Politik

14.03.2014

Hoeneß' Hybris

Ein Kommentar von Roswin Finkenzeller

Justiz gegen FC Bayern – der Eindruck ist natürlich haarsträubend falsch, dafür aber weit verbreitet. Wäre Uli Hoeneß, verurteilt zu dreieinhalb Jahren Haft, Manager irgendeines Unternehmens und nicht Repräsentant der zur Zeit gefürchtetsten europäischen Fußballmannschaft gewesen, hätte seine Steuerhinterziehung für weitaus weniger Wirbel gesorgt. Für die Wahrheitsfindung aber ist die Aufmerksamkeit einer ganzen Republik gar nicht so schlecht und jeder lästige Rummel besser als sein Gegenteil, die Geheimjustiz vergangener Jahrtausende.
Seit Jahrtausenden ist aber auch jener Charakterfehler bekannt, den der einstige Nationalspieler als Geschäftsmann zunehmend entwickelte: Hybris. Was ist für einen Menschen, der über siebenstellige Ablösesummen für Fußballstars nachzudenken hat, schon ein Milliönchen? Hoeneß selbst sprach von dem Kick, den er genoss, als es darum ging, für die eigene Privatperson Millionen und immer neue Millionen zu scheffeln. Tatsächlich wurde er seine Supermannrolle nicht los, weder bei seiner bruchstückhaften Selbstanzeige noch bei seinem Geständnis vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München.

Warum haben's die Ermittler nicht gemerkt?


Diesen Knaller, effektvoll platziert am ersten Verhandlungstag, wird der Staatsanwalt mit gemischten Gefühlen vernommen haben. Auf der einen Seite belastete sich der Angeklagte über alle Maßen, wenn auch noch immer unvollständig. Auf der anderen Seite war den Ermittlungsbehörden der größte Batzen entgangen. Hoeneß tat so, als wolle er reinen Tisch machen, und warf doch nur die Frage auf, ob es sich um tätige Reue handle, um Dramaturgie oder um beides.
Prominentenmalus? Das deutsche Strafrecht zielt auf höchstpersönliche Schuld ab, daneben aber auch auf Generalprävention, auf Abschreckung also. Sein Urteil muss, das wusste der Vorsitzende Richter Rupert Heindl von Anfang an, vor allem revisionssicher sein. Für einen Juristen, der mit seinen 47 Jahren das Ende der Karriere noch nicht erreicht hat, wäre es wenig schön, vom Bundesgerichtshof das eigene Urteil um die Ohren gehauen zu bekommen, zumal in einem so spektakulären Fall wie dem des reichen und erfolgreichen Uli Hoeneß. Der hat sein allerletztes Ziel nun fürs erste verfehlt: auf Bewährung ein freier Mann zu bleiben.

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