Politik

08.03.2013

Herrschende Glücksspieler

Ein Kommentar von Roswin Finkenzeller

Den nächsten Wirtschaftsnobelpreis hätte sich Thomas Minder verdient, ein hartnäckiger Unternehmer aus Schaffhausen. Der ihm zu verdankende Schweizer Volksentscheid beschert raffenden Managern die rigorosesten Bestimmungen weit und breit. Endlich wird mit dem Strafrecht schweres Geschütz aufgefahren. Beispielsweise sind Antrittsgelder und der „goldene Handschlag“ zum Abschied jetzt schlichtweg verboten. Die Geldstrafen, nach bisherigem Brauch eine Lachnummer für steinreiche Kreise, sollen notfalls die Höhe mehrerer Jahreseinkommen erklimmen. Doch keine Sorge – auch künftig dürfen in börsennotierten Unternehmen die betroffenen Millionäre sich dumm und dämlich verdienen.

Trinkgeldverknappung für Krösusse


Die interessantesten Manager allerdings sind die Banker. Die von ihnen erzeugten Probleme löst weder der eidgenössische Volksentscheid noch die im europäischen Brüssel bevorzugte Trinkgeldverknappung für Krösusse. Den berüchtigten Boni, die nunmehr auf die immer noch aberwitzig hohe Summe zweier Jahresgehälter begrenzt werden sollen, stehen nach wie vor keinerlei Mali gegenüber. Denn weiterhin besteht der eiserne Wille, das Verursacherprinzip immer dann zu missachten, wenn Banken in die Bredouille kommen. Dass schuldlose Staatsvölker einzuspringen haben, wird in dringenden Fällen nicht etwa schamhaft erbeten, sondern frech gefordert.
Wie goldrichtig lag die SPD doch vor Jahrzehnten, als sie erklärte, es sei unanständig, Gewinne zu privatisieren und Verluste zu sozialisieren. Seitdem die Banken Europas genau das tun, hält die SPD ihren schönen Slogan unter Verschluss. Dabei ist gegen Glücksspiele gar nichts zu sagen. Sollen sich doch einige Banken ruhig als Kasino verstehen. Sollen sich doch Banker goldene Nasen verdienen und goldene Ohren dazu. An diesen eigenen Nasen sollen sich scheiternde Glücksspieler aber auch ziehen, anstatt mit den Folgen ihres Größenwahnsinns die Allgemeinheit zu behelligen. Angela Merkel nannte einige einschlägige Unheilsinstitute „systemisch“. Ach was, die Steuerzahler sind viel systemischer.

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