Politik

24.09.2010

Frauenförderung à la CSU

Ein Kommentar von Waltraud Taschner

Gemessen an der Inbrunst männlicher Beteuerungen ist die CSU die Partei der Frauenversteher schlechthin. Funktionäre landauf, landab werden zurzeit nicht müde, die stete Mühsal zu erläutern, mit welcher sie nach Frauen für Führungsämter in ihrem Orts-, Kreis- oder Bezirksverband fahnden. Und weil zu wenig geeignete Frauen da seien, sei eine Frauenquote leider Unfug. Das Dauergejammer hat Wirkung gezeigt: Die Frauenunion ist zurückgerudert. Sie fordert jetzt statt einer verbindlichen 40-Prozent-Quote für Frauen in Parteigremien ein – freiwilliges – Quorum. Das heißt: Gelingt es nicht, im ersten Wahlgang 40 Prozent der Frauen in Position zu bringen, gelten für den zweiten Durchlauf keinerlei Vorgaben mehr.
Doch selbst das ist den Männern zuviel. Schon formiert sich Widerstand gegen die Quote light. Setzen sich die Gegner durch, bleibt alles beim Alten: Die CSU bleibt die Partei mit dem niedrigsten Frauenanteil und den geringsten Aufstiegschancen für Frauen, und sie bleibt die Partei, die von weiblichen Wählern zwischen 35 und 45 immer weniger beachtet wird. Das schadet der Gesamtpartei, nutzt aber: jungen Männern, die eine Parteikarriere planen. Was den erbitterten Widerstand der Jungen Union erklärt. Dass auch viele JU-Frauen gegen die Quote sind, mag die Männer freuen. Ein Argument gegen die Wirksamkeit von Quoten ist es nicht. Das zeigt der Blick auf andere Parteien. Die älteren CSU-Frauen haben das verstanden. Sie haben selbst erlebt, was männliche Verheißungen wert sind: nichts. Und plädieren nun, nach Jahren der Demut, einmütig für Quoten.

Auch Männer profitieren von Quoten


Doch wer etwas will, muss dafür kämpfen. Vor einem Jahr präsentierte die Frauenunion ihre Quotenforderung, Parteichef Seehofer signalisierte Unterstützung. Danach passierte wenig: keine flammenden Plädoyers, keine gemeinsamen Appelle, warum die Quote her muss. Dabei zeigt das Beispiel Wehrpflicht, dass die CSU durchaus bereit ist, scheinbar unverrückbare Positionen zu räumen – sofern sie geschickt begründet werden.
Dass im Übrigen selbst ein Quorum besser ist als gar nichts, zeigt das Beispiel CDU: Diese führte 1996 ein Quorum ein, das eine weibliche Drittelbeteiligung vorsieht. Seither stieg der Frauenanteil bei den Delegierten und im Bundesvorstand von unter 20 auf 33 Prozent. Profitiert hat davon auch die 37-jährige Julia Klöckner, Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 2011. Ohne Frauenquorum, hat Klöckner oft betont, wäre sie in der CDU nie nach vorn gekommen.
So offen hat noch kein CSU-Mann gesagt, dass er seinen Posten ebenfalls einer der informellen, aber strengen Quoten verdankt, die es in seiner Partei durchaus gibt: Alters-, Regional-,- Berufs- oder Konfessionsquoten.

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