Politik

30.08.2013

Die Not der Reporter

Ein Kommentar von Angelika Kahl

Politmagazine und die Mächtigen – das Verhältnis ist seit jeher schwierig. Wutschnaubend tobte schon Franz Josef Strauß über das Magazin Panorama „Es waltet ein Unstern über der Sendung!“ Oskar Lafontaine bezichtigte die Reporter des „Schweinejournalismus“ und Hildegard Hamm-Brücher nannte die Panorama- Leute sogar „schlimmer als Goebbels“. Jetzt also Horst Seehofer. „Die müssen raus aus Bayern“, soll er einem aufdringlich gewordenen Kamerateam des WDR-Magazins Monitor gedroht haben. „Die belagern uns schon die ganze Woche. Das werde ich mir nicht mehr gefallen lassen.“
Der Aufschrei bei Journalistenverband, WDR-Chefredaktion, Opposition und auch FDP ist nun groß: Von dem Versuch der Einschränkung der Pressefreiheit eines allzu Selbstherrlichen ist die Rede – Skandal! Nun ja. Ungeschickt und auch dreist ist der Ausbruch des „Sie können alles senden“-Seehofer gewiss. Aber der große Skandal? Der Ministerpräsident mag ja davon träumen, unliebsame Reporter einfach aus dem Freistaat werfen zu können. Daran glauben aber wird auch er nicht.

Politiker müssen sich lästige Fragen gefallen lassen


Absurd allerdings ist, wenn ausgerechnet Seehofer den Medien „Anstand“ beibringen will. Immerhin war er es, der im Beisein von Medienvertretern offen über seinen Finanzminister Söder lästerte – und auch ansonsten kein Problem damit hat, CSU-Leute öffentlich in den Senkel zu stellen. Seehofer hatte schlechtes Benehmen beklagt, weil das WDR-Team die Landtagspräsidentin Barbara Stamm bei einer Würzburger Wahlkampfveranstaltung mit laufender Kamera und Fragen zur Kritik des Rechnungshofs überfiel. Auch Stamm missfiel das Gebaren der TV-Leute.
Politiker aber müssen es sich gefallen lassen, dass man sie auch zu kritischen Sachverhalten befragt. Schon klar, dass sie lieber bei Markus Lanz lustige Anekdoten erzählen, als sich unbequemen Fragen zu stellen. Zumal der Pressestab das Geäußerte nicht mehr zurechtbügeln kann – kaum einer gibt heute noch ein Zeitungsinterview, ohne es sich vor Abdruck vorlegen zu lassen. Sicherer ist es für Politiker deshalb, Anfragen von TV-Magazinen prinzipiell abzulehnen. Genau deshalb haben sich im Fernsehen die gefürchteten „Spontaninterviews“durchgesetzt. Reporter stöbern einen Politiker irgendwo auf, um ihn vor die Linse zu bekommen. Überfalljournalismus nennen das einige. Mangelnder Anstand ist das aber nicht, schon eher journalistische Notwehr.

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