Politik

11.10.2013

Horst im Glück

Ein Kommentar von Roswin Finkenzeller

Ein Hochgefühl steht Seehofer zu. Er, der zum Partei- und zum Regierungschef gewählt worden war, als kaum jemand ihn mochte, hat der CSU und ihren Anhängern das politische Heimatgefühl zurückerstattet. Unter deutschen Ministerpräsidenten ist der Besitz der absoluten Mehrheit eine Ausnahme, doch als eine einzige Ausnahme empfindet ein großer Teil der deutschen Bevölkerung auch das ganze Bayern. Sogar die Münchner stimmten bei der Landtagswahl nicht für ihren Oberbürgermeister, sondern für den Mann aus Ingolstadt.
Kaum aber merkte er, dass der 15. September ein Freudentag für ihn sein würde, wurde er auch schon frech. Am Betreuungsgeld rütteln? Nur über seine Leiche. Die Pkw-Maut einführen? Dabei bleibe es, punktum.

Routinier der Kehrtwendung

Nach der Bundestagswahl eine Woche später untersagte er seiner Schwesterpartei, mit den Grünen zu koalieren. Obwohl einige Berliner Profis solche Schlachtrufe insofern wenig ernst nehmen, als sie Seehofer für einen Routinier in der Kunst der Kehrtwendung halten, hat er vor den Koalitionsgesprächen der Verhandlungsführerin Merkel Fesseln angelegt. Oder wenigstens anlegen wollen, was die Unkollegialität nicht besser macht. Nicht nur er weiß, dass die CDU-Vorsitzende an der Taktik ihr helles Vergnügen hat, dazu aber in vieler Hinsicht freie Hand braucht. Wie zum Beweis ihrer Geschicklichkeit war die Kanzlerin, als Seehofer und einige andere redeten, eine schweigsame Frau.
Regieren möchte der bayerische Ministerpräsident vorerst mal bis 2018. Warum auch sollte er jetzt, da Fortuna ihm lächelt, an seine Pensionierung denken? Es geistert jedoch die unsterbliche Vorstellung herum, ein Amtsinhaber, auch oder gerade ein glücklicher, habe einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin „aufzubauen“. Das ist ein arg bürokratisches Verständnis von Politik. Mögliche Nachfolger, die einen politischen Ziehvater benötigen, der sie hochpäppelt und für ihre Fitness sorgt, wären ohnehin miserable Nachfolger. An die Spitze zu gelangen, das muss schon einer im Kreuz haben, im eigenen natürlich. Große Politiker wissen sich da selbst zu helfen, mittelgroße ebenso, wofür zur Zeit niemand ein besseres Beispiel bietet als der einst gar nicht so beliebte Horst Seehofer.

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