Politik

Ein digitales Bauamt mit virtuellem Data-Room: ein häufiger Wunsch von Firmenchefs. (Foto: dpa)

04.12.2015

Neidvolle Blicke nach Cham

Die bayerischen Unternehmen wünschen sich mehr E-Government – und verweisen auf ein Best-Practice-Modell in der Oberpfalz

Noch ländlicher als der Landkreis Cham – das geht kaum in Bayern: keine Autobahnen, die Grenze und der Oberpfälzer Wald sind nah, die Metropolen fern, das Ganze dünn besiedelt. Trotzdem nimmt der Kreis im bundesweiten Vergleich eine Vorreiterrolle beim E-Government ein.

So haben die Chamer schon im Jahr 2000 eine spezielle Anwendung entwickelt, die Aufbau und Bereitstellung von Daten in der öffentlichen Verwaltung ermöglicht. Die Daten umfassen Informationen zu Personen, Aufgaben oder Geschäftsverteilungsplänen und können von verschiedenen Anwendern genutzt werden. Das Ganze nennt sich KomXPress und erlaubt mittlerweile auch die Verbindung zu Personalwirtschaftsdokumenten oder den interkommunalen Geoinformationssystem-Anwendungen. Inzwischen nutzt etwa die Hälfte aller 71 bayerischen Landkreise KomXpress.

Am weitesten aber ist Cham beim E-Government – im ländlichen Raum. Bei den Städten hat Erlangen die Nase vorn. Stolz sitzt der Chamer Landrat Franz Löffler (CSU) deshalb neben Bertram Brossardt, dem Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw), als dieser die neue hauseigene Studie „Das digitale Rathaus“ präsentiert – mit Cham als Vorzeigekommune. „85 Prozent unserer Landkreisfläche verfügen inzwischen auch über schnelles Internet“, frohlockt der Landrat – also eine Übertragungsrate von mindestens 50 MBit pro Sekunde. Löfflers Botschaft: Wenn es Cham mit dem E-Government schafft, dann schafft es der gesamte Freistaat.

Mehr als nur online den Führerschein verlängern

E-Government, so der Tenor der vbw-Studie, soll schon deutlich mehr sein als die Online-Beantragung eines neuen Führerscheins. „Handlungsempfehlungen aus Sicht der Wirtschaft“ wolle man den Kommunen geben, sagt Bertram Brossardt. Es passiert derzeit zwar vieles in den Ämtern, aber es geht natürlich noch mehr. Knapp zwei Drittel der Unternehmen im Freistaat fordern mehr digitale Anstrengungen der Kommunen, vor einem Jahr war es nur rund die Hälfte. „Bürokratieabbau, Wettbewerbsvorteile, Kostenreduzierung“ – das ist es, was Brossardts Mitgliedsunternehmen von E-Government erwarten. Das Ganze sei einer der wichtigsten bayerischen Standortvorteile.

„Ein besonderes Problem ist die schwache Verbreitung digitaler Signaturen“, klagt Brossardt, Verwaltungsvorgänge ließen sich deshalb noch immer nicht vollständig und sicher digital bearbeiten. Verbesserung erhoffen sich die Unternehmen hier durch das geplante bayerische E-Government-Gesetz, das kommende Woche im Landtag behandelt wird. Darüber hinaus wünschen sich die Unternehmer vom „digitalen Rathaus“ unter anderem ein digitales Bauamt mit virtuellem Data-Room, mehr mobile Angebote wie beispielsweise Apps, themenspezifische Newsletter und Servicestellen für ausländische Fachkräfte.

Eine Hoffnung allerdings lässt der auch für den Breitbandausbau zuständige bayerische Heimatstaatssekretär Albert Füracker (CSU) platzen – die auf weniger Papier. „Eher gibt es das papierfreie Klo als das papierfreie Büro“, flachst Füracker. (André Paul)


Zu diesem Thema gibt es am Dienstag, 8. Dezemberg 2015, auch eine Informationsveranstaltung der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw). Sie beginnt um 18 Uhr im Europasaal in der Max-Joseph-Straße 5 in München.

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