Politik

19.10.2012

Männer bleiben fast unter sich

Florian Streibl (Freie Wähler) erkundigt sich nach dem Frauenanteil unter den neu vergebenen Führungspositionen im öffentlichen Dienst Bayerns

Bastionen, das sind die bayerischen Ministerien für Florian Streibl. Bastionen für Männer – zumindest was den Frauenanteil in Führungspositionen der einzelnen Staatsministerien und an Schulleitungen des Freistaats betrifft. Der parlamentarische Geschäftsführer der Freien Wähler hatte in einer schriftlichen Anfrage an das Finanzministerium diese Aporie geäußert: „Wie viele der in 2011 neu vergebenen Führungspositionen wurden (...) mit Frauen besetzt?“
Die Rechenergebnisse aus der ministerialen Entgegnung sind so ernüchternd wie eindeutig: 55 der 87 neu ernannten Referatsleiter sind Männer. Sieben der elf neu ernannten Abteilungsleiter sind Männer. Und gar drei der drei neu ernannten Amtschefs sind – man ahnt es – Männer. Einen Lichtblick gibt es indes aus Sicht des weiblichen Geschlechts: 301 der 529 neu ernannten Schulleiter sind Frauen – deutlich mehr als die Hälfte. Ungeachtet dessen urteilt Streibl: „Leider erhärtet sich der Verdacht, dass es dem Freistaat nicht gelingt, den Frauenanteil in Führungspositionen erheblich zu steigern.“
Was seiner Position in der Tat Gewicht verleiht: Er hat sich nicht nach der Gesamtzahl der Frauen in Führungspositionen erkundigt. In dem Fall ließe sich nämlich argumentieren, dass gehobene Positionen von verbeamteten Männern besetzt sind, die in der Vergangenheit verstärkt eingestellt worden sind. Deren Stellen müssten erst einmal frei werden, um sie in Zukunft gezielt mit gut qualifizierten Frauen besetzen zu können. Streibls Nachfrage belegt vielmehr, dass die bisherige Praxis fortgesetzt wird, denn auch aktuell frei werdende Führungspositionen werden überwiegend an Männer vergeben.
Dabei fordern Politiker aller Parteien und unabhängig davon, ob sie eine Frauenquote favorisieren oder nicht, dass Frauen gezielt für Führungspositionen weitergebildet werden sollen. Insofern war Streibls Frage, welche finanziellen Mittel der Freistaat seit 2008 für diese spezielle Vorbereitung zur Verfügung stellt, naheliegend.
Allein, die Antwort des Finanzministeriums ist denkbar lapidar: „Die Kosten für die Fortbildung von Frauen, die sie für die Übernahme von Führungsaufgaben qualifizieren, sind nicht quantifizierbar.“ Fortbildungsmittel folgten „keiner geschlechterspezifischen Aufteilung“. Und wie bitteschön möchte man dann geschlechterspezifisch fördern?
In Spitzenpositionen „könnte der Frauenanteil gerne noch ein wenig höher sein“, sagt Ingrid Heckner (CSU), Vorsitzende des Ausschusses für den öffentlichen Dienst. Sie ist aber auch überzeugt: „Grundsätzlich sind wir in Bayern auf einem sehr guten Weg, wenn es darum geht, Frauen in Führungspositionen zu bringen“, findet Heckner. Zur Untermauerung ihrer Ansicht nennt sie Folgendes: „Nehmen Sie beispielsweise die Staatskanzlei und die bayerische Vertretung in Brüssel: Beide werden von Beamtinnen geleitet.“
Es gibt keine Beispiele ohne Gegenbeispiele: „In der Staatskanzlei und den zehn Staatsministerien gibt es unter elf Amtschefs nur eine Frau. Das sind 0,9 Prozent und damit beschämend wenig“, argumentiert Stefan Schuster (SPD), stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für den öffentlichen Dienst.
Aus seiner Sicht ist dies eine Erklärung für die unzureichende Gleichstellung in besagtem Bereich: „Offensichtlich sind damit auch die Fraktionen, die die Regierung tragen, überfordert. Die Anteile von weiblichen Abgeordneten liegen bei der CSU nur bei 20,7 Prozent und in der FDP nur bei 31,3 Prozent.“ (Alexandra Kournioti)

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