Politik

Bayern hat deutschlandweit die meisten Öko-Bauernhöfe. (Foto: dapd)

18.01.2013

Mehr Bio für Bayern?

Am Donnerstag hat die Grüne Woche in Berlin begonnen - Anlass zu fragen: Wie steht es um die bayerische Agrarpolitik?

Bayern will noch mehr Biobauern. Zumindest fordert das Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU). Nach wie vor nämlich muss Bayern Gemüse und Fleisch aus ökologischer Produktion importieren. Im Freistaat wird mehr Bio konsumiert als produziert. Das will Brunner ändern und hat deshalb die Initiative „Bio-Regio Bayern 2020“ ins Leben gerufen. Das Ziel: Der ökologische Landbau in Bayern soll bis 2020 verdoppelt werden.
Im Freistaat gibt es schon jetzt so viele Ökobetriebe wie in keinem anderen Bundesland. Ein Drittel aller deutschen Biobauernhöfe liegt im Freistaat. Allein in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Höfe verdoppelt, derzeit sind es etwa 6700. Und nicht nur das: Auch die Fläche ist jetzt zweimal so groß wie 2002, knapp 210 000 Hektar werden nach ökologischen Maßstäben bewirtschaftet. Außerdem verarbeiten im Freistaat 2500 Unternehmen Lebensmittel zu Bioprodukten, so viele wie nirgends sonst in Deutschland.
Allerdings sind das die absoluten Zahlen. Prozentual gesehen liegt Bayern nur im guten Mittelfeld. Nur rund sieben Prozent der bayerischen Betriebe haben bisher laut Verband Bioland auf ökologische Landwirtschaft umgestellt. Im Saarland, in Brandenburg und in Mecklenburg-Vorpommern sind es jeweils um die zehn Prozent. „Da kann Bayern noch aufholen“, sagt Gerald Wehde, Sprecher von Bioland. Auch der Vorsitzende der Landesvereinigung für den Ökologischen Landbau in Bayern, Josef Wetzstein findet, dass in Bayern „wichtige strukturelle Entwicklungen vorangebracht werden“. Aber er sagt auch: „Wir brauchen noch stärkere politische Signale, damit Betriebe sich trauen, den Weg des ökologischen Landbaus zu beschreiten.“ Mit anderen Formen der Landwirtschaft lasse sich leichter Geld verdienen. Ohne ausreichende Förderung werde sich daher kaum ein Bauer für Bio entscheiden.
Bioland-Sprecher Wehde ist schon jetzt mit der bayerischen Förderpolitik zufrieden. „Bayern fördert die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft so sehr wie kein anderes Bundesland.“ Ende des Jahres laufen zum Beispiel verschiedene Subventionen für ökologische Tierhaltung aus, und die Staatsregierung wird deshalb 2014 ein Jahr lang ein eigenes Förderprogramm auflegen. Es soll verhindern, dass Ökobauern ihren Betrieb nach 2013 aufgeben oder wieder zum konventionellen Landbau wechseln, weil sich Bio ohne Subventionen wirtschaftlich nicht lohnt. Doch auch der Bioland-Sprecher fordert, dass der Freistaat sich noch mehr für Biolandwirtschaft einsetzt, vor allem auf europäischer Ebene.

Bayerns Grüne blicken neidvoll nach Baden-Württemberg


Derzeit diskutiert die Europäische Union über eine neue gemeinsame Agrarpolitik, es geht um die Neugestaltung der Richtlinien für Subventionen. Im Februar sollen voraussichtlich in den Ländern die Vorentscheidungen fallen. Umstritten sind die Naturschutzpläne von EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos, vor allem das sogenannte Greening. Danach sollen Bauern bis zu sieben Prozent ihrer Äcker nicht bestellen, um die vollen Fördergelder für ökologischen Landbau zu bekommen. Bayern lehnt derzeit – auf Druck des Bauernverbands – das Greening ab und damit die neue EU-Vorgabe zur Förderung der Ökolandwirtschaft.
Biolandsprecher Wehde: „Damit die Initiative „Bio Regio Bayern 2020“ ihr Ziel erreicht, müssen auch die Rahmenbedingungen der europäischen Politik stimmen.“ Die Grünen finden, dass der Freistaat nicht nur in Europa, sondern auch auf Landesebene noch mehr für nachhaltige Landwirtschaft tun muss. „Großbetriebe sollen weniger, kleine Familienbetriebe mehr Subventionen bekommen“, sagt Agrarpolitiker Adi Sprinkart. Er kritisiert vor allem die Zuschüsse für Massentierhaltung: „Zwei Drittel der Investitionsförderung in der Hähnchenmast gehen an Betriebe mit mehr als 30 000 Mastplätzen. Das hat mit bäuerlicher Landwirtschaft nichts mehr zu tun.“ Umgekehrt gingen kleine Familienbetriebe oft leer aus, weil Investitionen erst ab einer Summe von 30000 Euro gefördert würden.
Vorbild für die bayerischen Grünen ist Baden-Württemberg, wo ein Parteikollege dem Landwirtschaftsministerium vorsteht. Dessen Motto: „Die traditionelle konventionelle Landwirtschaft bietet Bauern keine guten Zukunftsperspektiven mehr.“

SPD: Regionalvermarktung stärken


Auch die SPD findet, dass Bayerns Regierung es gerade versäumt, die europäische Agrarpolitik so zu gestalten, dass Ökolandwirtschaft attraktiver wird. Aber für die Partei ist es vor allem wichtig, bayerische Bauern im Allgemeinen zu unterstützen, egal ob sie konventionell oder ökologisch wirtschaften. „Der Konsum der Lebensmittel aus der Region hat für uns absoluten Vorrang. Und wir wollen, dass die Erzeuger an der Wertschöpfung angemessen beteiligt werden.“ Maria Noichl, agrarpolitische Sprecherin der Landtags-SPD, sagt aber auch, ihre Partei würde nicht alles anders machen als die Staatsregierung.
Auch die Freien Wähler wollen vor allem regionale Produkte fördern. Laut Studien sind 79 Prozent der Verbraucher bereit, für regionale Lebensmittel mehr Geld auszugeben. Lediglich 21 Prozent konsumieren häufig oder ausschließlich Bio-Produkte. Ulrike Müller, agrarpolitische Sprecherin der Partei, sieht auch wirtschaftliche Chancen für die Landwirte: „Wenn wir die Forderungen der Verbraucher beachten, können wir langfristig für einen Teil unserer Bauernfamilien lukrative Märkte vor der Haustüre erschließen.“
(Veronica Frenzel)

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