Politik

06.09.2013

Lachendes Doppel

Beim TV-Duell Seehofer gegen Ude gab es keinen klaren Sieger - und erstaunlich viele Zuseher

„Mit einer Diskussion kann man niemals politische Weltbilder umstürzen.“ Es war Christian Ude (SPD), der jetzt mit dieser Erkenntnis aufwartete. Das TV-Duell gegen Horst Seehofer (CSU) war da gerade mal wenige Minuten vorbei. Und vielleicht war ja auch diese Erkenntnis mit ein Grund, warum Ude Seehofer zwar manchmal munter angriff – allerdings nicht so hart, wie es möglich gewesen wäre. Es war ein Duell, in dem sich beide nicht viel schenken wollten. Aber wehtun wollte man sich ganz offensichtlich auch nicht. Dabei wäre es die Aufgabe des Herausforderers Ude gewesen, verbale Schläge so zu setzen, dass sie auch nachhaltige Wirkung zeigen. Am Ende kürten sich dann erwartungsgemäß beide zum Sieger.
Seehofer war die Anstrengung der 75 Minuten gleich nach dem Duell deutlicher anzumerken als Ude. Die Debatte sei „in Ordnung“ gewesen, sagte er, „ein gutes Stück politischer Kultur“. Seehofer kann in der Tat zufrieden sein. Einzig bei den Themen Pkw-Maut und Gustl Mollath wirkte er etwas nervös. Aber auch Ude hat sich souverän geschlagen. Die Unterschiede in Energie-, Sozial- und Bildungspolitik hat er überzeugend rübergebracht. Als sich Seehofer für die Dynamik in Sachen Kinderbetreuung selbst lobte, konterte Ude geschickt: „Ein Marathonläufer, der die erste Stunde verschläft und dann blitzschnell startet, hat auch die größte Dynamik.“ Die CSU habe den Kita-Ausbau aber lange Zeit nicht nur verpennt, sondern sogar torpediert. Doch auch Seehofer bewies Schlagfertigkeit: „Für einen Marathonläufer ist wichtig, wie er seinen Lauf einteilt und ob er als Erster ankommt. Und wir sind die Ersten.“ Was Ude bestritt.

Die Marathonmänner


Einen klaren Sieger im Duell gibt es nicht. Seehofer punktete auf der emotionalen Ebene – er gab den netten, sorgenden Landesvater. Ude überzeugte mit Sachlichkeit. Humor zeigten sie beide. Beide lachten viel – kein Vergleich zum Duo der hängenden Mundwinkel Merkel und Steinbrück, die am Sonntag aufeinandertrafen.
Deutschlandweit schalteten fast eine Million Menschen das BR-Duell Seehofer-Ude ein, in Bayern verfolgten 730 000 den Schlagabtausch. Das ist ein stattliches Ergebnis. Gingen diese 730 000 Menschen  tatsächlich zur Wahl, wären das fast 7 Prozent der abgegebenen Stimmen – legt man das Ergebnis der vergangenen Landtagswahl zugrunde. Laut der aktuellen GMS-Umfrage liegt die CSU acht Prozentpunkte vor einem Dreierbündnis aus SPD, Grünen und Freien Wählern. Allerdings käme nach dieser Umfrage  die FDP mit 5 Prozent wieder in den Landtag.
Ude hat recht:  „Es ist noch nichts entschieden.“ Nach dem Duell betonte er: „Es gibt 40 Prozent Unentschlossene.“ Die Menschen, „die jetzt aus dem Urlaub gekommen sind, wachzurütteln“, das wollte er schaffen. Sicher dürfte zumindest sein: Eingeschlafen ist beim TV-Duell wohl keiner. (Angelika Kahl)

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