Politik

Schweigeminute vor Notre Dame. Pariser gedenken den Opfern des Satire-Magazins Charlie Hebdo. (Foto: dpa)

08.01.2015

Imam Idriz: Müssen uns aktiver gegen Islamisten stellen

Viele Muslime in Bayern sind erschüttert über den islamistischen Anschlag auf ein Satiremagazin in Frankreich. Einige fürchten nun auch Auswirkungen bei uns

Nach dem Attentat auf das Pariser Satiremagazin "Charlie Hebdo" hat der Penzberger Imam Benjamin Idriz gefordert, dass sich die Muslime in Deutschland Islamisten stärker entgegenstellen. "Wir müssen engagierter in den sozialen Netzwerken aktiv sein und mit Stellungnahmen und Publikationen solchen radikalen Muslimen entgegentreten", sagte Idriz gefordert, dass sich die Muslime in Deutschland Islamisten stärker entgegenstellen. "Wir müssen engagierter in den sozialen Netzwerken aktiv sein und mit Stellungnahmen und Publikationen solchen radikalen Muslimen entgegentreten", sagte Idriz. Islamisten nutzten das Internet bisher deutlich erfolgreicher: "Wir müssen in der Öffentlichkeit stärker präsent sein als solche radikalen Muslime. Die sind da bisher noch besser."
An diesem Freitag sollten auch alle Imame den Anschlag in ihren Gebeten und Gemeinden thematisieren, forderte Idriz. "Wir dürfen nicht einfach still bleiben, und nach ein paar Tagen ist die Sache vorbei", sagte der Imam. "Wir müssen immer wieder in die Öffentlichkeit gehen und mit der Mehrheitsgesellschaft Proteste organisieren, um uns von solchen Leuten zu distanzieren."

Sagt den Jugendlichen: "Das schadet unserer Religion"

Das Problem sei: Islamisten wie die mutmaßlichen Attentäter in Frankreich tauchten in einer normalen Moschee-Gemeinde nicht auf. "Daher fehlt die Kommunikation mit solchen Menschen." Es müsse den Muslimen dennoch gelingen, schon Jugendliche zu erreichen und ihnen zu sagen, "dass das der falsche Weg ist und unserer Religion schadet". Mit Terror und Gewalt fügten Islamisten dem Islam "viel mehr Schaden zu als irgendeine Karikatur", sagte Idriz.
Der Vorsitzende des Muslimrats München, Sokol Lamaj, sagte: "Es ist ein Prozess, der Menschen zu so etwas treibt." Oft seien sie isoliert und hätten ein persönliches Scheitern erlebt. Daher müsse man früher ansetzen als bei der Kommunikation über soziale Netze. Die Imame versuchten, diesen Menschen mit islamischen Argumenten klar zu machen, dass der Koran oder der Prophet Mohammed niemals mit Hass oder Gewalt auf Anfeindungen reagieren würde.
"Ich hoffe, dass der Anschlag für Muslime keine tragischen Auswirkungen hat. Ich hoffe, dass es jetzt keine Angriffe auf muslimische Einrichtungen gibt wie in Frankreich", sagte Lamaj. Auch Aykan Inan vom Türkisch-Islamischen Kulturverein Ditib sagte: "Wir hoffen, dass das friedliche Zusammenleben zwischen allen Religionen und Kulturen in Bayern durch solche Ereignisse nicht gestört wird."
Idriz sagte, die Pegida-Bewegung arbeite "denen in die Hände, die Hass schüren und am Ende zu Gewalt greifen". Der Imam forderte: "Wir müssen jetzt alle zusammenstehen, um einen gefährlichen religiösen Konflikt in Europa zu verhindern. Jetzt ist die richtige Zeit, dass Mulime und Nicht-Muslime zusammen ihre Stimme erheben und für ein friedliches Zusammenleben plädieren."

Stamm: "Keine Hetze gegenüber Religionen oder Bevölkerungsgruppen"

Auch Landtagspräsidentin Barbara Stamm warnte davor, die Ereignisse für Hetze gegenüber Religionen oder Bevölkerungsgruppen zu missbrauchen: "Kennzeichen unseres Zusammenlebens in Deutschland und Europa ist der konstruktive und freundschaftliche Dialog. In einer solchen Lage brauchen wir das Miteinander zwischen Religionen und Kulturen mehr denn je. Auch hier müssen wir als Demokraten klar Stellung beziehen und aufstehen gegen Hass und Ausgrenzung jeder Art. Wir alle müssen wachsam sein gegen alles Radikale, was von rechts oder links kommt." (dpa/BSZ)

Foto: Benjamin Idriz, Imam von Penzberger; dpa

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Kommentare (2)

  1. Super Horsti am 08.01.2015
    Wer immer diese Terrorgruppen auch sind, sie haben alle das selbe Drehbuch, den Koran!
    Wir müssen deutlich machen, daß wir als christliches Abendland unsere christlich-jüdischen Traditionen nicht aufgeben.

    Wir lehnen Moslems nicht als Menschen ab, sie können gerne als Gastarbeiter, Touristen, auf Montage, zum Studium, zwecks Heirat, egal was zu uns kommen, sie müssen sich aber an unsere Gesetze halten.

    Was wir hingegen ablehnen, ist der politische Islam, weil es eine falsche Religion ist. Jesus Christus hat in Matthäus 18, 16-20 gesagt "gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker". Er hat nicht gesagt, toleriert alle möglichen, gar anitchristlichen Weltanschaungen. Was gilt jetzt, was Jesus sagt oder was Gutmenschen für richtig halten?
  2. Roland am 08.01.2015
    Ich sag es mal so, die Presse- und Meinungsfreiheit gilt
    auch für die Religion Islam in Deutschland.
    In den Staaten des Islam gibt es kein solchen Freiheiten.
    Und Klagewege schon gar nicht.
    Niemand wird gezwungen in Deutschland zu bleiben.

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