Politik

08.08.2014

Foulspiel am Steuerzahler

Ein Kommentar von David Lohmann

Die Bundesliga beginnt zwar erst in zwei Wochen, doch die erste rote Karte zeigte die Deutsche Fußball Liga (DFL) bereits im Juli. Nachdem sich Bremen die kostspieligen Polizeieinsätze für Risikospiele zukünftig von den Vereinen bezahlen lassen möchte, cancelte der Ligaverband kurzerhand ein für November angesetztes Länderspiel in der Hansestadt. Nordrhein-Westfalen schreckte das nicht ab. Es will jetzt die Polizeipräsenz bei Fußballspielen mit wenig Gewaltpotenzial deutlich verringern. Grund: Die steigenden Kosten seien dem Steuerzahler nicht zu vermitteln.

Die Organisatoren von Open Air-Konzerten müssen selbst für Ordnung sorgen


Während in den Stadien auch Einsatzschaften der Polizei für Ordnung sorgen, müssen sich bei anderen kommerziellen Großveranstaltungen wie Open Air-Konzerten die Organisatoren um ausreichend Sicherheitspersonal kümmern. Und wer nach einem selbst verschuldeten Unfall die Polizei ruft, muss dem Staat die Verwaltungskosten bezahlen. Für Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ist das nicht vergleichbar, schließlich seien die Heimvereine nicht für anreisende Hooligans verantwortlich. Doch war es nicht er, der vor drei Jahren den Initiatoren von Flashmobs und Facebook-Partys “immense Kosten” für durch Rowdys verursachte Schäden in Rechnung stellen wollte? Aber statt die Fußballvereine zur Kasse zu bitten, wird der Bau neuer Stadien wie in Regensburg sogar noch von den Stadtwerken und damit aus Mitteln der öffentlichen Hand finanziert.
Insgesamt sind im Freistaat während der Fußballsaison jedes Wochenende bis zu 1000 Landespolizisten unterwegs. Auf 34 Spieltage hochgerechnet kostet das den Staatssäckl nach Berechnungen der Deutschen Polizeigewerkschaft 17 Millionen Euro. Hinzu kommen Bundespolizisten, die in Bahnhöfen und auf dem Weg ins Stadion die Fans in Schach halten. Die sechs bayerischen Proficlubs erhalten allein aus dem Verkauf von Fernsehrechten über 104 Millionen Euro im Jahr. Die Polizeigewerkschaft fordert daher eine Pauschalabgabe der 36 Vereine von insgesamt 50 Millionen Euro jährlich – das sind 1,5 Millionen Euro pro Verein. Zu Recht: Denn die Zahl der eingesetzten Beamten ist in der letzten Saison bundesweit um 14 Prozent gestiegen, die Zahl der Einsatzstunden um elf Prozent. Ein finanzieller Beitrag der Vereine wäre da so etwas wie ein Befreiungsschlag zur Entlastung der Allgemeinheit.

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Kommentare (1)

  1. Zitrone am 08.08.2014
    Es wird allerhöchste Zeit zu erkennen. Der Profifußball ist ein Geschäft wie jedes andere auch. Medien und Öffentlichkeit sollten endlich aufhören, von den alten Zeiten zu träumen, 11 Freunde müsst Ihr sein und nationaler Stolz und Ehre. Es geht um's Geld, sehr viel Geld. Wieviele arme Teufel könnten mit den ersparten Steuermillionen der Lichtgestalt Beckenbauer ein menschenwürdiges Leben führen.? Der Profifußball mit seinen Funktionären ist zum Staat im Staate geworden und diktiert souveränen Städten wie Bremen die Bedingungen.

    So kann's nicht weitergehen. Auch wenn die Bundeskanzlerin sich gern mit den Weltmeistern schmückt. Vereine und Spieler sollten sich mit einem angemessenen Betrag, aber mindestens 10% der Einnahmen bzw. Einkommen an den Kosten für die Polizei betteiligen und die eingesetzten Polizisten sollten direkt für jeden Einsatz mit einem Anteil der Spieleinnahmen entschädigt werden.

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