Politik

Seit dem Bundesparteitag sind in Bayern rund 200 Mitglieder von zuvor etwa 3000 ausgetreten. (Foto: dpa)

09.07.2015

Mitgliederschwund bei der AfD in Bayern

Vor allem in Bayern und im Saarland treten Mitglieder aus

Nach dem Bundesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) und dem angekündigten Rücktritt des Parteigründers Bernd Lucke leidet der bayerische AfD-Landesverband unter Mitgliederschwund. "Wir haben aktuell tatsächlich sehr viele Austritte", sagte Vorsitzender André Wächter am Donnerstag. Seit dem Bundesparteitag seien in Bayern rund 200 Mitglieder von zuvor etwa 3000 ausgetreten.  

Dabei seien die Mitglieder aus Bayern nicht berücksichtigt, die sich möglicherweise in der Zentrale in Berlin abgemeldet haben - sondern lediglich die, die ihren Austritt bei der AfD in München mitgeteilt haben, erklärte Wächter. "Die Rücktritte sind schon ein schmerzlicher Verlust, weil es sich hauptsächlich um aktive Mitglieder handelt."

Bundesweit nur noch 20 000 Mitglieder

Nach der Niederlage des liberal-konservativen Flügel auf dem zurückliegenden Parteitag hatte bereits am Montag in München AfD-Gründungsmitglied Dagmar Metzger gemeinsam mit anderen Parteikollegen ihren Austritt bekanntgegeben.

Die AfD dürfte nach der jüngsten Austrittswelle bundesweit noch etwa 20 000 Mitglieder haben. Nach Informationen aus verschiedenen Landesverbänden ist in den kommenden Tagen auch im Saarland noch mit etlichen Austritten zu rechnen.

Wie ein Sprecher des Vereins am Donnerstag mitteilte, beteiligten sich insgesamt 2600 "Weckruf"-Mitglieder an der Umfrage. Wie viele AfD-Mitglieder sich über den Verein hinaus an einer neuen Partei beteiligen würden, sei noch unklar. Die Frage einer Neugründung soll den Angaben zufolge am 19. Juli bei einem Treffen der Länderkoordinatoren des Vereins in Kassel besprochen werden.

Die Gründung des "Weckruf"-Vereins im vergangenen Mai hatte die Spaltung zwischen Rechten und Liberalen in der Alternative für Deutschland verschärft. Der liberal-konservative Lucke-Flügel hatte den Verein damals gegründet, um sich von Rechtspopulisten abzugrenzen, die zuletzt in großer Zahl in die AfD eingetreten waren.

Lucke hatte am Mittwoch seinen Austritt aus der AfD angekündigt. Das ehemalige CDU-Mitglied hatte die Partei 2013 gemeinsam mit anderen Kritikern der Eurorettungspolitik 2013 gegründet. Lucke sagte, er lasse sich nicht als "bürgerliches Aushängeschild" für ausländerfeindliche und systemkritische Politik missbrauchen.  

Die neue Parteivorsitzende Frauke Petry reagierte empört: "Ich empfinde es als anmaßend, dass er die verbleibende AfD ins anti-bürgerliche Lager stellen will." Der Thüringer Landesvorsitzende Björn Höcke erklärte, der neue Bundesvorstand und die Mehrheit der Mitglieder verstünden die AfD als eine Partei, "zu der ein grundsätzlicher Erneuerungsauftrag gehört".

Beim Bundesparteitag am vergangenen Wochenende war Petry zur Ersten  Parteivorsitzenden gewählt worden. Der unterlegene Lucke war von zahlreichen Parteitagsbesuchern aus dem rechten Lager ausgebuht worden. Seit dem Parteitag haben zahlreiche Funktionäre die Partei verlassen. Zu ihnen zählen der baden-württembergische Landesvorsitzende Bernd Kölmel, der Bremer AfD-Fraktionschef Christian Schäfer und der Europaparlamentarier Hans-Olaf Henkel. Henkel nahm am Mittwochabend auch an einem Treffen der Lucke-Anhänger teil, bei dem über eine mögliche Neugründung gesprochen wurde.  

Besonders groß ist die Zahl der Austritte aus der AfD bisher im Süden und Südwesten Deutschlands. Aus Niedersachsen, Hessen und den östlichen Bundesländern sollen sich dagegen deutlich weniger AfD-Mitglieder aus der Partei verabschiedet haben. (dpa)

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