Politik

Ist genervt von den Quotengegnern in der CSU: Gudrun Brendel-Fischer. (Foto: Ralf Kruse)

01.10.2010

"Manche kapieren nicht, dass es um die Zukunft geht"

Gudrun Brendel-Fischer, Vorsitzende der CSU-Frauen im Landtag, über das Quorum, selbstherrliche Männer und weibliche Vorbilder

Besser als nichts – so beurteilt Gudrun Brendel-Fischer das 40-Prozent-Frauenquorum, das die Mehrheit der CSU-Frauen für alle Gremien der Partei fordert. Sie erhofft sich davon unter anderem eine Verdoppelung der weiblichen Mitgliederzahlen. Um mehr Politikerinnen und Wählerinnen für die CSU zu gewinnen, fordert die Oberfränkin mehr weibliche Vorbilder in der Partei.


BSZ: Frau Brendel-Fischer, die Frauenunion will ein Frauenquorum für die CSU. Warum nicht gleich das Original, eine Frauenquote?
Brendel-Fischer: In der noch immer männergeprägten CSU ist es wichtig, dass wir überhaupt ein Signal setzen. Wir haben momentan weniger Mandatsträgerinnen auf allen politischen Ebenen als vor zehn Jahren. Wir müssen jetzt auf eine durchsetzbare Art und Weise den Fuß in die Tür bekommen. Da scheint mir diese Quorumslösung immer noch besser als eine Absichtserklärung wie 2001.

BSZ: Was kann das Quorum überhaupt bewirken?
Brendel-Fischer: Ich glaube schon, dass sich dadurch die Zahl unserer weiblichen Mitglieder verdoppeln könnte. Außerdem unterscheide ich immer zwischen der Wirkung innerhalb der Partei und der Außensicht. Und es ist eindeutig so, dass noch nicht alle kapiert haben, dass es um die Zukunft geht. Auch um die der Männer. Die Gesellschaft erwartet ein Angebot, das eine gute Mischung zeigt. Und deshalb ist es ein Makel, dass die CSU so wenig Frauen hat.

"Ich war selber mal gegen die Frauenquote!

BSZ: Aber auch CSU-Frauen sind gegen die Quote. Ärgert es Sie, dass sie ausgerechnet aus den Reihen des Nachwuchs, der Jungen Union, kommen?
Brendel-Fischer: Ich verstehe ja die Sicht der jungen Frauen, die meinen, wir sind gut ausgebildet, selbstbewusst, wir trauen uns. Ich habe selber mal so gedacht! Doch die Entwicklung zeigt einen gegenläufigen Trend. Den wollen wir umkehren. Es sind unsere erfolgreichen Frauen, die jetzt Nägel mit Köpfen machen wollen, um deutlich mehr Frauen Perspektiven zu eröffnen.

BSZ: Wie sehen Sie die CSU-Frauen der Zukunft?
Brendel-Fischer: In meiner Generation gab es wenig junge Frauen, die wie ich mit Kindern, voll berufstätig nebenbei noch Parteiarbeit gemacht haben. Und ich glaube, die noch besser ausgebildete, aufstrebende Frauengeneration wird sich dieser Ochsentour a uch nicht hingeben. Sie machen dann bei uns mit, wenn sie mitgestalten können, Veranstaltungszeiten und Treffpunkte familienkompatibel sind und Themen konkret und ganzheitlich besprochen, nicht referiert werden.

BSZ: Haben Sie Angst, dass die CSU einen 40-prozentigen Frauenanteil gar nicht schaffen wird? Immerhin hat die Partei nur 18,4 Prozent weibliche Mitglieder.
Brendel-Fischer: Natürlich wird es so kommen, dass das Quorum nicht sofort flächendeckend erreicht werden kann. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass eine gewisse Konkurrenz entfacht wird. Beispielsweise könnte es unter den Bezirksfürsten ein Bestreben geben, nicht ausgerechnet der Bezirk zu sein, der sich nicht gut mit weiblichen Kandidaten aufgestellt hat.


BSZ: Sollten nicht auch die CSU-Frauen mutiger werden? In ihrem Frauenpapier hat die FU ausgerechnet die Forderung nach einen 40 Prozent-Frauenanteil an letzter Stelle aufgelistet.
Brendel-Fischer: Es soll um Gottes Willen nicht so sein, dass die ersten sieben Punkte umgesetzt werden und der achte wird gestrichen. Wir wollen ein Gesamtpaket, in das beispielsweise auch spezielle Förderung gehört. Der Hauptpunkt ist für mich aber schon der mit dem Quorum.

BSZ: Fakt ist, dass immer weniger junge berufstätige Frauen CSU wählen. Können Sie das verstehen?
Brendel-Fischer: Ja, es hängt nämlich viel davon ab, welche weiblichen Vorbilder es in einer Partei gibt. Bei den Grünen erlebt man viele Frauen, während man bei der CSU immer diese Männerbilder sieht. Das internalisiert sich natürlich. Wenn meine beiden Töchter, 20 und 23 Jahre alt, nicht durch mich und meine politische Arbeit geprägt wären, dann hätten die auch eine andere Sicht.

BSZ: Vermissen Sie weibliche Netzwerke innerhalb der CSU?
Brendel-Fischer: Es hat sich in den letzten Jahren viel verbessert. Früher gab es so eine Art Konkurrenz unter den Frauen, weil relativ wenige Positionen für Frauen frei und greifbar waren.

BSZ: Und die gab und gibt es meist in Bereichen, die man Frauen halt gern so zuordnet: Soziales etwa. Wann kommt die erste haushaltspolitische Sprecherin der CSU?
Brendel-Fischer: Wir haben in der Fraktion mittlerweile Leiterinnen in vier bedeutenden Arbeitskreisen. Zur Kandidatur für Führungsfunktionen fehlt Frauen häufig dann der Mumm, wenn sie gegen landtagserfahrenere Kollegen antreten müssen. Das wird sich ändern.

BSZ: Wie fördern Sie Frauen in Ihrem Umfeld?
Brendel-Fischer: Männer sprechen immer von den Stammtischen als Kontaktstellen. Ich habe immer versucht über Elternbeiräte einen Draht zu den Frauen zu finden. Es ist mir in meinem Bezirk Oberfranken auch gut gelungen die Generation nach mir zu gewinnen. Außerdem pflege ich guten Kontakt zu meinem ehemaligen Jugendverband.

BSZ: Waren für Sie weibliche Vorbilder in der Politik wichtig?
Brendel-Fischer: Ja, Rita Süssmuth zum Beispiel. Und vor allen Dingen Barbara Stamm. Für mich ist sie ein Leuchtturm in der CSU. Wenn es sie nicht gegeben hätte, glaube ich, wären viel mehr Frauen abgesprungen und hätten sich anderen Gruppierungen zugewandt.

BSZ: Hat es ein Schlüsselerlebnis gegeben, das Sie veranlasst hat, eine Frauenquote für Ihre Partei zu fordern?
Brendel-Fischer: Ich war in den 1980er Jahren Bundesvorsitzende der Deutschen Landjugend und wir hatten damals schon eine paritätische Besetzung. Rückblickend denke ich schon, dass ich mir das Selbstbewusstsein in überwiegend Männergremien zu agieren, vor allen Dingen in dieser Zeit erarbeitet habe. (Interview: Alexandra Kournioti)

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