Politik

Wohnungseinbrecher sind weiterhin auf dem Vormarsch - auch in Bayern. (Foto: dpa)

18.03.2015

Neue polizeiliche Kriminalstatistik

Bayern bleibt das sicherste Bundesland - doch auch im Freistaat ist die Zahl der Straftaten gestiegen

Die Zahl der Straftaten im Freistaat stieg 2014 um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf insgesamt 650 868 Fälle an, wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mitteilte. Der Anstieg sei aber vor allem auf "ausländerrechtliche Verstöße" zurückzuführen. Die Zahl dieser Verstöße gegen das Aufenthalts- oder Asylverfahrensgesetz habe sich um satte 81 Prozent erhöht. Trotzdem bleibt Bayern mit 5164 Straftaten pro 100 000 Einwohner (2013: 5073) im Ländervergleich auf Platz eins vor Baden-Württemberg und Hessen, auch wenn noch nicht alle Statistiken aus allen Ländern vorliegen. "Die Wahrscheinlichkeit ist doch ziemlich gering", dass Bayern noch überholt werde, sagte Herrmann.

Eine erfreuliche Entwicklung gab es nach den Worten Herrmanns bei der Gewaltkriminalität. Sie ging 2014 um vier Prozent auf 19.229 Straftaten zurück. "Vor zehn Jahren hatten wir noch 13 Prozent mehr Gewaltfälle", erläuterte der Innenminister. 39,1 Prozent der 19.730 überführten Gewalttäter waren alkoholisiert. "Damit zeigt sich einmal mehr, dass Alkohol der Aggressionsverstärker Nummer Eins ist", mahnte Herrmann. Von den 115 Mordfällen, 2,5 Prozent weniger als 2013, wurden 2014 fast alle aufgeklärt (97,4 Prozent). Einen Fallzahlenrückgang gab es zudem bei den gefährlichen und schweren Körperverletzungen (15.481 Fälle, -3,6 Prozent) sowie bei den Raubdelikten (2.507 Fälle, -4,3 Prozent).

Sehr deutlich ging 2014 in Bayern auch die Internetkriminalität zurück, um 12,5 Prozent auf 21.261 Straftaten. "Eine Entwarnung gibt es aber bei der Internetkriminalität nicht", so der Innenminister. Der verursachte Schaden liege mit rund 15 Millionen Euro (2013: 17 Millionen Euro) immer noch sehr hoch. Außerdem seien 2014 die Sexualstraftaten im Internet deutlich um 14,5 Prozent auf 1.025 Fälle angestiegen. Der sexuelle Missbrauch von Kindern übers Internet habe sich sogar im Vergleich zu 2013 um 57,8 Prozent auf 243 Taten erhöht. Nicht zufrieden ist der Innenminister mit der geringen Aufklärungsquote, die alle Fälle der Internetkriminalität eingerechnet nur bei 46,8 Prozent liegt.

Einbruchskriminalität auf dem Vormarsch

Grund zur Sorge bereitet Herrmann vor allem die Einbruchskriminalität. "Wohnungseinbrecher sind weiterhin bundesweit auf dem Vormarsch, leider auch in Bayern", erklärte Herrmann vor dem Hintergrund der bayernweit 8.210 für 2014 gemeldeten Fälle (+28,6 Prozent). In Bayern sei das Einbruchsrisiko mit 65 Einbrüchen pro 100.000 Einwohner aber trotzdem erheblich geringer, als anderswo (Bundesdurchschnitt 2013: 186 Einbrüche). In Nordrhein-Westfalen beispielsweise liege das Risiko, Opfer eines Wohnungseinbruchs zu werden, rund fünfmal so hoch (2013: 313 Wohnungseinbrüche pro 100.000 Einwohner).

Herrmann kündigte an, den Fahndungs- und Ermittlungsdruck gegen Einbrecherbanden weiter zu erhöhen. Schon ab 23. März werde die bayerische Polizei eine großangelegte Kontrollaktion fortsetzen, die im November 2014 zur Festnahme von 75 Straftätern geführt hatte. "In ganz Bayern nehmen unsere Fahnder insbesondere internationale Einbrecherbanden ins Visier", erläuterte Herrmann. "Aber auch Rauschgiftdelikte, Kfz-Diebstahl und Schleusungskriminalität werden intensiv verfolgt." Außerdem kommt die bundesweit einmalige Prognosesoftware „Precobs“ zum Einsatz, die seit Oktober 2014 in München und Mittelfranken im Rahmen einer Machbarkeitsstudie getestet wird. Auch die internationale Zusammenarbeit gegen reisende Einbrecherbanden soll weiter verbessert werden.

INFO: Kriminalität in Bayern in Zahlen

- 70 Menschen wurden im vergangenen Jahr im Freistaat Bayern umgebracht. Zudem zählte die Polizei 325 Fälle von versuchten Morden oder Totschlägen.

- 122 626 der insgesamt 650 868 Straftaten wurden in München gezählt. Mit 249 180 Fällen liegt der Regierungsbezirk Oberbayern (mit München) an erster Stelle; die wenigsten Fälle gab es mit 48 645 in der Oberpfalz. 

- 75,5 Prozent der 302 986 Tatverdächtigen waren männlich, eine relativ hohe Frauenquote gab es bei den Straftatbeständen Verleumdung (50 Prozent), Warenkreditbetrug (42 Prozent) und Ladendiebstahl (41 Prozent).

- 9462 Straftaten wurden von Kindern unter 14 Jahren begangen, 26 569 von Jugendlichen zwischen 14 und 18 und 30 263 von Heranwachsenden zwischen 18 und 21 Jahren.

- 841 Millionen Euro Schaden entstand bei Eigentums- und Vermögensdelikten (2013: 1,062 Milliarden).

- 825 Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung wurden registriert (2013: 927). In 94 Prozent der Fälle war das Opfer weiblich. 

- 1650 Fälle von Brandstiftung zählte die Polizei (2013: 1694).

- 29 718 Ecstasy-Pillen wurden sichergestellt, 433 Kilogramm Marihuana, 172,5 Kilo Amphetamin, 75 Kilo Haschisch, 59 Kilo Kokain, 23 Kilo Heroin und 11 Kilo Crystal. (BSZ/dpa)

Weitere Details zur Kriminalitätsentwicklung 2014 in Bayern unter: http://www.stmi.bayern.de/sus/polizei/kriminalitaetsbekaempfung/index.php

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Kommentare (1)

  1. Roland am 19.03.2015
    Warum geht der Staat nicht stärker gegen "ausländerrechtliche Verstöße vor? Schließlich handelt es sich hier um Steuergelder!

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