Politik

21.04.2011

Die Tücken des Zentralabiturs

Ein Kommentar von Anke Sauter

Bildungsmäßig ist Deutschland ein zerklüftetes Land. Und zwar nicht nur, was die Vielzahl der Schularten angeht, sondern auch, was die Vergleichbarkeit der Abschlüsse betrifft. Zwar ist seit dem PISA-Schock einiges passiert, und bis auf Rheinland-Pfalz haben alle Länder einheitliche Abiturprüfungen eingeführt, aber noch immer ist ein in Bayern, Baden-Württemberg oder Sachsen abgelegtes Abitur mehr wert als eines aus nördlicheren Bundesländern.
Das wird nicht erst an der Hochschule zum Problem, wo Professoren das unterschiedliche Ausgangswissen der Erstsemester beklagen. Muss eine Familie innerhalb Deutschlands umziehen, kann es passieren, dass der Sprössling, eigentlich ein guter Schüler, eine Klasse wiederholen muss, weil ihm schlicht und einfach eine Menge Lernstoff fehlt. Kein Wunder, dass es immer mehr Bundesbürger gibt, die vom bundesweiten Zentralabitur träumen.
Da wirkt es wie eine Flucht nach vorn, wenn Bayerns Kultusminister und einige seiner Länderkollegen sich für eine Art Zentralabitur starkmachen: Gemeinsam soll ein Pool von Prüfungsfragen zunächst für die Fächer Mathematik und Deutsch erarbeitet werden, die mit dem Siegel des Berliner Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen allen Ländern zur Verfügung gestellt werden sollen. Auf dass künftig Abitur gleich Abitur sein werde. Spaenle sähe das Projekt am liebsten durch einen Staatsvertrag verankert. Ein schöner Gedanke. Doch Skepsis ist angesagt: Grundlegende Meinungsverschiedenheiten zwischen den politischen Lagern etwa beim gegliederten Schulsystem lassen eine Einigung auf ein gemeinsames Abitur eher unwahrscheinlich erscheinen.
Ohnehin sollten sich die Länder erst mal um die Bildungsstandards fürs Gymnasium kümmern, die das Berliner Institut im Auftrag der Kultusministerkonferenz seit 2008 erarbeitet und die im nächsten Jahr vorliegen sollen. Spaenles Drohung, vom bayerischen Standard dürfe keinesfalls abgewichen werden, ansonsten einige man sich eben auf ein „Südabitur“, ist kontraproduktiv. Ein Südabitur – was soll das denn bringen? Gemeinsame Standards aller 16 Länder jedoch – das müsste zu schaffen sein. Schüler, Eltern, Lehrer, der Bildungsstandort Deutschland: Alle würden davon profitieren.

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