Politik

09.03.2012

EU-weite Frauenquote: Ja, bitte

Ein Kommentar von Ralph Schweinfurth

Norwegen hat sie. In den Niederlanden und Spanien kommt sie 2016, und in Frankreich muss nur noch der Senat zustimmen. Die Frauenquote bricht sich in Europa Bahn. Kein Wunder also, dass EU-Justizkommissarin Viviane Reding jetzt laut darüber nachdenkt, in der gesamten Europäischen Union eine verbindliche Frauenquote für Unternehmen einzuführen.
Das wäre in der Tat sinnvoll, weil dann Ausreden- und Zauderkünstler, wie man sie hierzulande en masse findet, keine Chance mehr hätten. Eine Frauenquote muss – zumindest für einen Zeitraum von zehn Jahren – sein. Mit Option auf Verlängerung. Bis dahin hat man sich vielleicht in der deutschen Wirtschaft daran gewöhnt, dass Frauen in Führungspositionen genauso engagiert und leistungsfähig arbeiten wie Männer – und dafür auch die gleiche Bezahlung verdienen.

Den Quotengegnern gehen die Argumente aus


Angesichts des drohenden Fachkräftemangels steht auf der Agenda vieler einflussreicher Wirtschaftsverbände ohnehin der Blick auf das Reservoir akademisch hervorragend ausgebildeter Frauen. Zweifellos können Unternehmen von den unterschiedlichen männlichen und weiblichen Sichtweisen profitieren. Fakt ist: Frauen schneiden bei Führungsqualitäten wie „Teamwork fördern“, „Kollegen inspirieren“ und „Loben“ besser ab als Männer.
Wie nötig eine Frauenquote ist, zeigen am eindrucksvollsten die europäischen Vergleichszahlen. Liegt der Anteil von Frauen in höchsten Entscheidungsgremien in Norwegen bei 42 Prozent und in Schweden bei 27 Prozent, so ist Deutschland mit 13 Prozent weit abgeschlagen. Der Mittelwert für alle 27 EU-Staaten liegt bei 11 Prozent. Und im Macho-Land Italien dümpelt der Frauenanteil bei traurigen 4 Prozent.
EU-Justizkommissarin Reding reitet aber gar nicht den Gaul Diskriminierung beziehungsweise Gleichbehandlung. Sie verweist schlicht auf den gemeinsamen Binnenmarkt. Deutsche Firmen könnten sich nicht mehr an Ausschreibungen in EU-Ländern mit Quote beteiligen, weil sie keine oder zu wenig Frauen in der Führungsebene haben und damit die Kriterien in den betreffenden Staaten nicht erfüllen. Ein Argument, das auch hartgesottene Quotengegner überzeugen könnte.

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