Politik

Natascha Kohnen soll Spitzenkandidatin für die Landtagswahl 2018 werden. (Foto: Tobias Hase/dpa)

13.11.2017

Eine Art Anti-Söder

Den Söder mache sie nicht, sagte Natascha Kohnen einst bei ihrer Kür zur SPD-Generalsekretärin. Nun soll die 50-Jährige die Bayern-SPD als Frontfrau ins Landtagswahljahr führen - und gegen Söder kämpfen

Es ist ein äußerst ungewöhnlicher Ort für eine Pressekonferenz, noch dazu für eine solche: Es ist der erste Auftritt der bayerischen SPD-Landesvorsitzenden Natascha Kohnen nach ihrer Kür zur Spitzenkandidatin für die Landtagswahl - und er findet statt: in einem Laden, der zugleich Buchhandlung und Coffeeshop ist, gleich neben der Uni. Viele Studenten tummeln sich hier. "Ich mag es ungemein gerne hier", sagt Kohnen. Hier sei sie aufgewachsen, in der Nähe sei sie zur Grundschule gegangen. "Ich fühle mich hier wohl."

Seit Sonntagnachmittag ist Kohnen Spitzenkandidatin ihrer Partei für die Landtagswahl. Der formale Akt auf einem Parteitag steht zwar noch aus, doch der Landesvorstand hat die 50-Jährige nun einstimmig nominiert - und das einige Wochen früher als gedacht. Und: Kohnen soll auch stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende werden. Die bisherige Parteivize Aydan Özoguz will zugunsten Kohnens verzichten.

Damit ist Kohnen die unangefochtene Frontfrau der Bayern-SPD für das so wichtige Landtagswahljahr 2018. Das Ziel: Sie soll die SPD nach dem Debakel bei der Bundestagswahl, als die SPD in Bayern auf nur noch 15,3 Prozent abstürzte, wieder einigermaßen stabilisieren. "Wir wissen auch, dass es für uns ein hartes Stück Arbeit wird, wieder mehr Menschen für uns zu gewinnen", sagt Kohnen selbst dazu. Sie sei bereit, dabei voranzugehen. Kohnen stellt aber auch klar: "Es kann nicht eine oder einer richten, das können nur wir alle gemeinsam."

Quer- und Späteinsteigerin in die Politik

Kohnen ist eine Quer- und Späteinsteigerin in die Politik. Ein SPD-Parteibuch hat die studierte Biologin, die lange als Lektorin arbeitete, erst seit 2001. Zunächst war sie lange und erfolgreich kommunalpolitisch aktiv, im bayerischen Landtag sitzt sie seit 2008. Wenig später schlug sie der damalige SPD-Landeschef Florian Pronold als Generalsekretärin vor, auf den Posten gewählt wurde sie 2009.

Der nächste große Karrieresprung folgte dann vor einigen Monaten: Erst im Mai wurde Kohnen zur neuen SPD-Landesvorsitzenden und damit zur Nachfolgerin Pronolds gewählt. Zuvor hatte sie sich in einem Mitgliederentscheid gegen fünf männliche Mitbewerber durchgesetzt.

Als designierte Spitzenkandidatin sagt Kohnen nun, die SPD müsse wieder Lösungen für die Probleme der Menschen bieten. Man müsse Werte wieder in den Vordergrund stellen, vor allem Menschlichkeit. "Wir müssen die Menschen mit klaren Antworten gewinnen", sagt Kohnen, der allerdings auch manche in ihrer Partei vorwerfen, keine solchen klaren Antworten zu geben. Was meint sie, wenn sie sagt, die SPD brauche wieder eine klare Ausrichtung als "linke Volkspartei"? Wenn sie sagt, die Menschen wünschten sich "eine klare Erkennbarkeit"? Kohnen verspricht klare Ansagen zu alledem für die kommenden Monate.

Gegen wen aus der CSU sie antritt, ist Kohnen ziemlich egal

Klar ist: Mit ihrer ruhigen Art soll Kohnen eine Art Gegenentwurf sein zum möglichen CSU-Spitzenkandidaten Markus Söder. Sie sagte ja bei ihrer Kür zur Generalsekretärin einst selbst: "Den Söder mache ich nicht." Sie möge keine generalsekretärstypische Polemik.

Gegen wen von der CSU sie nun antritt, das ist Kohnen nach eigenen Worten ziemlich gleich. "Ich sag' ganz ehrlich: Das ist nicht unser Ding, das ist nicht unsere Entscheidung." Die SPD konzentriere sich auf sich selbst. Man dürfe seine Mitbewerber aber nie unterschätzen.

Eine Machtoption aber hat Kohnen nicht: Die CSU schwächelt zwar massiv und würde nach derzeitigem Umfragestand ihre absolute Mehrheit verlieren. Doch uneinholbar vorn liegen die Christsozialen trotzdem. Und die Freien Wähler und die Grünen haben sich schon als mögliche Koalitionspartner angeboten; auch die FDP stünde dafür wohl bereit, sollte sie nächstes Jahr den Wiedereinzug in den Landtag schaffen.

Was dann? Würde Kohnen dann Oppositionsführerin? "Ich fange jetzt nicht an rumzuspekulieren, was mache ich im September", sagt sie.
(Christoph Trost, dpa)

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Kommentare (1)

  1. GelbBlauer vor 5 Tagen
    Eine Option hat Kohnen - wenn die Freien Wähler den Einzug verpassen und die FDP gleichzeitig rein kommt und natürlich die CSU nicht die absolute Mehrheit der Stimmen schafft. Dann stünde eine theoretische Ampel-Koalition bereit. Rote und Grüne würden die FDP behandeln wie ein verliebter schiacher Bua die Dorfschönheit, wenn sie sich mit ihm einlässt. Auf Händen. Und die Gelben sollten sich erinnern, dass Horst Seehofer, aber auch die übrige CSU sie wie Dreck behandelten von 2008 bis 2013.

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