Politik

25.11.2011

Geschenke für die Reichen

Ein Kommentar von Angelika Kahl

Von einer „großen gesellschaftspolitischen Reform“ sprach Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) gar. Nach langem Gezerre hatte sich die Koalition in der Kabinettsklausur auf ein kostenloses drittes Kindergartenjahr geeinigt. Gerade sozial schwächere Familien wollte man damit entlasten und vor allem Kinder aus bildungsfernen Schichten oder mit einem Migrationshintergrund besser auf die Schule vorbereiten.
Aber dieses Ziel ist weit verfehlt. Denn das kostenfreie Kindergartenjahr entlastet vor allem die Besserverdienenden. Eltern mit geringerem Einkommen bekommen schon heute die Gebühren für den Kindergarten ganz oder teilweise ersetzt. Ihnen bringt die Entscheidung also wenig. Und damit verpufft der von allen Seiten so viel gepriesene Anreiz, den man für Eltern schaffen wolle, ihren Kindern auch außerhalb der Familie Erziehung und Bildung angedeihen zu lassen. Ohnehin ist das ein Anreiz, den es gar nicht braucht. Denn die Betreuungsquote im letzten Kindergartenjahr liegt in Bayern bereits heute bei 98 Prozent.
Etwa 120 Millionen Euro wird der Einstieg in ein kostenfreies Kindergartenjahr in den ersten beiden Jahren verschlingen. Doch eine deutlich verbesserte Betreuungssituation für die Kinder ist damit nicht erreicht. Denn dazu müsste man die Angebote qualitativ aufwerten. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung wird jetzt zwar unternommen. Durch kleinere Kindergartengruppen soll die Qualität der Betreuung verbessert werden. Der Schlüssel für die Zahl der Kindergärtnerinnen soll von 11,5 auf 11 Kinder gesenkt werden.
Doch was nützen staatliche Vorgaben, wenn Erzieher nach ihrer fünfjährigen Ausbildung so mies bezahlt werden, dass sich immer weniger junge Menschen für diesen wichtigen und anstrengenden Beruf entscheiden. Was es dringend braucht, ist eine angemessene Bezahlung. Denn Kinder benötigen eine umfassende Förderung durch gut ausgebildetes Fachpersonal. Sie einfach zu verwahren, reicht nicht.

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