Politik

Viele BRK-Helfer sind seit Wochen im Dauereinsatz. (Foto: dpa)

07.10.2015

Jetzt ruft ruft das Rote Kreuz um Hilfe

Flüchtlingskrise: Die ehrenamtlichen Helfer sind überlastet

Allerorten erklingen dieser Tage Hilferufe: Ämter, Kommunen und Polizei sind überlastet, weil eine Rekordzahl von Flüchtlingen ins Land kommt. Nun ruft auch das Bayerische Rote Kreuz um Hilfe. "Lange halten wir das mit rein ehrenamtlichen Kräften nicht mehr durch, so geht es nicht weiter", sagte Landesgeschäftsführer Leonhard Stark schon vor einigen Tagen. Viele BRK-Helfer sind seit Wochen im Dauereinsatz. Das BRK fordert mehr Geld von der Staatsregierung für den Einsatz von Hauptamtlichen.
Doch das ist kein repräsentatives Bild. Wer die vielen ehrenamtlichen Flüchtlingsinitiativen in Bayern befragt, hört häufig sogar das Gegenteil: Nicht Überlastung sei das Problem - sondern eher, die Vielzahl der Freiwilligen sinnvoll zu organisieren.

"Der Ansturm von ehrenamtlichen Helfern auf alle denkbaren und nicht denkbaren Bereiche ist sehr groß", sagt Norbert Huber, Geschäftsführer der Caritas in der Erzdiözese München. Das wirft eine Frage auf: Warum hat das große Rote Kreuz Probleme, andere Verbände und Initiativen aber nicht?
Denn der rasante Anstieg der Flüchtlingszahlen hat auch zu einem ebensolchen Anstieg der Hilfsbereitschaft in Bayern geführt. "Vor eineinhalb Jahren haben wir mit 30, 40 Helfern angefangen", sagt Norbert Büker vom Helferkreis Neubiberg, einer Initiative der katholischen Kolpingsfamilie. "Wir sind jetzt bei 250 Helfern und 70 Interessenten." 

Gedränge erleichtern


Ihre Tätigkeiten reichen von der Begleitung bei Behördengängen über Sprachunterricht und Kinderbetreuung bis zur ärztlichen Rudimentärversorgung und der Organisation von Sport-, Freizeit- und kulturellen Aktivitäten. 

Die meisten Helferkreise versuchen, das gedrängte Leben in den Unterkünften zu erleichtern und den Asylbewerbern bei den ersten Schritten in Deutschland behilflich zu sein. "Wir sind nicht dazu da, den Leuten ein all-inclusive-Paket anzubieten", sagt Büker.

Wenn die Hilfsbereitschaft so groß ist, warum ist die Lage beim Bayerischen Roten Kreuz dann so schwierig? "Die Tätigkeiten kann man nicht vergleichen", sagt BRK-Sprecherin Hanna Hutschenreiter. Die Helferkreise seien in den Unterkünften tätig, das BRK in der Sofort-und Akuthilfe. "Da geht es zum Beispiel darum, ganz schnell am Sonntagabend eine Notunterkunft für 500 Leute aufzubauen." 

Das BRK hilft auch bei den medizinischen Untersuchungen, denen sich alle Aylbewerber nach der Ankunft unterziehen müssen oder begleitet die Flüchtlinge auf den Zugfahrten in andere Bundesländer. Derzeit sind beim BRK nach Angaben des Verbands jeden Tag etwa 500 bis 600 Helfer im Flüchtlingseinsatz.

Ohne Helfer ginge nichts


Eines ist sicher: Ohne den großen Einsatz ehrenamtlicher Helfer wäre die Versorgung der vielen Flüchtlinge mindestens sehr viel schwieriger, wenn nicht unmöglich. Bisher sei von einer Abnahme der Hilfsbereitschaft nichts zu spüren, sagt Hanna Smuda vom Bayerischen Flüchtlingsrat. "Ich habe noch von keinem Helferkreis gehört, der wegen zu hoher Flüchtlingszahlen aufgegeben hätte."

Sofern Behörden und Verbände überlastet sind, ist dies nach Einschätzung des Münchner Caritas-Geschäftsführers nicht in der hohen Zahl der Asylbewerber begründet. "Momentan haben wir keine Flüchtlingskrise, sondern eine Organisationskrise", meint Huber. "Die Schwierigkeit ist, diese hohe Hilfsbereitschaft ins System zu bringen."

Das glaubt angesichts der Vielzahl der Hilfswilligen auch Büker vom Neubiberger Helferkreis: Er empfiehlt den Behörden, noch stärker auf Ehrenamtliche zu setzen als bisher und "weniger nach Schema F zu verfahren". Sinnvoll wären eine bessere Koordination und Organisation der Ehrenamtlichen, meint er. "Es ist eher die Schwierigkeit, alle Freiwilligen hinter eine Pflugschar zu bekommen."
(Carsten Hoefer, dpa)

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Kommentare (1)

  1. Wähler am 08.10.2015
    Es liegt wohl eher daran, dass das Rote Kreuz in den letzten Jahren massiv Personal und Material abgebaut hat! Ergo eine falsche Personalpolitik.

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