Politik

Der Meistertitel ist eine kostspielige Angelegenheit. (Foto:DAPD)

16.11.2012

Günstiger zum Meistertitel

SPD-Spitzenkandidat Christian Ude will Schulgeld an Münchens Meister- und Technikerschulen streichen

So ein Meisterbrief fällt nicht vom Himmel: Außer viel Büffelei erfordert er finanzielle Anstrengungen. Dennoch hat sich Michael Kastenmeier entschieden, an den Münchner Meisterschulen wieder die Schulbank zu drücken. „In der heutigen Zeit ist es besonders wichtig, seinen Beruf fundiert zu beherrschen“, sagt der 22-jährige Elektrotechnik-Meister in spe. Mehr rechtliche Sicherheit bei Entscheidungen auf der Baustelle, aber auch ein höheres Einkommen erhofft er sich durch den Meisterbrief. Der Aufwand ist beträchtlich: Ein Jahr Einkommensverzicht und hohe Kosten für Arbeitsmaterialien und die tägliche Fahrt von Rosenheim nach München – da sei man „um jeden Euro froh, den man nicht zahlen muss“.
Geht es nach dem Münchner Oberbürgermeister und SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl, können Leute wie Michael Kastenmeier bald mit Erleichterungen rechnen. Christian Ude will die berufliche Weiterbildung finanziell entlasten. Die SPD werde einen Antrag im Landtag einbringen, wonach Kurs- und Prüfungsgebühren, die in Zusammenhang mit der Meisterausbildung anfallen, erstattet werden sollen. Die Stadt München wolle mit gutem Beispiel vorangehen: Ihre 27 Fachschulen, also Meister- und Technikerschulen, sollen kein Schuldgeld mehr verlangen. Die eher geringe Gebühr von 750 Euro jährlich war erst 2006 in Zusammenhang mit der Einführung der Studiengebühren erhoben worden – „aus Gründen der Haushaltskonsolidierung“. Die jetzige Haushaltslage lasse laut Ude-Sprecher eine Abschaffung zu. Das würde für München eine Mindereinnahme von einer Million Euro bedeuten.
Nicht alle Meisterschüler besuchen jedoch eine städtisch subventionierte Schule. Oder eine der beiden staatlichen Meisterschulen: Wer sich in Landshut zum Keramikmeister fortbilden lässt, muss schon jetzt keine Kursgebühr zahlen. An Meisterschulen hingegen, die von Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammer, den Innungsverbänden oder auch von privaten Trägern betrieben werden, fallen Kosten an. So zahlt etwa ein Kfz-Technikermeister in spe für seinen zweijährigen Kurs unter Umständen mehr als 6000 Euro, sagt Rudolf Baier von der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern. Ein angehender Metzgermeister muss an der Fleischerschule in Augsburg 2980 Euro hinlegen. Und auch die Meister- und gleichwertigen Abschlüsse im Bereich der Industrie- und Handelskammern – etwa Wirtschaftsfachwirte – kosten laut IHK München und Oberbayern zwischen 3000 und 6000 Euro.
Verpflichtend sind die Vorbereitungskurse nicht; die Zahl derer, die auf eigene Faust lernen, ist allerdings gering. Die Prüfungsgebühr von je nach Aufwand um 500 Euro, die die Kammern erheben, müssen auch sie zahlen. Nach dem als „Meister-BAföG“ bekannten „Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz“ werden bis zu 30 Prozent der Kurs- und Prüfungsgebühren vom Bund bezahlt, wobei nicht jeder in den Genuss dieser Förderung kommt. Rund 5000 neue Handwerksmeister gibt es pro Jahr in Bayern. Geht es nach Ude, soll die öffentliche Hand zunächst nur für sie die nach Abzug des Meister-BAföGs verbleibenden Kosten von 23,5 Millionen Euro übernehmen. In einem zweiten Schritt sollen auch die im Bereich der IHK abgelegten höheren Abschlüsse gefördert werden, wodurch zusätzlich 30 Millionen Euro anfielen.

Ein Meisterpreis für Meister

Warum bei Industrie und Handel, nicht aber im Handwerk? Durch den demografischen Wandel und die zunehmende Akademiker-Zahl gebe es bald einen Mangel an nichtakademischen Fachkräften, sagt Stefan Loibl, Bereichsleiter Weiterbildung bei der IHK München und Oberbayern. Vorstellbar wäre für ihn eine Anhebung des Meister-BAFöGs auf 50 Prozent der Kosten. Auch eine individuelle Förderung über Bildungsschecks wäre sinnvoll. Die Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern fordert, für die berufliche Weiterbildung staatliche Anreize zu schaffen. Mit einem „Meisterpreis“ von mindestens 1000 Euro sollten erfolgreich abgelegte Prüfungen honoriert werden, meint Präsident Heinrich Traublinger. Dies werde sich zudem positiv auf die Weiterbildungsbereitschaft auswirken.
Kultusminister Ludwig Spaenle hat in seiner Eigenschaft als CSU-Bezirksvorsitzender von München geäußert, „als Ausdruck der Gleichwertigkeit von beruflicher und universitärer Ausbildung“ erscheine „die Abschaffung der Prüfungsgebühren für die Meisterausbildung geboten. Andere vergleichbare Ausbildungsgebühren sollten ebenfalls überprüft werden“. Die Abschaffung lediglich der Prüfungsgebühr würde nach SPD-Angaben 7,5 Millionen Euro kosten.
Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) hält von alledem nichts. Zu einer gerechten Verteilung der staatlichen Bildungsausgaben gehöre auch ein fairer Kostenbeitrag der Studierenden und der Meister, die später in der Regel höhere Einkommen erzielten, lässt Zeil wissen. „Eine staatliche Übernahme der Studienbeiträge und der Meistergebühren würden den bayerischen Haushalt jedes Jahr aufs Neue belasten“, warnt Zeil.
Tatsächlich drängt sich der Gedanke auf: Werden Studierende und Meisterschüler entlastet, warum sollen dann andere Berufsgruppen für ihre Ausbildung zahlen? Gesellschaftlich wichtige Berufe wie Erzieherinnen, Krankengymnasten und Altenpfleger müssen nach wie vor Schulgeld entrichten. Zwar reicht das nicht an die 6000 Euro für den Kfz-Meister heran, aber schließlich sind auch die Verdienstmöglichkeiten nach erfolgreichem Abschluss geringer. Die SPD fordert die Freistellung dieser Berufsgruppen von Ausbildungskosten. Die Abschaffung der Studiengebühren und ihre Konsequenzen könnten also noch erheblich teurer kommen als 180 Millionen Euro im Jahr. (Anke Sauter)

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