Politik

18.01.2013

Ein "Märtyrer" in Sachen Judenhass

Richard Williamson vom Amtsgericht Regensburg erneut zu Geldstrafe verurteilt

Volksverhetzung wird von Jahr zu Jahr billiger, zumindest bei der Regensburger Justiz. Der katholische Bischof Richard Williamson, der in einem 2009 veröffentlichten Fernsehinterview den Völkermord an den Juden als Märchen bezeichnet hatte, erhielt damals einen Strafbefehl über 12 000 Euro, den der ultraorthodoxe Geistliche nicht akzeptierte. Daraufhin kam es 2010 zur Verhandlung vor dem Regensburger Amtsgericht, das den britischen Staatsbürger in Abwesenheit zu einer Geldstrafe von 10 000 Euro verurteilte, die 2011 in der Berufung auf 6500 Euro reduziert wurde. Wegen eines Formfehlers wurde der Fall 2012 neu aufgerollt – und endete vergangenen Mittwoch fürs erste vor dem Regensburger Amtsgericht mit einer Geldstrafe, die nun bei etwas über einem Zehntel des ursprünglichen Betrags liegt: bei 1800 Euro. Doch die Verteidigung des Traditionalistenbischofs verlangt einen Freispruch und kündigte Berufung an.

Kreuz.net bedauerte den seltsamen Bischof


Der Fall hatte vor vier Jahren für weltweites Aufsehen gesorgt: Im Januar 2009 war ein bereits Wochen zuvor in der Nähe von Regensburg geführtes Fernsehinterview mit Williamson ausgestrahlt worden, in dem dieser den systematischen, millionenfachen Mord an den Juden als trickreiche Erfindung bezeichnete, um die Deutschen auszunehmen. Zur gleichen Zeit nahm der Papst die 1988 gegen Williamson und drei weitere Bischöfe verhängte Exkommunikation zurück, sodass der Eindruck entstand, die Kirche lasse ausgerechnet gegenüber einem notorischen Antisemiten Gnade walten. Die weltweite Empörung half der Regensburger Justiz auf die Sprünge: Im Oktober 2009 erging der Strafbefehl. Doch der wurde 2012 vom OLG Nürnberg als fehlerhaft kassiert. Die lange Verfahrensdauer wurde dem Angeklagten nun in dem erneuten Urteil als strafmildernd angerechnet. „Märtyrerbischof“ wurde Williamson auf kreuz.net genannt, der mittlerweile vom Netz genommenen Internet-Hetzseite.
Die ebenso langwierige wie unentschlossene Strafverfolgung durch die Regensburger Justiz verschaffte Williamson den nötigen Nimbus. Ein „Märtyrer“ in Sachen Judenhass: Seit einem Vierteljahrhundert predigt der glühende Antisemit auf allen Kontinenten von der Verderbtheit der Juden. In Kanada durfte er sich deshalb ab 1989 nicht mehr blicken lassen, Argentinien musste er 2009 binnen Tagen verlassen. Nach seiner Ausweisung wurde Williamson auf dem Londoner Flughafen von Michèle Renouf in Empfang genommen, die schon bei der berüchtigten Teheraner „Holocaust-Konferenz“ auftrat. Renouf war auch jetzt zu der Verhandlung gegen Williamson im Regensburger Amtsgericht eingeflogen. Ihr großer Guru, der angeklagte Bischof, glänzte durch Abwesenheit. (Florian Sendtner)

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