Politik

06.09.2013

Getragenes TV-Theater

Ein Kommentar von Roswin Finkenzeller

Es ist noch nie Blut geflossen bei solchen Duellen. Die politischen Kandidaten schießen nicht mit Kugeln aufeinander, sondern höchstens mit Pfeilen, und auch das nur in einem übertragenen Sinn. Immer wieder bietet sich der Witz an, aus einem Duell sei ein Duett geworden. Stimmt auch nicht ganz. Bei Duetten lassen sich die Sänger meistens gleichzeitig hören, was sich Politiker so gut wie nie leisten dürfen – da seien alle Moderatoren vor. Es geht gesittet zu vor den Fernsehkameras, wofür die Krawatte ein Sinnbild ist. Aus Gendergründen trug nur Angela Merkel keine. Steinbrück und Seehofer hatten selbstverständlich eine an, Ude ebenso, im Dreierpack sogar Trittin und Gysi, von Brüderle ganz zu schweigen.

Warum nicht die Kandidaten ohne Moderator aufeinander loslassen?


Dass die Diskussionsleiter sich in Szene setzen, als seien sie es, die Regierungschef werden wollten, passt zu dem TV-Korsett, in das sich jeder Kandidat zwängt. Eine Theatervorstellung, in der es um Präsentation geht. Haltung ist alles. Niemandem fiele es ein, ausfällig zu werden, keinem auch, wenigstens für ein paar Sekunden lang richtig schön beleidigt zu sein. Das breite Publikum mag so etwas nicht. Als es nicht mehr zuschaute, bei der Bundestagsdebatte, gerieten sich Merkel und Steinbrück folgerichtig weitaus mehr in die Haare als bei ihrem Volksauftritt. Die beiden Regierungschefs Merkel und Seehofer redeten da gelassen von oben herab, doch auch ihre jeweiligen Gegner wollten sich schon einmal des von ihnen angestrebten Amtes würdig erweisen. Kein Wunder, dass die lebhafteste Fernsehdebatte im zweiten Glied stattfand, zwischen jenen dreien – Trittin, Gysi, Brüderle – , denen die Leute nicht so viel verzeihen müssen.
Vielleicht wäre es besser, zwei Gegner gemütlich Platz nehmen und einfach reden zu lassen, ohne Vorgabe, ohne Zeitdruck und ohne die Gänsemarschordnung ausgewählter Themen. Etwa nach dem Motto: Lass die beiden sich doch gegenseitig angiften. Sollen sie, wenn nötig, doch selber für Ruhe und Ordnung sorgen. Lass sie sich doch blamieren – bei open end. Womöglich würden sie sich von der dritten Stunde an duzen. Es könnte auch sein, und das wäre das Alleraufschlussreichste, dass ihnen in der vierten die Themen ausgingen und die Puste auch.

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