Politik

01.03.2013

Gerechte und Selbstgerechte

Ein Kommentar von Waltraud Taschner

Ach, der konservative Markenkern. Vor allem in Wahljahren wird der etwas unscharfe Begriff gern herausgekramt. Von Hardlinern der C-Parteien, die diffuse Ängste vor Änderungen scheinbar unverrückbarer Positionen hegen. Argumente spielen dabei meist keine Rolle, wahltaktisches Kalkül dafür umso mehr. Wie jetzt im Fall der so genannten Homo-Ehe. Vor allem in der CSU teufeln sie dagegen, eingetragenen Lebenspartnerschaften die gleichen Rechte einzuräumen wie der traditionellen Ehe. Der Kreis kirchlich-konservativer Stammwähler, fürchten Partei-Obere, nimmt vielleicht die Einführung von Frauenquoten, Krippen und Ganztagsschulen hin, das Wehrpflicht- und Atomkraft-Aus, nicht aber die Legalisierung dessen, was der Klerus nun mal als Sünde deklariert: gleichgeschlechtliche Liebe.

Schwule Funktionsträger gibt's auch bei der CSU  - nur redet man da nicht drüber


De facto hat sich die CSU zwar noch nie groß um kirchliche Vorgaben geschert, hat wiederverheiratete Parteigranden in Ämter berufen, reihenweise außereheliche Affären geduldet und schwule Funktionsträger überlebt. Nach dem Motto: Wenn wir nicht groß drüber reden, fällt es nicht auf. Wie viele CSU-Funktionäre dem rigiden Kodex aus Rom genügen, will man nicht wissen. Ist auch deren Privatsache.

Zynisch wird es aber dann, wenn abweichende Lebensentwürfe zwar stillschweigend geduldet, bei relevanten Fragen aber deklassiert und diskriminiert werden. Was ist so schlimm daran, die deutschlandweit gut 23 000 eingetragenen Lebenspartnerschaften fürs Ehegattensplitting zu öffnen? Ihnen das volle Adoptionsrecht zu gewähren? Die katholische Kirche hat vom Festhalten an überkommenen Dogmen nicht profitiert, der Verdruss über die Unbeweglichkeit der Amtskirche ist auch bei CSU-Getreuen groß.
Wenn im katholischen Niederbayern ein bekennender Schwuler erst zum Bürgermeister und dann zum Landrat gewählt wird, sind die Menschen im Freistaat offenbar bedeutend weiter, als die so genannten Konservativen glauben. Deren bayerische Ikone Franz Josef Strauß empfahl übrigens einen pragmatischen Umgang mit vermeintlichen Unverrückbarkeiten: „Konservativ“, dekretierte FJS vor 35 Jahren, „heißt, nicht nach hinten blicken, konservativ heißt, an der Spitze des Fortschritts marschieren.“

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