die Mär von der Fachkompetenz

Die neue Umweltministerin Ulrike Scharf muss sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht vom Fach zu sein - das gab’s allerdings schon öfter

Eine Betriebswirtin also. Die ein Reiseunternehmen leitet. Im Umweltausschuss sitzt sie auch nicht. Sondern im Wirtschaftsausschuss. Und jetzt ist die bis dato einfache Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf (46) Umweltministerin in Bayern. In der CSU und außerhalb wundern sich viele, von einer „riskanten“ Entscheidung ist die Rede.
Warum eigentlich? So selbstverständlich war es in der Vergangenheit ja noch nie, dass ausgewiesene Fachleute Regierungsämter kriegten – oder dass fachlich gesehen idealtypische Minister tatsächlich reüssierten.
Monika Hohlmeier zum Beispiel. Die Straußtochter avancierte 1998 zur Kultusministerin. Ihr beruflicher Background: Hotelkauffrau. Als Ministerin machte sie zeitweise trotzdem keine schlechte Figur – jedenfalls waren Eltern- und Lehrerverbände streckenweise ziemlich von ihr angetan. Politisch agierte sie weniger geschickt; wegen ihrer Verstrickung in die Münchner Wahlfälschungsaffäre trat sie 2005 als Ministerin zurück.
Der künftige Staatskanzleichef Marcel Huber hatte ebenfalls mal einen Regierungsjob im Kultusministerium: Im Jahr 2008 wurde er dort Staatssekretär – als gelernter Tierarzt. Er blieb drei Jahre. Dass er sich im Kultusministerium besonders ungeschickt angestellt hätte, ist nicht überliefert.

Im Umweltministerium waren ausgewiesene Fachleute bislang die Ausnahme


Im Umweltministerium selbst waren ausgewiesene Fachleute bislang ohnehin die Ausnahme: Der erste bayerische Umweltminister Alfred Dick war Volksschullehrer. Er amtierte von 1977 bis 1990 und galt als angesehen. Im Zuge der Tschernobylkatastrophe beging er 1986 allerdings die Torheit, öffentlich verstrahltes Molkepulver zu verzehren: als Beleg dafür, dass doch alles gar nicht so schlimm sei. Wiederberufen wurde er danach nicht mehr.
Die Ex-Umweltstaatssekretäre Hans Spitzner, Otto Zeitler und Christl Schweder waren von Beruf: Banker, Ingenieur und Fremdsprachenkorrespondentin.
Lediglich bei der Besetzung des Justizministerpostens achteten die jeweiligen Regierungschefs bislang darauf, einen Juristen oder eine Juristin zu rekrutieren. Die andere hilfreiche Voraussetzung für die Leitung eines Ministeriums – politisches Geschick und Durchsetzungskraft – legten dennoch nicht alle an den Tag. Die Ex-Justizministerin Beate Merk etwa agierte in der Causa Mollath selbst nach Meinung ihrer Parteikollegen reichlich unsensibel. Auch im Fall des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt unterliefen Merk Patzer. Seehofer versetzte die Juristin 2013 dann in die Staatskanzlei, wo sie nun für Europafragen zuständig ist.
Ulrike Scharf muss jetzt wie alle anderen auch zeigen, ob sie ihren Job drauf hat. Immerhin hat sie im Ministerium Dutzende Fachleute um sich. Auf die zu hören, sich aber dennoch eine eigene Meinung zu bilden und die auch durchzusetzen, ist die eigentliche Herausforderung aller Minister. Damit nicht der alte Beamtenkalauer Realität wird: „Uns doch egal, wer unter uns Minister ist.“ (Waltraud Taschner)

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Kommentare (2)

  1. jugewi am 07.09.2014
    Ich wünsche mmir noch Statistiken
  2. Unser Hessenreuther Wald e.V. am 10.09.2014
    Nach Marcel Huber, dem vermutlich schlechtesten und unfähigsten Umweltminister seit Bestehen des Freistaates Bayern, kann es nur noch aufwärts gehen. Viel Glück und Erfolg Frau Scharf.

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