Politik

Vor allem in Großstädten sind derzeit die Panzerknacker unterwegs. (Foto: BSZ)

29.11.2013

Dunkelheit macht Diebe

Die Zahl der Wohnungseinbrüche im Freistaat steigt das dritte Jahr in Folge - Kriminalpolizei bietet Vor-Ort-Beratung an

Es passiert Schlagersängern, Starköchen, Polizisten und ganz normalen Bürgern: Einbrecher dringen in ihre Wohnungen ein und lassen Geld und Wertsachen mitgehen. Ein Opfer wurde zuletzt Monika Gürtler (Name geändert): „Am Anfang habe ich es gar nicht realisiert“, erzählt die Münchnerin. Die Täter hätten mit der Gartenharke ihre Terrassentür aufgebrochen und im Schutz der Abenddämmerung fein säuberlich das Schlafzimmer leergeräumt – das Ehepaar Gürtler war unterwegs. Als Frau Gürtler den Schaden bemerkte, wollte ihr Mann zuerst nicht die Polizei rufen. „Er hat sich geschämt“, gesteht sie. Schließlich wählte das Ehepaar doch die 110, und die angerückten Beamten konnten mithilfe der Nachbarn noch eine Personenbeschreibung erstellen. Frau Gürtler glaubt allerdings nicht daran, ihre geraubte Taufkette jemals wiederzusehen: Noch nicht einmal jeder fünfte Einbruch in Bayern kann aufgeklärt werden.

Täglich 17 Einbrüche in Bayern


Bundesweit gab es dieses Jahr bis einschließlich Oktober 144 000 Wohnungseinbrüche – das entspricht einer Steigerung von knapp neun Prozent. „Davon haben wir 5127 im Freistaat registriert“, erklärt Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Besonders betroffen sind neben München die Ballungsgebiete Nürnberg, Augsburg, Ingolstadt oder Regensburg. Heuer rechne er daher in Bayern mit einer Zunahme um ebenfalls neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Sollte diese Prognose zutreffen, hätte sich die Zahl der Wohnungseinbrüche seit 2010 kontinuierlich um rund 1800 auf über 6000 erhöht. „Trotz des hohen Anstiegs werden nur vier Prozent aller Wohnungseinbrüche in Deutschland in Bayern begangen“, sagt Herrmann. Er weist darauf hin, dass im neuen Koalitionsvertrag eine engere Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern sowie auf EU-Ebene bei der Bekämpfung von Einbruchskriminalität beschlossen worden sei.
Um Täter häufiger direkt vor Ort zu erwischen, sollen Anwohner verdächtige Personen immer sofort über den Polizeinotruf melden. „Das kostet auch im Falle eines Fehlalarms kein Geld“, versichert der Münchner Polizeivizepräsident Robert Kopp. Dies sei das beste Mittel gegen die besonders seit der Zeitumstellung außergewöhnlich stark gestiegenen Wohnungseinbrüche. „Seit Anfang November ereignen sich allein im Großraum München circa zehn Einbrüche am Tag“, konkretisiert er. Da die Zahlen in diesem Jahr aber selbst in den hellen Sommermonaten nicht zurückgegangen seien, weise die Statistik im Vergleich zum Vorjahr einen 20-prozentigen Anstieg auf bisher knapp 1500 Fälle auf. Ein Grund für die Zunahme sieht Kopp vor allem im wachsenden Wohlstandsgefälle. Reiche Wohnviertel und die im Vergleich mit ländlichen Gebieten größere Anonymität lockten Einbrecher besonders an.
Oft sind es nur vermeintliche Kleinigkeiten wie unverschlossene Türen, offene Fenster, überquellende Briefkästen oder eine abgestellte Leiter, die Diebe anziehen. Wer sichergehen will, kann sich vom Fachmann auch so genannte einbruchshemmende Türen, Fenster oder Rollläden einbauen lassen. Da die meisten Einbrecher keine Profis sind, geben laut Polizeistatistik selbst bei einfachen Sicherheitsvorkehrungen bereits 40 Prozent vorzeitig auf. Weitere Präventionsmaßnahmen sind Zeitschaltuhren, Alarmanlagen und richtig gesicherte Kellerfenster. Zudem kommen die Beamten der bayernweit 33 kriminalpolizeilichen Beratungsstellen auf Wunsch in die Wohnung und überprüfen anhand einer Checkliste kostenlos das eigene Zuhause auf Schwachstellen.
Einbruchsopfer Monika Gürtler empfiehlt zum Abschluss, alle Wertgegenstände vorsorglich für die Versicherung zu fotografieren. Um wieder beruhigt schlafen zu können, hat sie außerdem die Hecke gestutzt, damit der Blick in den Garten frei ist. „Zum ersten Mal bin ich jetzt froh“, erzählt sie, „einen neugierigen Nachbarn zu haben.“(DAVID LOHMANN)

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Kommentare (1)

  1. Majbor am 29.12.2013
    Bitte immer angeben:
    09/0068/11/SE / SE
    Bremen, den 26.11.2009
    Sparkasse Mainfranken Würzburg
    Geschäftsstelle Zell
    Hauptstraße 138

    97299 Zell



    Basharat ./. Sparkasse Mainfranken Würzburg, LBS

    Darlehensvertrag, Rückforderung Sparguthaben
    Sehr geehrte Frau Dürrnagel,
    da auch meine Mandantin bereits eine Reihen von Unterlagen besitzt, wird derzeit von einer Übersendung derselben durch Ihr Haus erst einmal abgesehen, ggfs. würde der von Ihnen genannte Betrag gezahlt werden müssen, um auf diese Weise die entsprechende Endabrechnung nachvollziehen zu können.
    Gleichwohl darf ich Sie auffordern, zu dem meiner Beauftragung zugrunde liegenden Sachverhalt Stellung zu nehmen bzw. mich entsprechend zu informieren.
    Am 10.01.2003 verstarb der Ehemann meiner Mandantin. Im März desselben Jahres wurden die bei Ihrem Hause geführten Darlehen über Bausparverträge mit der LBS abgelöst.
    Dennoch finden sich auf den Kontoauszügen Nachweise, dass von den Sparbüchen der vier Kinder meiner Mandantin Gelder entnommen wurden, ebenso von dem bestehenden Termingeldkonto und dem für die Einzahlung von vermögenswirksamen Leistungen angelegten Sparkonto. Ich muss Sie daher bitten, mir zumindest in diesem Hinblick die entsprechenden Endabrechnungen vorzulegen.
    Ich verweise in diesem Zusammenhang auf mein Schreiben vom 20.10.2009 und darf Sie zusätzlich bitten, mir im Hinblick auf meine Mandantin und ihre Familie bestehende Verbindlichkeiten aufzulisten, sollten solche vermeintlich bestehen.
    Es soll darum gehen, die Angelegenheit nachvollziehbar aufzuklären, dies ist sicherlich auch in Ihrem Interesse und dürfte nicht zu viel verlangt sein.
    Mit freundlichen Grüßen
    Sellerie
    Rechtsanwältin

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