Politik

10.10.2014

Die Rache der Unbedachtheit

Ein Kommentar von Roswin Finkenzweller

Die Leute schmunzeln, feixen oder lachen sich ins Fäustchen. Nicht alle Tage hören oder lesen sie von so schönen Beleidigungen, wie das „Kohl-Protokoll“ sie ihnen vermittelt. Die eingestandene oder verhehlte Freude an den Enthüllungen in Buchform speist sich aus dem herrlichen Gefühl, bestätigt worden zu sein. Na also, wir wussten es doch schon lange, dass es unter Politikern nicht besonders fein, sondern ziemlich grobschlächtig zugeht.
Vor allem steht die Politik unter dem Generalverdacht der Unaufrichtigkeit. Die Publikation tut so, als werde endlich ein Schleier weggerissen. Tatsächlich aber werden alle entblößten und sich entblößenden Gestalten die Aufregung überleben, Kohl mit seinem Mundwerk, dann Christian Wulff mit seinem Grips, Angela Merkel mit Messer und Gabel und auch in aller Treue Norbert Blüm. Nur der Enthüller Heribert Schwan wird von Glück sagen können, wenn er noch einmal jemanden trifft, der ihm sein Herz ausschütten möchte.

Seltsame Rechtfertigung des Autors


Der Autor erklärte zu seiner Rechtfertigung, er habe gegenüber Kohl keine „Verschwiegenheitsvereinbarung“ unterschrieben. Typisch. Für Menschen, die anständig sind und einander vertrauen müssen, sollte derlei überhaupt nicht in Betracht kommen. Ob nun Kohl von jeder Menschenkenntnis verlassen war, als er sich mit Schwan zusammentat, oder ob ihm insgeheim die Affäre gar nicht so unlieb ist – jeder Mensch hat ein Recht auf unbedachte, nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Worte. Und die Gesellschaft hat ebenfalls ein Recht darauf, denn wenn jeder mitbekäme, was seine Bezugspersonen über ihn denken oder privat äußern, wäre überall die Hölle los. Taktisch denkende Politiker können sich auf den aktuellen Vertrauensbruch nur wieder den alten, hässlichen Reim machen: Junge, sei künftig schlauer und sage, was die Leute hören wollen, nie aber das, was du für richtig hältst.

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