Politik

Markus Söder (links) und Ulrich Wilhelm: Beide haben ihre Karriere beim BR begonnen. (Foto: BSZ)

18.11.2011

Kleine Revolution

"Menschen & Medien": Markus Söder sprach mit Intendant Ulrich Wilhelm über die Zukunft des BR

Ein Senderchef steht manchmal vor schier „unlösbaren Aufgaben“. Verständlich – zumal bei einem so riesigen Haus wie dem Bayerischen Rundfunk. Die „unlösbare Aufgabe“ aber, die Markus Söder (CSU) seinem Gast Ulrich Wilhelm am Dienstagabend stellte, hätte wohl jeder im Publikum im Haus der Wirtschaft in München mit Leichtigkeit gelöst. Denn bei der Veranstaltung „Menschen & Medien“ der CSU-Medienkommission wollte Söder vom BR-Intendanten schlicht wissen, was seine Lieblingssendung im Bayerischen Fernsehen ist.
Aber Wilhelm, seit Februar 2011 im Amt, weiß als ehemaliger Sprecher von Edmund Stoiber (CSU) und Angela Merkel (CDU) natürlich, dass es manchmal geschickter ist, sich nicht festzulegen. Zu leicht könnte man es sich mit dem einen oder anderen verscherzen. Also kam von ihm ganz diplomatisch die Antwort: „Da fällt mir vieles ein, der BR hat ein rundum gelungenes Programm.“ Da konnte ihn auch Söder nicht aus der Ruhe bringen, der frech spottete: „Vielen Dank für diese originelle Antwort.“


Junge Zuschauer gesucht


Aber es gab ja schließlich auch noch wichtigere Dinge zu besprechen, vorrangig die Zukunft des BR. Der Legitimationsdruck auf die öffentlich-rechtlichen Sender wächst. Von allen Seiten wird die Verflachung des Programms beklagt, gleichzeitig aber schalten immer weniger junge Menschen ein. Und die müssten nicht nur über einen entsprechenden Inhalt, sondern auch über neue Verbreitungswege erreicht werden, also über das Internet, erklärte Wilhelm. Schließlich sei der Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender, eine „Grundversorgung für alle Teile der Bevölkerung, also auch für die junge Generation“, zu gewährleisten.
Trimedialität ist das neue Zauberwort – sie bezeichnet die Vernetzung von Fernsehen, Radio und Internet. „Hier stehen wir am Anfang eines Reformprozesses“, sagte Wilhelm und kündigte tiefgreifende Veränderungen im Sender an: Die Themenplanung und Recherche sollten künftig eng miteinander verzahnt werden. Im Laufe der nächsten zehn Jahre soll dieser Prozess abgeschlossen sein. „Eine kleine Revolution“ nannte Söder das. Schließlich arbeiten die rund 3000 festangestellten und  zahlreichen freien Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks an drei verschiedenen Standorten in München: im Funkhaus in der Nähe des Hauptbahnhofs, in Freimann und in Unterföhring.
Dass die Probleme der Öffentlich-Rechtlichen aber nicht allein technischer Natur sind, machte Söder auch klar – mit einem Seitenhieb auf die neue Talkshow-Kultur. „Die Themen Übergewicht oder Rheuma hätte es früher bei Sabine Christiansen am Sonntagabend nicht gegeben“, kritisierte er und prangerte damit die „Boulevardisierung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens“ an. Und selbst Wilhelm scheint von der Talkshow-Schwemme in der ARD nicht überzeugt. Es gehe um die Frage des Erkenntnisgewinns, antwortete er. Und den erreiche man am besten „über einen Mix“, also über einen Themenabend mit Magazinbeiträgen, Schaltgesprächen und Meinungsumfragen.


Edmund Stoiber im Pyjama


Natürlich versuchte Söder dem „bayerischen Robert Redford“, wie Wilhelm aufgrund seines Äußeren gerne mal genannt wird, auch kleine Geheimnisse aus seiner Zeit als Stoiber-Sprecher zu entlocken. Mit Erfolg: Wilhelm erinnerte sich an seine erste Aufgabe für den damaligen Innenminister. Stoiber sollte für einen kleinen Beitrag in der BR-Rundschau über Bautätigkeiten des Freistaats sprechen und beschwerte sich bei Wilhelm, wo denn die Unterlagen blieben. „Sie werden doch für die zwei Sätze keine Unterlagen brauchen“, antwortete er, und musste sie natürlich dennoch schnellstmöglich beibringen. „Stoiber hat dann doch nur zwei nichtssagende Sätze von sich gegeben“, erinnerte sich Wilhelm. „Aber am Ende hatten wir das Gefühl, beide hatten Recht.“
Der holprige Auftakt jedenfalls endete in einem engen Verhältnis zwischen Wilhelm und Stoiber. „Die Distanz zwischen dem Beamten und dem Amtsträger aber gab es bis zuletzt“, erzählte Wilhelm und erinnerte sich an Reisen, wo er mit Stoiber – im Schlafanzug – spätabends auf dem Hotelbett saß, ihn aber auch in dieser Situation ganz „korrekt mit ,Herr Ministerpräsident’“ angesprochen habe.
Ein Abschiedsgeschenk gab es am Ende der Veranstaltung auch – nicht für Markus Söder, der zum letzten Mal „Menschen & Medien“ moderierte. Denn als neuer Finanzminister gibt er den Vorsitz der CSU-Medienkommission ab. Wilhelm bekam von ihm ein Foto von Angela Merkel mit Edmund Stoiber überreicht – „ein Bild aus glücklichen Tagen“, lästerte Söder. Und dann gab er BR-Intendant Ulrich Wilhelm als Abschiedsgruß noch mit auf den Weg: „Vielleicht fallen Ihnen über die Jahre ja mal ein, zwei Lieblingssendungen im Bayerischen Rundfunk ein.“ (Angelika Kahl)

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