Politik

In München auch weiterhin nur vereinzelt zu finden: Stolpersteine zum Gedenken an NS-Opfer. Lediglich auf Privatgrund dürfen sie verlegt werden. (Foto: dpa)

29.07.2015

München bekommt keine Stolpersteine

Der Stadtrat der bayerischen Landeshauptstadt will lediglich mit Tafeln an Stelen und Hauswänden den NS-Opfern gedenken - und einem zentralen Denkmal

In München wird es auch in Zukunft keine Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer des Nazi-Terrors geben. Der Stadtrat der bayerischen Landeshauptstadt sprach sich am Mittwoch mehrheitlich dagegen aus, die mit kleinen Messingplatten bedeckten quadratischen Betonsteine auf öffentlichen Straßen und Plätzen zuzulassen. Stattdessen sollen Stelen und Gedenktafeln an Hauswänden sowie ein zentrales Namensdenkmal auf die Schicksale der Ermordeten aufmerksam machen. 

Die Stolpersteine werden von manchen Angehörigen als unwürdige Form des Gedenkens empfunden, da die Opfer ihrer Ansicht nach erneut mit Füßen getreten und erniedrigt werden. Vor allem Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, sprach sich immer wieder vehemnt gegen diese Form des Gedenkens aus. Für andere dagegen sind die Stolpersteine ein Herzenswunsch. 

In vielen Städten unterschiedlicher Länder sind die kleinen Messingplatten des Künstlers Gunter Demnig im Gehweg mit den Namen der Opfer selbstverständlich. Weltweit gibt es inzwischen 50.000 Stolpersteine in 1200 Städten in 18 Ländern.

Ebenfalls geplant: Ein zentrales Denkmal  mit den Namen aller Münchner Opfer 

In München aber möchte man sich nicht über die Bedenken der Stolperstein-Gegner hinwegsetzen. "Wir haben uns die heutige Entscheidung alles andere als leicht gemacht und sehr viel darüber diskutiert", sagte der SPD-Fraktionschef Alexander Reissl, der die Erinnerungstafeln für eine sehr würdige Form des Gedenkens halte. Er betonte: "Es war und ist für uns nicht denkbar, eine Gedenkform in München zu etablieren, die von der IKG als Repräsentanz der mit Abstand größten Opfergruppe abgelehnt wird." 

Über das individuelle Gedenken auf Gedenktafeln hinaus ist in München außerdem die Errichtung eines zentralen Denkmals mit den Namen aller Münchner Opfer geplant. Dieses soll am sogenannten "Ehrentempel" nahe des NS-Dokumentationszentrums entstehen. Ein Historiker soll mit den Recherchen betraut werden, damit man allen Opfergruppen gerecht werde. (aka/dpa)

 

 

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