Politik

06.12.2013

G8: Die Argumente schwinden

Ein Kommentar von Anke Sauter

So richtig Lust hat niemand mehr auf die Debatte: Läuft das G8 nach etlichen Reformen nun endlich rund? Oder sind neun Gymnasialjahre besser? Gerade erst hatte Ministerpräsident Seehofer verkündet, in den nächsten Jahren keine Bildungsreformen mehr anzustreben, da überrascht der Philologenverband mit einem lautstarken Bekenntnis zum G9: Eine längere Reifezeit sei für viele Gymnasiasten notwendig. Und schon ist die Debatte wieder in vollem Gang.
Dabei schienen Bayerns Gymnasiallehrer mehr oder weniger ihren Frieden gemacht zu haben mit dem G8. Frei nach dem Motto: Lieber das holterdiepolter eingeführte Modell optimieren als in einem erneuten Hauruckverfahren zurück in die Vergangenheit. Doch nach zehn Jahren G8 und dem einen oder anderen Blick über die Landesgrenze hielt man wohl die Zeit für reif, die eigentlichen Präferenzen nochmal deutlich zu machen. Und so formuliert der Philologenverband nicht einfach eine Forderung nach Rückkehr, sondern kündigt auch gleich ein entsprechendes Konzept an.

Das Flexijahr hat's bis jetzt nicht gebracht


Und Seehofer? Schlägt jedenfalls die Tür nicht ganz zu. „Jetzt warte ich mal ab, was die Philologen entwickeln“, soll er gesagt haben. Keine schlechte Idee, denn diese Leute wissen, worum es geht. Zudem sind vermeintlich gewichtige Argumente pro G8 weggefallen: Nach Aussetzung der Wehrpflicht und Verkürzung der Studienzeiten können deutsche Absolventen altersmäßig längst mit der internationalen Konkurrenz mithalten. Dafür dürfen immer mehr Professoren die Eltern ihrer minderjährigen Studenten kennenlernen, Vorsemester und Eingangsprüfungen sind an der Tagesordnung. Und das jüngst eingeführte Flexibilisierungsjahr, das Druck aus dem G8 nehmen sollte, ist bislang auch nicht der Renner. Gut möglich, dass die Freien Wähler demnächst die notwendigen Unterschriften für ein Volksbegehren zum Thema beisammen haben und die Leute fürs G9 gewinnen.
Selbst wenn sich die Lust in Grenzen hält: Die Debatte um dieses wichtige Thema ist keineswegs überflüssig. Und sollte wirklich die Rückkehr zum G9 kommen, heißt es, kühlen Kopf bewahren. Auch die Philologen wollen keinen Rollback in die Vergangenheit. Positives fortführen, aber den Kindern wieder mehr Zeit geben zum Lernen und Leben – das sollte dann der Maßstab des Handelns sein. Ein Konzept ist da ein prima Anfang.

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