Politik

01.04.2011

Eine Schule für alle?

Ein Kommentar von Anke Sauter

Kinder mit erhöhtem sonderpädagogischen Förderbedarf oder einer Behinderung sollen künftig Zugang zu allen Schulen in Bayern haben. Das sieht ein fraktionsübergreifender Gesetzentwurf vor, der jetzt im Landtag beraten wird. Ausgelöst wurde die Initiative durch die UN-Behindertenrechtskonvention. Alle Menschen sollen danach dieselben Bildungschancen haben.
Worauf sich Bayerns Bildungspolitiker geeinigt haben, klingt vielversprechend. Schon vom kommenden Schuljahr an sind alle Schulen verpflichtet, behinderte Kinder aufzunehmen. Bislang war es für die Schulen leichter möglich, ein Kind abzulehnen, sofern es nicht die Voraussetzungen mitbrachte, um dem Unterricht folgen zu können. Diese Vorschrift entfällt, somit muss sich künftig die Schule den Schülern anpassen und nicht umgekehrt. Ein guter Gedanke. Zusätzliche Lehrerstunden, spezielle Fortbildung des Personals, kleinere Klassen sind hierfür allerdings unabdingbar. Das kostet Geld. Und das Recht auf Beschulung in einer Regelschule ist auch diesmal nicht uneingeschränkt: Es kann verweigert werden, sofern es das Wohl des Kindes erfordert – oder auch aus Kostengründen.
Fakt ist: Solange nicht genug Mittel da sind, wird die Inklusion stets ein Ideal bleiben. Denn schon jetzt fehlt es oft an individueller Förderung der Kinder. Offenbar war auch den Verfassern des Gesetzentwurfs klar, dass es noch ein langer Weg ist. Als eine Art Zwischenstufe haben sie sich so genannte Inklusionsschulen ausgedacht: 30 bis 40 Schulen in Bayern sollen das gemeinsame Lernen aller Kinder als besonderes Profil entwickeln. Hierfür sollen in den nächsten beiden Jahren 200 Lehrer eingestellt werden. Immerhin. Doch muss die Frage erlaubt sein, ob diese Inklusionsschulen dem Prinzip der Inklusion nicht widersprechen, indem sie sich wiederum besonders förderbedürftigen Kindern zuwenden.
Studien besagen, der Lernerfolg sei in integrativen Klassen am größten. Um die Voraussetzungen zu schaffen, dafür braucht es neben Geld auch viel Fachkompetenz. Die enge Zusammenarbeit mit den Förderschulen ist unabdingbar. Für manchen Schüler mit Einschränkungen wird das Lernen in einem geschützten, angstfreien Raum mit einer überschaubaren Zahl an Mitschülern und spezifisch geschultem Personal der beste Weg bleiben. Deshalb sollte die Abschaffung der Förderschulen als Letztes kommen, wenn überhaupt.

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