Politik

28.03.2014

G9: Die naheliegende Reform

Ein Kommentar von Anke Sauter

Manchmal sind die Dinge ganz einfach. Man muss nur mal den Blickwinkel wechseln. Das hat der bayerische Philologenverband getan und Eckpunkte zu einer neuerlichen Gymnasialreform vorgelegt, die so naheliegend wie bestechend sind.
Zum Erwachsenwerden gehören nicht nur binomische Formeln und der Ablativus absolutus. Soll aus einem Kind eine erwachsene Persönlichkeit werden, braucht es Zeit und Gelegenheit, sich außerhalb von Pflichterfüllung frei zu entfalten. Wann im Leben kann man das schon?
Vor diesem Hintergrund haben die Gymnasialfachleute ihren Plan entwickelt. Ganz klar, dass eine achtjährige Lernzeit bis zum Abitur für alle ausgedient hat. Aber auch eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9, wie sie die Freien Wähler wünschen und wie sie in manchen Ländern praktiziert wird, kommt dann nicht in Frage. Denn wie sich Kinder entwickeln, wie deren Reifungsprozess verläuft, das kann man zu Beginn der Gymnasialzeit, wenn man sich für eine Variante entscheiden müsste, noch nicht voraussagen.

Das Schielen auf andere Länder zeugt nicht von Souveränität


Eine neunjährige Gymnasialzeit für alle, verbunden mit der Option für besonders fitte Schüler, ein Jahr begleitet zu überspringen oder im Ausland zu verbringen, ist mehr als einleuchtend: Man dreht das System einfach um, und auf einmal sind es die Überflieger, die aus der vermeintlichen Norm ausscheren, nicht die Schwächeren, die ohnehin kämpfen müssen. Und in der sensiblen Zeit der Mittelstufe können Schüler und Eltern auch eher einschätzen, ob man tatsächlich einen Gang zulegen will.
Von Beginn an war der Sinn des G8 fraglich. Jüngere Studenten an der Uni, jüngere Berufsanfänger: Das ist kein Wert an sich. Das Schielen auf andere Länder zeugt nicht von Souveränität. Und letztlich waren deutsche Diplomingenieure trotz ihres Alters international stets gefragt. Hinzu kommt: Seit Aussetzen der Wehrpflicht sind männliche Absolventen eh jünger als früher.
Die Staatsregierung wäre gut beraten, das Konzept ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Falscher Stolz ist nicht angebracht. Horst Seehofer hatte sich ja ohnehin ein Türchen offen gehalten. Und an Kultusminister Spaenles Postulat, sowohl G8 als auch G9 für alle seien pädagogisch überholt, muss man nur eines ändern: den Blickwinkel.

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