Politik

Horst Seehofer und Tamim Bin Hamad Al Thani kennen sich bereits. Vergangenes Jahr besuchte der Scheich München. (Foto: dpa)

17.04.2015

Mit den Scheichs Geschäfte machen

In der Golfregion sieht die bayerische Wirtschaft großes Potenzial – sie baut auf Ministerpräsident Seehofer als Türöffner

Er gilt als einflussreicher und umstrittener Herrscher im Nahen Osten: Tamim bin Hamad Al Thani, der Emir von Katar. Horst Seehofer wird ihn auf seiner Reise in die Golfregion treffen. Am Samstag geht’s los. In Saudi-Arabien und Katar will sich der Ministerpräsident der wirtschaftlichen Vernetzung Bayerns in den Bereichen Energie, Chemie, Verkehrsinfrastruktur und Städtebau widmen. Begleitet wird er von Landtagsabgeordneten sowie einer Wirtschafts- und Wissenschaftsdelegation.
Politisch sind die Ziele naheliegend: Über tausend bayerische Firmen pflegen nach Angaben des bayerischen Wirtschaftsministeriums Geschäftsbeziehungen mit Saudi-Arabien oder Katar. Dazu gehören Siemens, Allianz, Linde und viele Mittelständler. Die Entwicklung der Geschäfte ist rosig: Zwischen 2010 und 2013 stiegen die Exporte bayerischer Unternehmen nach Saudi-Arabien um 32 Prozent auf knapp eine Milliarde Euro. „Bayern genießt in der Golfregion einen hervorragenden Ruf, und gerade in der arabischen Welt ist der persönliche Kontakt auf hoher politischer Ebene besonders wichtig“, sagt Seehofer der Staatszeitung.
Insbesondere von Katar erhofft sich Seehofer eine Intensivierung der Zusammenarbeit. Ziel der Regierung in Doha ist es, unter dem Motto „National Vision 2030“ Welt-Hauptstadt des Sports zu werden. „Zur Umsetzung will das Land gigantische 200 Milliarden Dollar in die Infrastruktur investieren, insbesondere in Metro- und Bahnnetze, in Dutzende neuer Einkaufszentren und Großgebäude sowie in den Bau der WM-Stadien und in den Ausbau der Solartechnik“, so ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Für bayerische Unternehmen bestünden hier beste Entwicklungschancen.
Auch Stephanie Spinner-König, Geschäftsführerin des Elektrotechnik-Unternehmens Spinner und Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern ist Teil der Delegation. „Eine solche Reise ist für bayerische Unternehmen der optimale Türöffner, denn in der hierarchisch organisierten arabischen Gesellschaft kommt einer solch bedeutenden Delegation eine hohe Aufmerksamkeit zu“, so ein Sprecher der IHK. Durch die dringend notwendige industrielle Diversifizierung im Königreich gebe es außerdem noch viel Potenzial für bayerische Firmen.

Über tausend bayerische Firmen pflegen bereits Kontakte

Ebenfalls in der bayerischen Delegation: Bernd Huber, Präsident der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und Ferenc Krausz vom Max-Planck-Institut für Quantenoptik. Dabei steht ein Besuch des „Attosecond Science Laboratory“ in Riad auf der Tagesordnung der Delegation, eine gemeinsame Forschungseinrichtung der LMU, des Max-Planck-Instituts und der König-Saud-Universität. „In dem neuen Labor in Saudi-Arabien wird ein internationales Team erkunden, wie sich Elektronen unter Lichteinfluss bewegen“, erklärt Krausz. Dabei eröffnen Gelder der Universität in Riad neue Forschungsmöglichkeiten für die bayerische Wissenschaft.
In Bayern ist bereits im Vorfeld der Reise ein Streit entbrannt: Seehofer  schrieb in einem Benimm-Brief an alle Fraktionsvorsitzenden, dass er auf die Einhaltung der Verhaltensregeln Wert lege, „die für politische Delegationsreisen geboten sind“. Anscheinend ärgert er sich immer noch über das Treffen von Margarete Bause, Vorsitzende der Landtags-Grünen, mit Regimekritier Ai Weiwei während der China-Reise letzten November. Auch zeigte er sich wählerisch bei der Auswahl der Delegation selbst: Mit dem Freie-Wähler-Mann Alexander Muthmann ist nur ein Abgeordneter der Opposition auf der Delegations-Liste.
Wenn die Reise des Ministerpräsidenten mehr sein solle als eine innenpolitische Inszenierung, müsse er den Jemen-Konflikt, den Umgang mit Menschenrechten insbesondere auch für die Frauen ansprechen, fordert Bause. Einen „oppositionellen Reflex“ nennt Muthmann das. Auch sein Augenmerk liegt auf der Wirtschaft. „Wir sind als Delegation in einem Gastland, wo wir Verbindungen stärken wollen“, sagt er der BSZ. Da bringt es nichts, wenn wir uns auf der Reise untereinander streiten.“
Kritische Themen will Muthmann trotzdem nicht aussparen, betont er. „Mir ist es wichtig, Wertfragen in diplomatischen Gesprächen anzusprechen und dabei den Standpunkt der Gastgeber zu erfahren“, sagt der Freie-Wähler-Abgeordnete. Als er vor einigen Jahren mit einer Delegation in China war, machte er damit gute Erfahrungen: „Wir haben die Umweltverletzungen angesprochen und offen unsere Meinungen dazu ausgetauscht“, sagt er. Klare, sensible Gespräche würden dabei weit mehr bringen als ein politischer Rambo. (Felix Scheidl)

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