Politik

18.11.2011

Nix zu machen bei den Männern

Betreuungsgeld: Alle Vorbehalte der Frauen wurden niedergebügelt

Eigentlich will die CSU jetzt eine Partei sein, die verstärkt Frauen anspricht. Parteichef Horst Seehofer, der bei den Christsozialen die Frauenquote durchdrückte, rief 2011 gar zum Jahr der Frau aus. Doch wenn’s konkret wird, ist es schnell mal vorbei mit der Frauenfreundlichkeit.
Das zeigt aktuell das Thema Betreuungsgeld. Dafür gab es bei den CSU-Frauen noch nie viel Begeisterung. Der organisierte Widerstand gegen das von Ex-Parteichef Edmund Stoiber im Jahr 2007 initiierte Projekt blieb jedoch aus, weil die Frauen ohnehin nicht glaubten, dass das Projekt umgesetzt wird. „Das Betreuungsgeld kommt eh nicht, weil dafür kein Geld da ist“, hieß es. Ein bisschen sind die CSU-internen Kritikerinnen also selbst schuld daran, dass die Prämie nun eingeführt wird – auch wenn um die Details noch gerungen wird. Dementsprechend verhalten ist derzeit der Protest weiblicher Christsozialer.
Sie habe da einen „Lernprozess durchgemacht“, sagt etwa Gerda Hasselfeldt, Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Die einstige Gegnerin befürwortet das Betreuungsgeld inzwischen – vorausgesetzt, der Bezug sei nicht daran geknüpft, dass die Frauen ihre Kinder selbst betreuen. Wer wolle, solle berufstätig bleiben dürfen, fordert Hasselfeldt.

"Geld wird für einen Schmarrn ausgegeben"


Im CSU-Vorstand war die Vorsitzende der Arbeitsgruppe Frauen im Landtag, Gudrun Brendel-Fischer, vor Kurzem mit dem Wunsch gescheitert, statt Bargeld Gutscheine für Bildungsangebote auszugeben. „Da war nix zu machen bei den Männern“, bedauert Brendel-Fischer. Sie glaubt: Auch in intakten Familien werde Geld oft „für einen Schmarrn ausgegeben“. Abgerückt sind die CSU-Frauen inzwischen von der Idee, statt eines Betreuungsgeldes Rentenanwartschaften für die Frauen zu zahlen – wie es die CDU-Frauen fordern. Das prognostizierte Mehr bei der Rente betrage nur ein paar Euro im Monat, heißt es in der CSU.
Eine der ehedem schärfsten Kritikerinnen des Betreuungsgeldes hat Horst Seehofer übrigens via Beförderung auf Linie gebracht: CSU-Vize-Generalsekretärin Dorothee Bär. Sie muss jetzt qua Amt von den Vorzügen des Betreuungsgeldes schwärmen, über das sie 2007 noch gesagt hatte: „Ich halte davon gar nichts.“
(Waltraud Taschner)

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