Politik

Prost! Beim politischen Aschermittwoch im vergangenen Jahr holzte Horst Seehofer unterstützt von Edmund Stoiber. Heuer rumpelt's mit Peter Gauweiler. (dpa)

03.03.2014

Es kracht ein bisserl weniger

Die Aschermittwochskundgebungen sind seit jeher die Fortsetzung des Faschings mit politischen Mitteln - heuer geht es wohl groko-bedingt etwas weniger lärmend zu

 In der Fastenzeit halten gute Christen stille Einkehr - doch in der Politik beginnt die Fastenzeit seit Jahrzehnten mit einem besonders lärmenden Spektakel: Zu Dutzenden werden Politiker aus ganz Deutschland an diesem Mittwoch zu den Aschermittwochskundgebungen in Niederbayern einfallen, um sich aus sicherer Entfernung wechselseitig zu schmähen. Die Hauptschauplätze: Passau und das 20 Kilometer donauaufwärts gelegene Vilshofen, wo CSU und SPD jeweils tausende Anhänger versammeln wollen.
Wie in jedem Jahr preist die CSU ihre Kundgebung in der Passauer Dreiländerhalle als "größten Stammtisch der Welt" an. Die Großsprecherei gehört zum politischen Aschermittwoch ebenso wie Bier und Fischsemmeln. Doch möglicherweise wird der Aschermittwoch in diesem Jahr nüchterner und bescheidener ausfallen als gewöhnlich, und zwar aus mehreren Gründen.
CSU und SPD sind mittlerweile in der großen Koalition verbandelt, was die rüde gegenseitige Attacke erschwert. Außerdem sind die CSU und ihr Parteichef Horst Seehofer seit der triumphalen Rückeroberung der absoluten Mehrheit bei der bayerischen Landtagswahl im September 2013 in schwieriges Fahrwasser geraten. Die Edathy-Affäre hat zwar die CSU einen Minister gekostet, nicht aber die SPD. In Bayern ist die Energiewende zum konfliktträchtigen Streitthema geworden, der prominente Landrat Jakob Kreidl im oberbayerischen Kreis Miesbach über eine Serie von Affären gestürzt.

Hauptredner wird Peter Gauweiler sein


An mangelndem Zuspruch wird die CSU aber dennoch sicher nicht leiden, denn am 15. März stehen die bayerischen Kommunalwahlen auf der Tagesordnung. "Die Aschermittwochskundgebung ist der politische Fixpunkt für den Endspurt zur Kommunalwahl", sagt Generalsekretär Andreas Scheuer. Und der nächste Wahlkampf steht bereits vor der Tür: "Und wir sind bereits klar auf die Europawahl orientiert", sagt Scheuer.
Hauptredner sind CSU-Chef Horst Seehofer und Parteivize Peter Gauweiler. Kanzlerin Angela Merkel bleibt Bayern wie immer fern, um der CSU nicht die Schau zu stehlen - und spricht erst abends im Tennis- und Squashcenter von Demmin in Mecklenburg-Vorpommern.
Mit Spannung erwartet werden darf, ob die CSU dieses Mal ehrliche Zuschauerzahlen meldet. Zum politischen Aschermittwoch gehört auch in dieser Hinsicht starke Übertreibung: In den vergangenen Jahren verkündete die CSU in der Passauer Dreiländerhalle regelmäßig 6000 und mehr Zuschauer. Die Halle mitsamt Galerie darf aber überhaupt nur für maximal 4000 Besucher bestuhlt werden, die Ordner dürfen allein aus Sicherheitsgründen keine 6000 Menschen in die Halle lassen. Scheuer formuliert diplomatisch: "In der Dreiländerhalle sind für die CSU gefühlt immer 10 000 Leute." Der Ansturm sei hoch, "die Halle wird rappelvoll."

Wettbewerb der Parteien? Nö, sagt Pronold


Vergleichsweise bescheiden äußert sich aber auch der SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold. Die SPD versuchte im vergangenen Jahr, die CSU mit einem 5000-Mann-Bierzelt auf dem Vilshofener Festplatz zu übertrumpfen; anschließend behaupteten beide Parteien, ihre Kundgebung sei die größere gewesen. Heuer hat die SPD wieder abgespeckt und ein Zelt für 3500 Besucher aufgebaut.
"Wir wollen eine gute, schöne Aschermittwochs-Kundgebung machen -aber in keinen Wettbewerb eintreten, wer hat die größte", sagt Pronold. Auch bei der SPD stehen Kommunal- und Europawahlen im Mittelpunkt, Hauptredner sind der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly und Martin Schulz, Präsident des Europaparlaments. Der stammt zwar aus Nordrhein-Westfalen, sei aber "ein Niederbayer im Geiste", behauptet Pronold.
Neben den zwei großen Kundgebungen versuchen auch die kleineren Parteien, mit ihren Kundgebungen in Niederbayern wertvolle Fernsehzeit zu erhaschen. Die Grünen sind in Landshut, die Linken in Passau, die vom Wähler ins außerparlamentarische Exil verbannte FDP in Dingolfing, die Freien Wähler in Deggendorf und die Alternative für Deutschland in Osterhofen. (dpa)

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