Politik

Am 1. Dezember jährt sich zum 25. Mal der Welt-AIDS-Tag. Das Thema ist in der Hintergund gerückt - leider. (Foto: Hertlein)

27.11.2013

Noch immer ein Stigma

Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember: Ein normales Leben ist für HIV-infizierte Frauen oft undenkbar - nicht wegen der Krankheit, sondern wegen Ausgrenzung und Diskriminierung

Jede Minute steckt sich weltweit eine Frau mit HIV an. Obwohl sich der Welt-Aids-Tag dieses Jahr am 1. Dezember zum 25. Mal jährt und sich viel getan hat in Sachen Prävention und Behandlung, gibt es immer noch viele Neuansteckungen und viele, die unter der Krankheit leiden. Aus diesem Anlass organisierte  Stefan Zippel, Leiter der Psychosozialen Beratungsstelle des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München, eine Themenwoche zu HIV und Aids. Am Dienstag ging es um HIV-Patienten, deren Schicksale oft vernachlässigt werden: HIV-positive Frauen. Sie erfahren noch immer Diskriminierung und Ausgrenzung – dabei ermöglicht die Medizin es heute sogar, dass HIV-Positive die Krankheit nicht mehr übertragen können.

 Franziska ist 26 Jahre alt. Ihre langen blonden Haare fallen locker auf ihre Schultern. Konzentriert blickt sie auf ihren Computerbildschirm. Ihre Finger huschen geschwind über die Tastatur. Franziska schreibt gerade ihre Diplomarbeit. Mit ihrer besten Freundin wohnt sie in einer Wohngemeinschaft. Nachmittags treffen sich die beiden Mädchen oft mit Freunden. Sie spielen gemeinsam Tischtennis im Park, picknicken, lachen. Franziska ist eine ganz normale Studentin. Und Franziska ist Botschafterin zum Welt-Aids-Tag – denn sie ist HIV-positiv.

 78000 Menschen in Deutschland geht es wie Franziska. Sie leben mit dem HI-Virus. Etwa 20 Prozent davon sind wie Franziska Frauen. Gerade weil Frauen seltener betroffen sind, bleiben sie beim Thema HIV/Aids oft außen vor. Dabei leiden sie anders unter einer HIV-Infektion als Männer. Bei HIV-positiven Frauen ist laut Robert-Bosch-Stiftung und der Deutschen Aids-Stiftung das Armutsrisiko doppelt so hoch. „Frauen isolieren sich nach einer Erkrankung stärker“, erklärt Diplom-Psychologin Ulrike Sonnenburg-Schwan, die auch am FrauenGesundheitsZentrum München tätig ist. „Sie haben Angst davor, dass sie oder ihre Familie und besonders ihre Kinder diskriminiert werden.“

 Freunde wenden sich ab

 

 

 Auch Gabriele, 53, weiß seit 11 Jahren von ihrer HIV-Infektion. Ihre grauen Haare sind im Nacken fest zusammengebunden. Ruhig erzählt sie ihre Geschichte. Heute engagiert sie sich in ganz Deutschland ehrenamtlich im Bereich HIV/Aids und lebt mit ihrer Krankheit. Auf den ersten Blick sieht niemand, was sie durchgemacht hat. Zunächst wird sie häufiger krank. Ihre Frauenärztin macht auch einen Aidstest. Das Ergebnis erfährt Gabriele am Telefon. Sie steht unter Schock. In ihr steigt Angst und Panik auf, zunächst irrt sie stundenlang ziellos durch München, weiß nicht wohin. Sie schämt sich. „Ich wollte vor allem das Leben meiner Kinder nicht zerstören“, sagt sie. Gabriele hat Angst vor den Reaktionen von Freunden, Familie und anderen Eltern. Vier Jahre lang hält sie vor jedem geheim, dass sie erkrankt ist – dann bricht sie zusammen ... (Jennifer Hertlein)

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der gedruckten Ausgabe der Bayerischen Staatszeitung vom 29. November 2013

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Kommentare (1)

  1. lachica am 30.11.2013
    Liebe Gabriele,
    mit Deiner Geschichte hältst Du mir fast einen Spiegel vors Gesicht, denn bei mir war es ganz genauso. Scham, Schuldgefühl und Angst, Gefühle, die ich die ersten 6 Jahre ganz alleine mit mir getragen habe. Erst danach fing ich an, dieses Schicksal anzunehmen, hab mich zum ersten Treffen getraut, um mich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Heute ist das Thema kein Problem mehr für mich, obwohl ich mich immer noch nicht zu 100 % oute. Nur mein Sohn weiß von meiner Infektion. Ich überlege aber, ob ich nicht auch offener damit umgehen soll, vor allen Dingen, da ich nicht mehr lange im Berufsleben stehen werde. Ich bin in einigen Monaten schon 62 und lebe damit seit 15 Jahren. Es geht mit mehr oder weniger gut, habe mein Auskommen, genieße das Leben so gut es geht und habe mittlerweile auch mehr Selbstvertrauen und Selbstbewußtsein. Alles das wünsche ich Dir auch. Sei Dir selber wichtig und seh Dich um, wieviel Elend und schlimmeres gibt es auf der Welt. Alles Gute!

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