Politik

Ingenieure sind vielseitig einsetzbar - und werden verzweifelt gesucht. (Foto: Getty)

25.07.2014

Die Suche nach dem Ingenieur ist schwör

Der Nachwuchsmangel im technischen Bereich stellt Unternehmen vor große Probleme

Ingenieure verzweifelt gesucht: Immer mehr Betriebe in Deutschland müssen schließen, weil der Inhaber kein Personal oder keinen geeigneten Nachfolger findet. In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg etwa werden in den kommenden fünf Jahren 1000 bis 2500 Eigentümer von Ingenieurbüros ohne Nachfolger in den Ruhestand gehen und somit die Büros wohl für immer schließen. Ganz so schlimm ist es in Bayern zwar nicht. Dennoch gestaltet sich die Suche nach Ingenieuren auch unter weiß-blauem Himmel für viele Unternehmen sehr schwierig – besonders außerhalb der Landeshauptstadt. Denn dort gibt es genügend große Unternehmen und Ingenieurbüros.
„Wir spüren die Konkurrenz zur Stadt“, sagt Michael Steinbauer, Geschäftsführer der Deutschen Doka Schalungstechnik GmbH aus Maisach (Landkreis Fürstenfeldbruck) der Staatszeitung. Er habe diverse vakante Positionen im Unternehmen, für die sich kein Ingenieur finde. „Besonders für unsere Niederlassungen in Nürnberg und Stuttgart ist kaum Potenzial vorhanden.“ So ziehe ein großes Bauunternehmen aus dem oberpfälzischen Neumarkt fast alle Bauingenieure aus Nürnberg ab. In München wiederum gehen die jungen Ingenieure laut Steinbauer lieber zu den großen Büros.
Das biete gerade für Berufsanfänger Vorteile, sagt Heinrich Schroeter, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau: „Die jungen Leute können so viele Erfahrungen sammeln.“ Er empfiehlt den Jung-Ingenieuren aber, nach einigen Jahren aufs Land zu wechseln: Dort könnten sie in einem Ingenieurbüro Partner werden, das idealerweise von einem Mittfünfziger geführt wird. Rückt dessen Ruhestand näher, könnte der Jüngere übernehmen. So seien Entwicklungen wie in Ostdeutschland abwendbar.

Vor allem Bauingenieure sind gesucht


Wie verzweifelt in Bayern gerade Bauingenieure gesucht werden, zeigt sich laut Schroeter an der Quote der freien Mitarbeiter in den Ingenieurbüros. Lag sie 2013 noch bei 17 Prozent, ist sie aktuell auf über 25 Prozent geklettert. In ganz Deutschland wurden nach Angaben des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie im April dieses Jahres 8150 Bauingenieure gesucht – umgerechnet auf Bayern sind es etwa 2000. Josef Wallner vom Bayerischen Bauindustrieverband verweist darauf, dass man arbeitslose Bauingenieure, von denen es im April 2014 etwa 1900 deutschlandweit gab, nicht so ohne Weiteres einsetzen könne, um die Bedarfslücke zu schließen. Denn oft müssten diese erst nachgeschult und technisch auf den neusten Stand gebracht werden.
Im Maschinenbau hingegen ist die Lage weniger dramatisch, betont Bauingenieure-Präsident Schroeter. Erst vor Kurzem habe er auf einem Symposium in Tutzing zum Problemfeld Ingenieurmangel erfahren, dass große Automobilhersteller aus Bayern auf eine eigene Ingenieursausbildung setzen. Allerdings würden nur etwa 20 Prozent der Absolventen übernommen. Der Rest müsse ein Zweitstudium anschließen, um allgemeine Ingenieurskenntnisse zu erwerben. Denn im Spezialstudium des Autofabrikanten werde lediglich für den spezifischen Bedarf im Unternehmen ausgebildet.
Insgesamt fehlen laut IHK-Fachkräftemonitor in Bayern im Jahr 2030 etwa 15 000 Ingenieure. Rund 181 000 Ingenieure würden benötigt, doch zur Verfügung werden wohl nur 166 000 stehen. Das entspricht einer Fehlquote von 8,3 Prozent.

Die öffentliche Hand hat (noch) kein Problem


Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags und Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, sagt: „Grundsätzlich müssen Unternehmen auf dem Land härter um qualifizierte Fachkräfte kämpfen als Unternehmen in München, denen die Attraktivität der Großstadt in die Hände spielt.“ Zwar seien die Absolventenzahlen in den Ingenieursstudiengängen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, doch das aktuelle Angebot deckt laut Driessen die Nachfrage noch bei Weitem nicht. „Zumindest stehen aber die Vorzeichen für eine leichte Entspannung in den kommenden Jahren nicht schlecht“, so Driessen.
Angst, dass keine Schulen, Straßen oder Kläranlagen mehr gebaut werden können, weil nicht genügend Ingenieure zur Verfügung stehen, muss, jedenfalls im Moment, niemand haben. Noch könnten alle Bauvorhaben der öffentlichen Hand realisiert werden, betont Wilfried Schober vom Bayerischen Gemeindetag. Eine Gewissheit, von der private Bauunternehmen häufig nur träumen.
(Ralph Schweinfurth)

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