Politik

23.03.2012

Glanz und Elend des Sponsorentums

Weniger staatliche Subventionen, mehr Drittmittel: Ist das der Weg aus der Misere im Kulturbereich?

An diesem Wochenende ist im Theater an der Rott in Eggenfelden die Operette Nacht in Venedig von Johann Strauß zu sehen – vor zahlreich herbeigeströmtem Publikum. Das Theater an der Rott steht in der bayerischen Provinz, in Eggenfelden, einer Stadt mit 14 000 Einwohnern. Es ist eines von 81 Theatern, die der Freitstaat bezuschusst. Die Eggenfeldener Bühne könnte bald verschwinden, ginge es nach den Autoren des Buchs Der Kulturinfarkt, das vergangene Woche erschienen ist.
Die vier Schreiber arbeiten seit Jahren in der Kulturpolitik und finden, dass der Staat zu viel Geld in die Kultur steckt. Gäbe es in Deutschland halb so viele Theater, Museen und Bibliotheken, wäre das genug, sagen sie und fordern: Kultureinrichtungen sollen sich den Gesetzen des Markts unterwerfen, sich mehr über Drittmittel finanzieren und weniger über Subventionen.
Sagen die Autoren die Zukunft voraus? Der bayerische Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) widerspricht. „Für mich steht fest, dass Länder und Städte wesentlich mehr von der Kultur profitieren, als sie leisten.“ Seine Argumente: Im ländlichen Raum verhindert ein breites kulturelles Angebot die Abwanderung. Die Opposition im bayerischen Landtag ist mit der Regierung einer Meinung: An der Kultur darf der Staat nicht sparen. Einig ist sich die Opposition aber auch darin, dass die Vergabe der Fördermittel transparenter werden muss. „Es gibt keine definierten kulturellen Leitlinien, nach denen das Kunstministerium entscheidet“, sagt Michael Piazalo (Freie Wähler).

Drittmittel: Die Opposition ist dagegen


Die Forderung der Kulturinfarkt-Autoren, dass Theater, Opernhäuser und Museen mehr Drittmittel werben sollen, ist nicht neu. Alle bayerischen Museen, die Staatsoper, das Staatsschauspiel und das Staatsballett arbeiten schon seit Jahren mit Geldern von Firmen und Privatleuten. Im Jahr 2011 zahlte der Freistaat zum Beispiel rund die Hälfte der Betriebsausgaben der Staatsoper, 50,4 Millionen Euro. Knapp zehn Prozent kam von Sponsoren, so von BMW und Audi.
Das Staatsballett hat vor paar Jahren die Schweizer Millionärin Irène Lejeune als Mäzenin gewonnen. Sie ist Mitglied im „Freundeskreis des Bayerischen Staatsballetts“ und nutzt ihre eigenen Kontakte, um mehr „Freunde“ zu gewinnen. Grüne und SPD sind dagegen, Kultur mit Geldern von Firmen und Privatleuten zu fördern. „Kultur muss frei sein“, sagt Isabell Zacharias (SPD). Sepp Dürr (Grüne) nennt die Sponsoring-Forderung „Unsinn“. „Ob die Privatwirtschaft in Kultur investiert, ist extrem konjunkturabhängig.“ Der Stromriese Eon steigt zum Beispiel gerade aus vielen Förderprogrammen aus.
Im internationalen Vergleich gibt Deutschland übrigens gar nicht so viel Geld für Kunst aus. Im Jahr 2007 hat Deutschland 113 Euro pro Kopf in Kultur investiert. In der Schweiz waren es im selben Jahr 217 Euro, in Österreich 263 Euro. Bayern wird dieses Jahr rund 1,2 Prozent des Gesamthaushalts in Kultur stecken, voraussichtlich rund 520 Millionen Euro.
(Veronica Frenzel)

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