Politik

04.05.2012

Geld, das im Land bleibt

Kommentar von Tobias Lill

Verdi hat es vorgemacht: Bis Januar nächsten Jahres sollen die Gehälter der Angestellten im öffentlichen Dienst um rund 5 Prozent steigen – das größte Lohnplus seit vielen Jahren. Und das, obwohl viele Bürgermeister und Kämmerer vielerorts nach wie vor nicht wissen, wie sie das satte Plus in den Portemonnaies ihrer Mitarbeiter überhaupt bezahlen sollen. Was bei den Staatsbediensteten geht, muss in der boomenden Metall- und Elektrobranche doch erst recht gehen, verkünden nun die Bosse der IG Metall. Sie fordern in den aktuellen Tarifverhandlungen 6,5 Prozent mehr Geld. Zu Recht: In der Metall- und Elektroindustrie laufen die Geschäfte so gut wie lange nicht: Nicht nur die großen Autobauer wie Audi oder BMW fahren derzeit Rekordgewinne ein – auch der Maschinenbau legte 2011 vor allem dank der wachsenden Schwellenländer wie China kräftig zu.

Binnenkonjunktur ankurbeln


Möglich machten das bayerische Wirtschaftswunder neben deutscher Ingenieurskunst vor allem die Arbeitnehmer. Doch viele von ihnen mussten 2009 und 2010 wegen Kurzarbeit oder teilweisen Lohnverzichts ihre Gürtel enger schnallen. Und auch bereits vor der Krise blieben die Gehaltszuwächse in Deutschland moderat. Anders als in anderen EU-Staaten sanken die Reallöhne zwischen 1998 und 2008 hierzulande sogar. Im Niedriglohnbereich zahlen die Firmen mittlerweile ein gutes Fünftel weniger als noch vor einem Jahrzehnt. Viele Menschen haben deshalb schon lange den Eindruck, dass das neue deutsche Wirtschaftswunder an ihnen vorbeigeht. Die Gehälter der großen Konzernlenker erreichen mittlerweile dagegen schwindelerregende Höhen: Rund 17 Millionen Euro verdiente beispielsweise VW-Chef Martin Winterkorn im vergangenen Jahr.
Allerdings sollten nicht nur aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit jetzt die Mitarbeiter am Zug sein: Die wirtschaftliche Vernunft spricht ebenfalls für höhere Löhne. Denn bislang war der deutsche Boom vor allem exportgetragen. Doch China – für viele Firmen einer der Hauptabnehmer – beginnt zu schwächeln. Und in vielen südeuropäischen Staaten verschärft sich die Rezession im Eiltempo. Es ist also höchste Zeit, die seit vielen Jahren dümpelnde Binnenkonjunktur anzukurbeln. Denn anders als anonyme Shareholder, die irgendwo am anderen Ende der Welt sitzen, gibt der deutsche

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