Politik

24.01.2014

Mal Engel, mal Bengel

Der ADAC steht nicht zum ersten Mal in der Kritik - Unterstützung für den Autoclub kommt von den Freien Wählern

Bayerns Ministerpräsident hat angeblich schon länger geahnt, dass beim ADAC etwas im Argen liegt: Die aufgedeckten Manipulationen rund um den ADAC-Preis Gelber Engel haben Horst Seehofer jedenfalls „nicht überrascht“. Er habe sich im Zusammenhang mit der Maut „immer gefragt, wie man zu solchen Schlussfolgerungen kommen kann“. Für die meisten Deutschen kam der Skandal des in München sitzenden Autoclubs dagegen aus dem Nichts. Bei Umfragen rangierte der ADAC stets vor angesehenen Institutionen wie dem Roten Kreuz oder Greenpeace. Mit 19 Millionen Beitragszahlern hat er zudem mehr Mitglieder als alle deutschen Parteien und Gewerkschaften zusammen.
Doch wer genauer hinsah, dem hätte schon länger klar sein können, dass der Heiligenschein der gelben Engel Flecken hat. Längst ist aus den Pannenhelfern ein Megakonzern geworden: Mit 8500 Mitarbeitern und 40 Tochtergesellschaften erzielt der ADAC einen Umsatz von fast zwei Milliarden Euro. Der Club verkauft Versicherungen oder Reisen, vermietet Autos und macht als Busunternehmen der Bahn Konkurrenz. Doch wie neutral kann ein solches Unternehmen beispielsweise die Wasserqualität eines Sees messen, wenn es selbst als Reiseanbieter auftritt?
Auch der Umgang des ADAC mit seinen Mitarbeitern war offenbar nicht immer engelhaft. So beschwerten sich vor gut drei Jahren zahlreiche Angestellte des ADAC Nordbayern bei der Gewerkschaft Ver.di sowie einer eigens eingesetzten Ombudsfrau über angebliches massives Mobbing und Sexismus. Manche Mitarbeiter seien „psychisch am Ende“, kritisierte Ver.di Ende 2010. Der Anwalt des ADAC Nordbayern sagt, damals seien „einige Personen instrumentalisiert worden.“

Mobbing und E-Mail-Schnüffeleien


Auch anderswo gab es Probleme: So berichtete die ehemalige Leiterin der Abteilung Informationstechnologie des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt 2013, sie habe im Auftrag der regionalen Geschäftsführung E-Mails von Betriebsratsmitgliedern ausgeschnüffelt sowie Mitarbeiterhandys ausgelesen. Und ein ehemaliger niedersächsischer ADAC-Vorstand sprach im NDR von einem „Klima der Angst“, das im dortigen Verband geherrscht habe. Erst nachdem kürzlich der regionale Geschäftsführer ausgewechselt wurde, habe sich das Verhältnis zwischen Belegschaft und ADAC-Spitze normalisiert, bestätigen niedersächsische Arbeitnehmervertreter. Der neue niedersächsische ADAC-Boss Ulrich Krämer spricht von einem „Kurswechsel“. Die Münchner ADAC-Zentrale will die damaligen Vorwürfe nicht kommentieren. Politiker äußerten sich trotz solcher Vorkommnisse in der Vergangenheit fast immer positiv über den ADAC. Umso heftiger ist die jetzige Kritik: So fordert Seehofer eine „unabhängige Prüfung“ der Vorgänge im Automobilclub. Und Bayerns Linken-Chef Xaver Merk will „eine klare und nachvollziehbare Trennung zu den gemeinnützigen Zielen“.
Hubert Aiwanger, Vorsitzender der Freien Wähler, fordert ebenfalls eine Aufklärung des Sachverhalts. Er sei aber „schon verwundert, welche Wellen es schlägt, ob beim ADAC 3000 oder 30 000 Leute angerufen haben, um ihre Liebeserklärung für eine bestimmte Automarke abzugeben.“ Aiwanger hat „den Eindruck, dass interessierte Kreise den ADAC hochgehen lassen wollen, weil er sich gegen die Ausländermaut der CSU ausgesprochen hat“. (Tobias Lill)

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