Politik

Manfred Weber: CSU-Mann und ein entschiedener Kämpfer für die europäische Sache. (Foto: dpa)

03.06.2014

Ein Bayer für Brüssel

Ausgerechnet ein CSU-Politiker, also ein Vertreter einer überwiegend Brüssel-kritischen Partei, bekommt nun einen der wichtigsten Posten im neuen Europaparlament: Manfred Weber soll am Mittwoch zum Chef der EVP-Fraktion gewählt werden. Ein Widerspruch? Nein.

Dass Manfred Weber laut wird, das gibt es eigentlich nur einmal im Jahr: beim politischen Aschermittwoch der CSU in Passau. Da ist der niederbayerische CSU-Bezirksvorsitzende traditionell einer der ersten, der ans Rednerpult muss, um dem bierseligen Publikum einzuheizen. Ansonsten aber ist der 41-Jährige ein CSU-Politiker der leisen, der nachdenklichen, der moderaten Sorte. Und, anders als Teile der CSU, ein entschiedener Kämpfer für die europäische Sache. Das prädestiniert ihn - trotz seines Parteibuchs - für einen der wichtigsten Posten im Europaparlament, die derzeit zu vergeben sind: An diesem Mittwoch soll Weber zum Vorsitzenden der christdemokratischen EVP-Fraktion gewählt werden, der größten Fraktion im Parlament. Einen Gegenkandidaten gibt es nicht.
Weber steht damit vor dem bisher bedeutendsten Karriereschritt seiner Politiker-Laufbahn. Von 2003 bis 2007 war er Chef der Jungen Union in Bayern, seit 2008 ist er niederbayerischer Bezirksvorsitzender - was in der CSU-Hierarchie ein wichtiges Amt ist. Von 2002 bis 2004 saß er im Landtag, bevor er 2004 erstmals ins Europaparlament gewählt wurde. Dort hat er sich vor allem als Innenexperte profiliert. 2009 wurde Weber schließlich zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gekürt.

kein Befehlsempfänger der CSU-Landesleitung

Dass er nun noch weiter aufsteigt, liegt nicht an einem glorreichen Abschneiden der CSU bei der Europawahl: Die Christsozialen, die im Wahlkampf mit äußerst Brüssel-kritischen Tönen aufgefallen waren, stürzten in Bayern von 48,1 auf nur noch 40,5 Prozent ab - das schlechteste CSU-Ergebnis bei einer überregionalen Wahl seit 1954. Die CSU-Europagruppe schrumpfte von acht auf fünf Abgeordnete.
Es liegt daran, dass Weber in erster Linie Europapolitik macht und erst in zweiter Linie CSU-Politik. Und daran, dass er kein Befehlsempfänger der CSU-Landesleitung ist. Weber steht für eine andere Europapolitik als Parteivize Peter Gauweiler - oder auch Parteichef Horst Seehofer. Weber sucht den Ausgleich, nicht die Konfrontation. Deshalb hat er auch die Unterstützung der CDU und Kanzlerin Angela Merkel bekommen.
Weber kommt insofern nun das zugute, was Seehofer und andere bei ihm in der Vergangenheit immer wieder beklagt haben: dass er nur ungern auf den Putz haut. Als Chef der CSU-Zukunftskommission, die eigentlich eine Art Denkfabrik der Christsozialen sein soll, ist Weber seit Übernahme des Amts 2009 unauffällig und farblos geblieben.
Dabei wäre Weber vor fünf Jahren beinahe CSU-Generalsekretär geworden, laut Stellenbeschreibung der Ober-Haudrauf der Christsozialen. Seehofer soll den Niederbayern damals nur deshalb nicht befördert haben, weil sein Name zu früh in der Zeitung stand.
Weber fühlt sich in Brüssel nun aber auch merklich wohler. "Die Europapolitik ist und bleibt eine absolute Zukunftsaufgabe", sagt er. "Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich dort meine Rolle sehe. Es ist spannend, die Entwicklung der europäischen Demokratie unmittelbar mitzuerleben." Das kann er in Zukunft - wenn die Wahl am Mittwoch wie erwartet läuft - auf noch einflussreicherem Posten tun. (Christoph Trost, dpa)

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