Politik

17.06.2011

Gute und schlechte Europäer

Ein Kommentar von Roswin Finkenzeller

Es begann mit Lug und Trug. Um die Drachme loszuwerden und den Euro zu bekommen, reichte Griechenland in Brüssel gefälschte Statistiken ein. Ob vor zehn Jahren die Europäer Blinde Kuh spielten oder den Schwindel tatsächlich nicht merkten – auf jeden Fall erging an die Hellenen die stillschweigende Aufforderung, über ihre Verhältnisse zu leben. Später beseitigte Brüssel einen Eckstein der Stabilitätspolitik, die No-Bail-Out-Klausel, die es untersagt hatte, jenseits der Heimat Staatenrettungen zu inszenieren. Die Europäische Zentralbank wollte sich nicht lumpen lassen und spielte Bad Bank, indem sie griechische Ramschanleihen aufkaufte. Ein ganzer Kontinent verwöhnte ein weltwirtschaftlich unbedeutendes Land, dem jetzt die Entwöhnung entsprechend grausam vorkommt.

Kreisende Pleitegeier


Wenn Regierungen in Retterpose Schlamperei dulden und volkswirtschaftliche Unvernunft belohnen, geht die Sache unweigerlich in die Binsen. Dort ist sie jetzt. Der über Griechenland kreisende Pleitegeier wird in mehreren Sprachen angefleht, sich doch bitte nicht offiziell herabzusenken. Brüssel wirft Geld in ein Fass ohne Boden, was Peter Gauweiler mit großem Recht Konkursverschleppung nennt. Besagtes Geld strömt in den Zinsendienst, nicht in die Tilgung und schon gar nicht in irgendwelche hellenischen Infrastrukturen. Genau genommen werden deutsche und französische Banken gerettet, wieder einmal. Diese als private Gläubiger apostrophierten Einrichtungen streichen zum Teil Wucherzinsen ein und sollten jetzt ruhig für die Risiken geradestehen, die ihre weiträumigen Risikoabteilungen frohgemut eingegangen sind.

Fieser Trick


Ein fieser Trick ist es, unvoreingenommene Analytiker als schlechte Europäer zu beschimpfen. Nein, es sind gute Europäer, die verhindern wollen, dass die Bezuschussung von Misswirtschaft deren Ausbreitung fördert. Guten Europäern graut es, wenn sie sehen, dass auch kleine Staaten wie die baltischen ein Land mit weitaus höherem Lebensstandard „retten“ müssen. Gute Europäer denken vor allem an die Mehrheit der Europäer, die normalen Bürger und Steuerzahler. Sollen die eine Riesenzeche bezahlen, die sie nie gemacht haben? Gute Europäer denken nicht zuletzt an jene Griechen, die sich für einen Staat schämen, der auf Pump lebt, das heißt auf Kosten anderer. Gute Europäer hassen die Devise: Mit schlechtem Beispiel voran.

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