Politik

Gefragte Berufsgruppe: Ingenieure. (Foto: Getty)

23.11.2012

Ingenieure verzweifelt gesucht

Bayerns Wirtschaft will den Fachkräftemangel mit gezielter Zuwanderung bekämpfen, was der CSU nicht ins Konzept passt

Raimund Becker zählt eher nicht zu den bekanntesten Persönlichkeiten hierzulande. Trotzdem hat das Vorstandsmitglied der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit in einem Zeitungsinterview die Debatte um die Anwerbung ausländischer Fachkräfte wieder angeheizt. Einen Nachholbedarf hat Becker der Bundesrepublik da attestiert. Zwar gebe es gute Ansätze wie die neue „Blue Card“. Leider aber sei Deutschland „noch nicht berühmt für seine Willkommenskultur“. Neben dem Erledigen von Hausaufgaben im Inland ist laut Becker ein „kluges Zuwanderungsmanagement“ nötig, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.
Die Prognosen sind in der Tat alarmierend. Nach der Studie „Arbeitslandschaft 2030“ der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) werden in Bayern schon 2015 gut 500 000 Fachkräfte fehlen. Bis 2030 soll diese Zahl auf 1,1 Millionen steigen – wenn nicht gegengesteuert wird. Bedenklich sei vor allem das Fehlen von Ingenieuren in der Industrie.
Nun ist es nicht so, dass es Deutschland insgesamt an Zuwanderung mangeln würde. Im ersten Halbjahr 2012 sind laut Bundesamt für Statistik 501 000 Personen nach Deutschland zugezogen – 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Abzüglich der Wegzüge hat sich der Wanderungssaldo von 135 000 auf 182 000 Personen erhöht. Knapp 90 Prozent der Zuwanderer waren Ausländer – überwiegend aus der EU – , der Rest deutsche Rückkehrer. Das Problem: Es kommen nicht unbedingt Leute mit den Qualifikationen, die auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt sind.
Die vbw hat darauf mit einem Fünf-Punkte-Programm reagiert. Einer davon ist die gezielte, an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes ausgerichtete Zuwanderung. „Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften lässt sich in den nächsten Jahren nicht aus eigener Kraft decken“, so vbw-Präsident Randolf Rodenstock. Man brauche den Zuzug aus dem Ausland, weil sich aus dem „Heer der Arbeitslosen“ nicht alle zu Ingenieuren nachqualifizieren ließen. Die vbw hat eigene Anwerbeprogramme in Ost- und neuerdings auch in Südeuropa gestartet, der Erfolg ist bislang aber überschaubar. „Es ist leichter gesagt als getan“, fasste Rodenstock die Erfahrungen zusammen. Nötig sei mehr Unterstützung aus der Politik.

Werben mit Alpenkulisse

und Gastlichkeit


Die beiden bayerischen FDP-Minister Martin Zeil (Wirtschaft) und Wolfgang Heubisch (Wissenschaft) gehen die Thematik nun offensiv an. Gemeinsam haben sie das Portal „Work in Bavaria“ eröffnet und mit einer eigenen Geschäftsstelle ausgestattet. Während Heubisch dabei für den Part „Study and stay in Bavaria“ zuständig ist, mit dem ausländische Studierende nicht nur an die Hochschulen in Bayern gelotst, sondern anschließend auch vom Bleiben im Freistaat überzeugt werden sollen, kümmert sich Zeil mit „Return to Bavaria“ um die Rückkehr früher einmal ausgewanderter bayerischer Fachkräfte.
Geworben wird mit Alpenkulisse und Gastlichkeit, aber auch hervorragenden Studienbedingungen und Karrierechancen. Zeil will Bayern zu einem „Magneten für die klügsten Köpfe und besten Talente dieser Welt“ machen. Der Fachkräftemangel sei eine „Wachstumsbremse“, deshalb müsse man in Sachen Anwerbung „ordentlich Gas geben und neue Wege beschreiten“, zum Beispiel durch entbürokratisierte Aufnahmeverfahren. „Wir müssen den Fachkräften auf der ganzen Welt sagen und zeigen, dass die Türen für sie weit geöffnet sind“, so Zeil.

Rodenstocks Mahnungen beeindrucken die CSU nicht groß


Beim Koalitionspartner CSU hört man solch euphorische Töne nicht gern. Dort folgt man der Devise des Vorsitzenden Horst Seehofer, der erst einmal die im Inland vorhandenen Potenziale ausschöpfen will. Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) sieht Chancen in der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, was die Erwerbstätigkeit von Frauen erhöhen könnte. Hier sieht sie auch die Unternehmen in der Pflicht, die ihre Anforderungen mehr an den Bedürfnissen der Familien ausrichten müssten und nicht umgekehrt. Reserven würden zudem in der stärkeren Eingliederung Behinderter in die Arbeitswelt und der Qualifizierung bereits hier lebender Ausländer liegen. Das Thema gezielte Zuwanderung hat bei der CSU trotz der mahnenden Worte Rodenstocks keine Priorität.
Bei der vbw hat man den Blick zudem auf die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse gerichtet. Denn es bleiben viele Hochqualifizierte in den Mühlen der Kultus-Bürokratie hängen. Gut 530 000 „Bildungsausländer“ lebten in Bayern, nur jeder siebte davon sei aber wegen seines nicht anerkannten Abschlusses im erlernten Beruf tätig, heißt es in einer weiteren vbw-Studie. Derlei Resourcen dürften nicht vergeudet werden, erklärt vbw-Geschäftsführer Bertram Brossardt.
Und noch eine Stellschraube zur Abmilderung des Fachkräftemangels nennt die vbw: Die Verlängerung der Wochen- und der Lebensarbeitszeit. Punkte, an die sich die Politik bisher nicht traut – schon gar nicht vor wichtigen Wahlen.  (Jürgen Umlauft)

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Kommentare (3)

  1. Karl am 26.11.2012
    Zu ihrem Thema Ingineure verzweifelt gesucht . Es stehen auf dem Deutschen Arbeitsmarkt mit Sicherheit genügend gut ausgebildete Ingineure zur Verfügung,auf diese greift aber die Deutsche Industrie nicht zu ,den die kosten ja richtig Geld.Den die Eigenfinanzierte Jahrelange Ausbildung sollte sich doch irgendwann in einem angebrachten Gehalt bezahlt machen.In der Regel sind solche ausgebildete Ingineure im Alter zwischen 27 bis 30 Jahre alt.In diesem Lebensabschnitt gehört auch die Familiengründung zum normalem Gesellwschaftlichem Leben.Dies ist nunmal im Münchner Raum sehr Kostenintensiv.Der Schrei nach Fachkräften aus dem Ausland für die Deutsche Industrie ist nur so groß ,den diese Ausländischen Ingineure arbeiten für weniger Geld als Deutsche,und tragen auf diese Weise zur Gewinnoptimierung der Unternehmen bei. Wann wird der Gier der Unternehmen endlich mel Grenzen gesetzt. Durch Billiglöhne in unserer Gesellschaft seitens der Unternehmen wird unser Sozialsystem rücksichtslos ausgeplündert. Bei niedriglöhnen erhalten--Rentenversicherung--Krankenversicherung--Arbeitslosenversicherung und Lohnsteuer nur geringfügige Beiträge. Wir sollel in unserem Heimatland billig Arbeiten-Teuer Konsumieren-für Nachwuchs sorgen [ Familienleben führen ] für den Vortbestand unserer Gesellschaft beitragen.Es darf nicht sein daß Leute jeden Tag acht Stunden zur Arbeit gehen und kein ausreichend Finanzieles auskommen zur verfügung haben um ein normales gesichertes Leben zu führen.Oder viele alte Leute die ihr ganzes Leben bei uns gearbeitet haben ,und in Armut Ihr Rentendasein bewälltigen,mit Butterbrot ohnr Wurstbelag ,kein Fleisch-den Zähne zum beißen können sie sich auch nicht mehr leisten.-----Was sind wir für eine Traurige Gesellschaft geworden. Wir sollten es mal mit Politikern aus dem Ausland versuchen ,Die sind billiger als unsere Eigenen ;und machen es vielleicht auch besser als unsere. Wen der Liebe Gott gewollt hätte das wir nur zum Arbeiten auf seiner Welt sind ,Hätte er warscheinlich Ameisen aus uns Menschen gemacht.
  2. splash am 27.11.2012
    Diese Thema ist ja irgendwie der Dauerbrenner. Ein interessanter Artikel hierzu im Spiegel. "Die Unternehmen sind selbst Schuld".
    http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/manpower-chefin-calasan-fachkraeftemangel-ist-hausgemacht-a-868539.html
  3. ottoradler am 06.12.2012
    Herr Umlauft, warum schreiben Sie über dieses Thema, ohne - kritisch hinterfragend - auch nur ansatzweise auf die in anderen Medien aufgedeckten Interessen hinter dieser Meldung ("Ingenieure verzweifelt gesucht") einzugehen? H. Scharpf
    Hier nur ein Beispiel (aus "Die Welt" vom 5.5.2012) von vielen:

    Quelle: http://www.welt.de/regionales/hamburg/article106261539/Fachkraeftemangel-Das-Problem-ist-die-Bezahlung.html

    Fachkräftemangel? Das Problem ist die Bezahlung
    Das Märchen vom Mangel: Noch gibt es genügend Fachkräfte. Die Firmen müssen ihre Angebote für Ingenieure verbessern und statt des Managements den Innovationsgeist stärker fördern.
    Von Sophia Seiderer

    Noch nie war die Ingenieurslücke in Deutschland so groß: 105.700 offene Stellen vermeldet der Verband der Deutschen Ingenieure (Vdi) in seinem aktuellen Ingenieurmonitor. Ein Rekordhoch, seit Beginn der Erhebung im Jahr 2000.
    Allein im vergangenen Jahr habe Deutschlands Wirtschaft dadurch acht Milliarden Euro verloren. Die deutsche Innovationskultur sei in Gefahr, warnen Experten und Unternehmenschefs wie Siemens-Chef Peter Löscher: "Deutschland bleibt ein Land der Techniker und Bastler, aber uns geht der Nachwuchs aus." Dabei gehe es laut Löscher um die "Basis für unseren Wohlstand und für den Klang 'Made in Germany'".
    Schon seit Jahren lässt die Politik deswegen nichts unversucht, junge Menschen für den Ingenieurberuf zu begeistern. MINT-Initiativen, Girl’s Days, Projekte wie Think Ing, sie alle sollen dazu beitragen, das Interesse junger Menschen für Fächer wie Maschinenbau, Elektrotechnik oder Informatik zu wecken. Die Unternehmen versprechen dem Nachwuchs dabei beste Berufsaussichten, ordentliches Gehalt und Karriereperspektiven.

    Kein guter Job trotz guter Qualifikation
    Davon ließ sich auch Martin Fell (Name von der Redaktion geändert) locken. Der junge Hamburger Ingenieur erforscht Materialien, die Autos leichter machen können. In seiner Diplomarbeit hat er ein innovatives Konzept für einen großen Autobauer entwickelt.
    Sechs Jahre Studium liegen hinter ihm, Praktika bei großen Konzernen, Auslandssemester in Großbritannien. "Ich würde schon sagen, dass ich gut qualifiziert bin", sagt Fell. Denn eigentlich hat er alles, was sich die Industrie von einem Absolventen wünscht.
    Einen guten Job findet er trotzdem nicht. "Hätte ich gewusst, was mich nach meinem Studium erwartet, hätte ich mich sicher für eine andere Ausbildung entschieden", sagt Fell. Seit einem halben Jahr ist er mit dem Studium fertig, er wollte bei einem der großen Autobauer anfangen.
    Geklappt hat das nicht. Nach vielen Bewerbungen und ebenso vielen Absagen arbeitet Fell jetzt bei einem kleinen Zulieferer. "Dort bekomme ich natürlich ein deutlich niedrigeres Gehalt. Das macht man eigentlich nur, wenn man sonst keine Option hat", sagt Fell.
    Oft schon in Personalabteilung abgewimmelt
    Für ihn fängt das Problem schon damit an, dass die Chefs in den Firmen seine Bewerbung gar nicht erst vorgelegt bekommen. "Man wird schon in der Personalabteilung abgewimmelt. Doch die Mitarbeiter dort können oft gar nicht erkennen, dass ein Maschinenbauer fachlich auch andere Bereiche abdecken kann.
    Das kann eigentlich nur ein Fachmann beurteilen", sagt Fell. "Wenn ich dann höre, dass derzeit besonders in meinem Spezialgebiet viele Experten gesucht werden, dann kann ich mich nur wundern." Geärgert haben ihn vor allem sogenannte Dummy-Ausschreibungen von Firmen, wie er sagt.
    "Die Unternehmen schreiben Stellen aus, die es so noch gar nicht gibt. Damit wollen sie den Markt sondieren und sehen, wer sich potenziell bewerben würde", sagt Fell. Einen Job hat er damit allerdings nicht bekommen.
    Martin Fell ist keine Ausnahme. Auf Fachforen und Studienblogs im Internet, auf denen sich Berufseinsteiger und Absolventen austauschen, mischt sich Frust mit Angst und Ärger: "Da wird zur Lohndrückerei wieder das Märchen vom Fachkräftemangel aufgetischt", schreibt ein Betroffener.
    Lohndrückerei und die Mär vom Fachkräftemangel
    Es sei höchste Zeit, "dass der Verein Deutscher Ingenieure keine falschen Zahlen mehr veröffentlicht". Ein anderer Ingenieur beklagt, dass Absolventen meist nicht mehr von den Unternehmen direkt eingestellt werden: "Leiharbeitsfirmen sprießen seit vielen Jahren wie Unkraut aus dem Boden und vermitteln Ingenieure zur Umgehung des Kündigungsschutzes und der Tarifverträge an Firmen zu Dumpinglöhnen weiter." Zunehmende Arbeitslosigkeit sei für Ingenieure inzwischen Realität.
    Der Berliner Wissenschaftler Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung zweifelt an den Zahlen des VDI, nach denen es schon heute einen jährlichen Bedarf von 40.000 Ingenieuren geben soll, nur um die Ruheständler zu ersetzen. Brenke erwartet in seiner Studie maximal 20.000 Ingenieure, die jährlich in Rente gehen. Eine Anzahl, die laut Brenke von den derzeitigen Abgängern der Universitäten gut gedeckt werden könnte.
    Brenke befürchtet sogar eher eine Absolventenschwemme. "Der gegenwärtige Run auf ingenieurwissenschaftliche Studienplätze lässt eher ein Überangebot an solchen Fachkräften erwarten." Allein im Jahr 2010 hätten 50.000 Studenten einen industrienahen Ingenieursstudiengang absolviert.
    Kein Ingenieurmangel
    Für Hamburg hält auch der Chef der Arbeitsagentur, Sönke Fock, fest: "In Hamburg können wir derzeit nicht von einem Ingenieurmangel sprechen." Von den 7300 freien Ingenieursstellen, die derzeit in der Hansestadt, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zu besetzen sind, wie zumindest der VDI berichtet, ist auf den Karriereseiten und Stellenbörsen der großen Hamburger Firmen jedenfalls nichts zu spüren.
    Am Standort Hamburg ist im Engineering bei Lufthansa Technik gar keine Stelle zu besetzen, bei der HHLA drei Stellen, nur für die hauseigene Beratungsfirma werden mehrere Manager mit Ingenieursstudium gesucht.
    Beim Gabelstapelhersteller Still gibt es auch keine freien Stellen für Ingenieure, bei Jungheinrich eine. "Wir wachsen planvoll und organisch", sagt der Sprecher von Jungheinrich. "Da werden nicht plötzlich auf einen Schlag 30 Stellen für Ingenieure neu geschaffen." Aber er betont: "Bei Jungheinrich spüren wir jedenfalls noch nichts von einem generellen Ingenieurmangel."
    Selbst bei den großen Energieunternehmen, die ihre Windsparte im Norden erheblich ausbauen wollen und als Motor auf dem Arbeitsmarkt im Norden gelten, sieht es düster aus: Bei RWE auf der Karriereseite ist es eine Stelle, bei Vattenfall für Berufseinsteiger keine, für Berufserfahrene zwei Stellen, bei Siemens immerhin neun aktuell ausgeschriebene Jobs im Ingenieurwesen in der Hansestadt.
    Horch prognostiziert Fachkräftemangel
    Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch sagt: "Welches Ausmaß der Fachkräftemangel insbesondere bei den Ingenieuren bereits heute hat, darüber gibt es unterschiedliche Studien, Prognosen und auch Meinungen." Nach Horchs Meinung dürfte es unstrittig sein, dass es die Unternehmen in wenigen Jahren mit einem deutlichen Ingenieurmangel zu tun haben werden.
    "Nicht zuletzt bedingt durch den demographischen Wandel", so Horch, und betont: "Doch einem drohenden Mangel entgegenzuwirken ist nicht allein Aufgabe der Politik. Auch die Unternehmen selbst müssen ihren Teil beitragen, indem sie die jungen Ingenieure angemessen bezahlen, sie fördern und ihnen eine Vision für ihre berufliche Zukunft aufzeigen.
    Es kann nicht sein, dass der Ingenieursnachwuchs sich für eine andere berufliche Richtung entscheidet, weil er am Ende nicht den Lohn für seine Mühen bekommt und eine Familie nicht ernähren kann."
    Der Berliner Arbeitsmarktexperte Brenke erklärt das Phänomen so: "Wir haben ja auch keinen Benzinmangel, weil wir den Liter nicht für einen Euro kriegen." Genauso bekommen Firmen keine Ingenieure, wenn sie ihnen nichts bieten.
    40.000 Euro Durchschnittsgehalt
    Der Verband Deutscher Maschinen und Anlagenbau (VDMA) geht von einem Durchschnittsgehalt von 40.000 bis 45.000 Euro für einen Diplomingenieur aus, der in den Beruf einsteigt. Natürlich gebe es Unterschiede. Größere Firmen könnten mehr bezahlen als kleinere Betriebe. Laut Verband müsste man also annehmen, die Einstiegsgehälter für Ingenieure sind in Ordnung.
    Die meisten Firmen schweigen zu diesem Thema. Weder Repower, Nordex oder Strabag wollen eine Angabe dazu machen, welches Gehalt sie einem Berufseinsteiger aus dem Ingenieurbereich zahlen. Das Unternehmen Ferchau, das nach eigenen Angaben in Norddeutschland derzeit 300 Stellen zu besetzen hat, sieht nach wie vor einen großen Bedarf an Ingenieuren und Technikern: "Gerade in den für Ferchau Engineering wichtigsten Branchen im Norden wie Windkraft/Offshoretechnik, IT sowie Luft- und Raumfahrt werden verstärkt Fachkräfte gesucht", so Frank Ferchau, geschäftsführender Gesellschafter der GmbH.
    Soeben hat Ferchau, dessen Hauptsitz in Nordrhein-Westfalen liegt, einen Tarifvertrag mit der IG Metall geschlossen. Ab Juli 2013 sollen die Ingenieure, die dort arbeiten, gleiches Geld für gleiche Arbeit erhalten. "Damit ist das Gehalt des Mitarbeiters auf verbindlichem und transparentem Niveau geregelt. Das Einstiegsgehalt für einen jungen Ingenieur liegt um 3500 Euro brutto", so Ferchau. Hinzu kämen Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld.
    Gehälter im Norden fallen oft geringer aus
    Es geht also offensichtlich auch anders. Dass die Gehälter aber bei den Firmen im Norden oft geringer ausfallen, weiß Philipp Paul (Name von der Redaktion geändert). Der promovierte Ingenieur ist 31 Jahre alt. Insgesamt elf Jahre hat er in seine Ausbildung investiert, allein die Promotion in einem der schwersten Fachgebiete im Ingenieurswesen verschlang fünf Jahre.
    "Ich habe selbstständig Projekte akquiriert, durchgeführt, eine Arbeitsgruppe geleitet", so Paul. Von null würde er also nicht anfangen, wenn er jetzt in die Industrie wechselt. Als er sich vor Kurzem auf Jobsuche machte, war der Ingenieur aber ernüchtert.
    "Es ist nicht so, dass ich gar keine Angebote bekam", so Paul. "Aber es gab Firmen, die mir nicht einmal 3000 Euro brutto im Monat gezahlt hätten", so Paul. Jetzt verdient der Universitätsabsolvent zwar etwas mehr, "doch der Vertrag ist befristet, die Urlaubstage nach unten gedrückt und die Bezahlung notwendiger Überstunden wird durch das Modell 'Vertrauensarbeitszeit' umgangen", so Paul.
    Industrie fördert das Management
    Seiner Meinung nach fördert die Industrie nicht den Innovationsgeist, sondern das Management. "Ingenieure, die wirklich fachlich arbeiten und technische Probleme lösen, werden als austauschbare Ressource behandelt. Diejenigen, die koordinieren und managen werden deutlich besser bezahlt", so Paul.
    An der Technischen Universität Hamburg-Harburg ist die Begeisterung für das Ingenieursstudium ungebrochen. Die Universität verzeichnet ein Rekordhoch: 1480 junge Menschen beginnen dort ein Studium in den Ingenieurswissenschaften.
    "Die meisten unserer Studierenden kommen gut unter, manche sofort, andere suchen einige Wochen, bis sie das Gewünschte finden", so Pressechefin Jutta Katharina Werner. Arbeit bekämen aber alle. Es bleibt die Frage, zu welchen Bedingungen.

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