Politik

Eine Polizistin heute während einer Schwerpunktkontrolle an der Autobahn 3 in Pocking bei Passau. Nach dem Flüchtlingsdrama in Österreich verstärkt Bayern die Fahndung nach Schleuserbanden. (Foto: Sven Hoppe/dpa)

31.08.2015

"Menschenverachtend und skrupellos"

In Österreich werden 71 tote Flüchtlinge in einem Lkw gefunden, im Freistaat setzen Schleuser Hunderte Menschen direkt an der Autobahn ab. Jetzt verstärkt Bayerns Innenminister den Kampf gegen Schleuser

Im Kampf gegen Schleuser verschärft Bayern die Kontrollen. "Die Schleuser wollen nur Gewinn machen und nehmen keine Rücksicht auf das Schicksal der Menschen", sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag bei einer Schwerpunktkontrolle an der Autobahn 3 bei Passau. Menschenverachtenden, skrupellosen Schleusern müsse das Handwerk gelegt werden.

Hunderte Flüchtlinge wurden in den vergangenen Tagen auf dem Standstreifen der A3 ausgesetzt. "Das ist eine höchstgefährliche Situation", betonte Herrmann. Nur durch Glück sei noch niemand überfahren worden.

Allein im Juli und August wurden in Niederbayern 670 Schleuser festgenommen

45 Beamte der Landes- und Bereitschaftspolizei kontrollierten heute bis zum Mittag 722 Autos, 380 Kleintransporter und 91 Lastwagen. Dabei wurden zwei Schleuser festgenommen und 17 Flüchtlinge aufgegriffen. "Nur eine Person wurde auf der Fahrbahn aufgegriffen. Damit hat die Kontrolle ihren Sinn schon erfüllt", sagte der niederbayerische Polizeipräsident Josef Rückl.

Alleine in Niederbayern, an der Grenze zu Österreich, wurden im Juli und August knapp 670 Schleuser festgenommen. Im gleichen Zeitraum wurden mehr als 33 000 Flüchtlinge aufgegriffen.

Parallel zu der Aktion bei Passau hat auch Österreich mit ähnlichen Kontrollen begonnen. "Das sind gute Nachrichten aus Österreich. Denn die Maßnahmen zeigen ja schon nach wenigen Stunden, nachdem sie angelaufen sind: Wenn man hinschaut, findet man auch etwas", sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, dem Fernsehsender n-tv. 

An diesem Dienstag nimmt in Passau eine länderübergreifende Polizeistelle ihren Dienst auf. Dort sollen Informationen zur Schleusungskriminalität gesammelt und ausgewertet werden. Die Stelle ist mit jeweils einem Experten vom Bundeskriminalamt in Wien, vom bayerischen Landeskriminalamt, von der Bundespolizei und vom Polizeipräsidium Niederbayern besetzt. "Wir wollen uns nicht mit den kleinen Fischen, also den Fahrern begnügen, sondern die Hintermänner ermitteln", betonte Herrmann.

Dabei sind die Schlepper den Polizisten oftmals einen Schritt voraus. "Die Schleuser schicken Fahrzeuge voraus und melden ihren Auftraggebern per Handy, wo es in Bayern Kontrollen gibt", erläuterte Polizeipräsident Rückl. Die Fahrer, die Flüchtlinge an Bord haben, würden dann auf Ausweichrouten delegiert. (dpa)

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Kommentare (1)

  1. Anton am 01.09.2015
    """" im Freistaat setzen Schleuser Hunderte Menschen direkt an der Autobahn ab........""""""""""

    Ja, wenn wir das zulassen!

    Ob, dies nicht eine Folge der schlanken Verwaltung in Bayern ist?
    Schließlich wurde das Personal der bayerischen Polizei um 20%
    reduziert und die Aufgaben sind um 25% gestiegen.
    Leider hat man vergessen die Aufgaben auch zu reduzieren.
    Ob dies die Regierung wieder ändern kann?

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